Rechts neben mir raschelt ein Zuschauer mit Bonbonpapier. »Diese Tüten kriegt man nur mit Gewalt auf«, bölkt er lautstark, »und dann raschelt es.«
»Das ist gar nichts«, schallt eine Frauenstimme, eine Reihe vor uns, »das Popcorn fliegt nur so durch die Gegend, und dann hat der Nachbar den ganzen Salat am Hals.« Es ist Frau Brammer, die sich zu dem Raschler umgedreht hat und dabei eine Tüte Popcorn verschüttet.
»Man gut, dass noch der Vorfilm läuft«, dröhnt der Raschler, »da kann man getrost kleckern.« Ich steige in den Diskurs ein: »Wenn ich den Cola-Becher schief …«
»Papperlapapp.« Wieder Frau Brammer! Mir wird schmerzhaft bewusst, wie papperlapapp ich bin. Auch die anderen Zuschauer tragen mir meine Papperlapapphaftigkeit nach, denn sie zischen. Eine Frau in der hinteren Reihe zischt: »Können Sie nicht Ihren Hut abnehmen? Man kann gar nichts sehen.« Sie meint den Herrn neben Frau Brammer, und es ist, wen wundert’s, niemand anders als Herr Brammer. »Unverschämt«, bellt Herr Brammer, »ich fordere Sie ja auch nicht auf, Ihre Bluse auszuziehen.«
»Da hört sich doch alles auf«, ruft die Blusenfrau.
»Schscht«, macht es im Saal. Der lautstarke Raschler erhebt sich, um seine Jacke auszuziehen.
»Verdammt heiß hier, da schmelzen glatt meine Ohropaxstöpsel.«
»Runter da«, kommt es aus der Dunkelheit, und ein »Kschschscht« sprüht wie eine Fontäne nach vorn. Von rechts steigt jetzt ein Geruch auf. »Mein Mann«, erklärt Frau Brammer, »muss beim Sitzen immer die Schuhe ausziehen, sonst besiedeln ihn schwerwiegende Abszesse.«
Bei der Aussicht auf schmelzende Ohropaxstöpsel und schwerwiegende Abszesse befallen mich Zweifel, ob ich überhaupt ins Kino wollte. Vielleicht wollte ich nur Kartoffeln kaufen und hatte den falschen Eingang genommen.
»Früher gab’s eine Pause und eine Eisverkäuferin mit Bauchladen«, kracht Herr Brammer in meine Zweifel, »heutzutage stinkt es nach Popcorn und Socken.«
In der nächsten Folge erzähle ich, wie die Brammers mir bei Kartoffelkauf behilflich waren.
