Immer schön höflich

Das wär doch mal was: Sich immer dann entschuldigen oder sich bedanken, wenn andere sich uns gegenüber fies benehmen. So im Alltagsleben. Kann sich im Verlauf sogar zu einem Trend entwickeln, mit Glück zu einer Volxbewegung. Falls du jetzt etwas irritiert bist, weil du nicht recht weißt: Soll ich mich im Ernst entschuldigen, wenn, sagen wir, mein Nachbar mir eine tote Ratte durch das Küchenfenster wirft? Ja, selbst dann! Allerdings solltest du lieber mit harmloseren Vorfällen beginnen, nicht gleich mit Mord & Totschlag & Rattenbeschuss.

Zur Einübung geht es schon morgens am Frühstückstisch los. Deine pubertierende Tochter hat dir gerade die letzte Toastscheibe vor der Nase weggemampft? Dann flöte freundlich: »«Danke, dass du mir meine Lebensgrundlage entzogen hast. Jetzt werde ich verhungern, das ist viel besser als Leberkrebs.« Guck, schon senkt sich eine süßliche Friedenswolke über deine Familie und du bekommst sogar die Genugtuung eines Zuschlags, weil dein Sohn voll bekifft aus seinem Zimmer torkelt (»Danke für die Strafanzeige und das kaputte Auto. Wir wollten sowieso nach Sibirien auswandern«).

Am Bahnsteig entschuldigt man sich mit den Worten: »Tut mir leid, dass Sie mir auf den Fuß getreten sind.« Und im Bahnabteil: »Entschuldigen Sie vielmals, dass Sie meinen reservierten Platz eingenommen haben. Nun kann ich prima in der Toilette reisen.«

Dir fallen bestimmt auch zahlreiche Gelegenheiten ein, wo es nötig wird, sich um des Friedens willen zu entschuldigen. Beispiel Ehemann: »Vielen Dank, dass du mich geheiratet hast und mein Vermögen mit Schuhkäufen verprasst.« An der Theke beim Schlachter: »Danke liebe Frau Brammer. Wenn Sie sich nicht vorgedrängelt hätten, wäre ich bestimmt zu früh bedient worden und schon wieder zu Hause, danke, danke.« Auch deinen Zahnarzt solltest du höflich verabschieden: »Wie nett, dass Sie mir die Spitze erspart haben, sonst hätte ich womöglich keine Schmerzen gehabt.«

Auf Schritt und Tritt bieten sich Gelegenheiten, sich zu bedanken oder zu entschuldigen. Du brauchst nur deine Augen offen zuhalten … da wieder: »Oh Verzeihung, dass Sie mir die Vorfahrt genommen haben, wie blöd von mir«. Warmherzig die Schuld der charakterlosen Arschgeigen auf sich zu nehmen heißt, diesen asozialen Aasfressern & Drecksäcken von ihrer Schweineschuld zu befreien, quasi Beichte ohne Beichtstuhl.

Ach ja, und danke, dass mir niemand zuhört.

 

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