Das Grübeln und das Gulasch

Das Grübeln und das Gulasch

Schwerblütige Reime, tiefschürfende Reflexionen, schweißtreibende Grübelarbeit: Was teutsche Denker ablassen, beschert selbst kulturbeflissenen Oberlehrern ein Jucken am After und ihren Schülern eine irreparable Kulturphobie, die sich später in einer Zivilisationsverachtung austobt mit den bekannten Folgen: Fußball, Suff, fremdenfeindliche Parolen, Pommes Schranke, Aufmärsche faschistoider Parteien, Brüllattacken und das Einknüppeln auf Leute, die eine Brille tragen (Intellektuelle!).

Dabei könnte ein simples Auswechseln toxischer Begriffe die Dumpfnasen im ›Schland‹ zu feingeistigen Kunstliebhabern pimpen. Ein einfaches Wort reicht, dies aber mit der Wirkung flatuliner Zerstörung: Gulasch.

Goethe und Schiller, die Hassobjekte ganzer Generationen, generieren mit neu gestaltetem Gangsta-Rap Follower ohne Ende und Verstand: »Kabale und Gulasch« (Schiller), auf TicToc ein Megahit. Goethe geht mit »Das Gulasch des jungen Werther« viral und wird zum Hero der Fleischfresser und Currywurstschlinger. Nichts für Alt- und Grantelphilologen, dafür Slam-Poetry zum Niederknien.

Und erst die Philosophen! Wir verbessern da, wo der Muff-Kalauer abtörnt: »Es gibt kein richtiges Gulasch im falschen« (T. Adorno).

Kants kategorischer Inperativ ruft Gähnen hervor, unser Click-Bait dagegen tausendfache Seitenaufrufe im Web: »Handle so, daß die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Gulasch einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte«. Volltreffer!

Mit dieser Leichtigkeit des Undeutschen dürfte auch die Bibel wieder in den Fokus der moralischen Begierde treten. Als Teaser empfehlen wir: »Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Gulasch« (Johannes 8,11).

Ist das schon Blasphemie? Wurscht, denn das aufbrandende Kichern fegt den Staub von den Runen. Frech und frivol wie W. A Mozart, der wohl seinen Spaß daran gehabt hätte, eine seiner bekanntesten Opern als »Das Zaubergulasch« vorzustellen.

Verstaubte Runen, verstaubte Leinwände. Das rätselhafte Lächeln der Mona Lisa, präsentiert als Mona Gulasch, entpuppt sich jetzt als scharfes ungarisches Zwinkern!

Welche Gestaltungsmöglichkeiten bieten aber erst die Zitate aus Politik und Wahnsinn! Hätte Gröfaz A. Hitler sein Machwerk »Mein Kampf« mit dem Titel »Mein Gulasch« herausgebracht, uns wäre das Grauen des Dritten Reiches erspart geblieben, denn wer lacht, kriegt keinen hoch. Keinen Arm zum Gruße. Dies den Rechten als Denkaufgabe und Kochrezept.

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