Die Kunst der Haikus

Eine Anregung

Haikus gehören zu den kleinsten literarischen Formen und passen vorzüglich in unsere schnelllebige Zeit, in der es auf Effizienz und rasante Kernaussagen ankommt. Ein Haiku hat nur drei Zeilen, aber darin wird alles gesagt, was gesagt werden muss! Umschweifiges Geschwurbel wird vermieden, auf Metaphern oder Vergleiche wird verzichtet. Das fetzt!

Zum Einstimmen in das Metier nehmen wir uns das berühmte Frosch-Haiku vor, geschrieben von dem Meister Matsuo Bashō (1644 – 1694):

furu ike ya
kawazu tobikomu
mizu no oto

Eine der vielen Übersetzungen lautet:

Uralter Teich
Ein Frosch springt hinein
Plop

Eine Inspirationsquelle, die einlädt, eigene Variationen des Frosch-Haikus zu kreieren, traditionell aufgeschrieben mit dem Teepinsel auf Bambuspapyros:

Stiller Tümpel
Eine Kröte macht eine Arschbombe
Spritz

Wasserpfütze
Ein Schwein wälzt sich darin
Grunz

Trübe See
Eine Ladung Altöl wird verklappt
Schlier

Hoher Wasserturm
Ein Lebensmüder springt herab
Platsch

Betagter Darm
Ein Wind fährt hinaus
Pups

Angeschwemmte Wasserleich
Eine Made kriecht hinein
Schmatz

Dösender Gaul
Ein Bub piekst ihn mit dem Dorn
Wieher

Kalte Nase
Ein Schleim quillt in der Nebenhöhle
Rotz

Abgelaufenes Fleisch
Ein Mann verschlingt zwei Kilogramm
Kotz

Die Kargheit der dritten Zeile kann mit Pfiff und Fantasie aufgewertet werden, ohne das Gedicht zu überfrachten.

Schneeverwehung
Ein E-Auto schlittert hinein
Der Scheibenwischer knarzt

Dicker Fernsehkoch
Feinripphemd im Angebot
Schweißfleck unter der Achsel

Hier noch ein letztes Beispiel als Anregung für eigene kreative Haiku-Gestaltungen:

Die Blaskapelle marschiert
Tubasturm zum Takt der Füße
Dröhnalarm im Trommelfell

Haikumeister Hashō Teschner

Hinterlasse einen Kommentar