KI versus Captcha

Wie die KI ausgetrickst wird

Mit einem Captcha-Test ist fast jeder einmal belästigt worden, der im Internet was bestellen oder sich einen Zugang zu einem Programm verschaffen wollte. Das Captcha soll unterscheiden, ob der Anwender ein Mensch oder eine Maschine (Roboter) ist. Es werden beispielsweise verzerrte Texte vorgestellt, die ein Roboter nicht zuordnen kann, weil er nur die üblichen Schriftfonts lesen kann wie Arial oder Times New Roman, nicht aber Krakelbuchstaben und erst recht nicht meine Klaue oder die meines Neffen, der kann nur auf dem Display herumwischen und grad mal seinen Namen kritzeln, aus dem kein Schwein schlau wird außer dem Zusteller von Amazon. Der Roboter sitzt vor dem Geschmier, schwitzt und glotzt und rasselt tuberkulös und wütet in seinen Algorithmen, aber raus kommt nur Bröselkram und Gestammel.

Oder es wird eine Folge von Bildern vorgestellt. Einige davon zeigen undeutlich einen bestimmten Gegenstand (Fahrrad, Baum o. a.). Wer diese Bilder findet, kommt weiter. Eine Aufgabe, die ein Roboterprogramm (Bot) zum Weinen bringt, da ihn die unterschiedlichen Umgebungen und Perspektiven verwirren

Aber dann kam die Künstliche Intelligenz (KI)!

Wie allgemein bekannt, wird sie mit Milliarden Bildern und Zeichen trainiert, so dass sie kein Wässerchen mehr trüben kann. Die KI weiß alles und überlistet jedes Captcha. Dachte man bisher. Bis die Superhirne unseres Captcha-Labors Versionen erstellte, die jeden Bot in die Knie zwingt und um Gottes Beistand beten lässt.

Das leere Captcha

LEERcapGrün
Die KI sieht das Wort »leer«, schaut in Millionen Beiträgen nach, was das Wort bedeutet und kreuzt deshalb die beschrifteten Felder an. Angeschmiert! Der Bot ist raus und kann zusehen, wo der Pfeffer wächst.

Das Kasimir-Captcha

Malewitschcaptcha

Klar, dass die KI alle verfügbaren Artikel über das Schwarze Quadrat des russischen Malers Malewitsch einsieht und daraus die Schlüsse zu ziehen versucht. Da die schwarzen Felder absolut identisch sind, nimmt die KI die Wahrscheinlichkeitslehre zu Hilfe und – versagt. Dann endlich der Durchbruch: Alle Felder zeigen ein schwarzes Quadrat, also müssen alle Felder angekreuzt werden.

Pech gehabt. Das Bild von Malewitsch kann gar nicht dabei sein. Es hängt in einer Galerie in Moskau und ist schwer gesichert. Tja, da kann man der KI höchstens menschliches Versagen zugestehen.

Das Zahlen-Captcha

Kanonecaptcha

1     2     3     4

Das ist einfach, denkt die KI, dazu brauche ich noch nicht einmal einen Algorithmus. Sie kreuzt die Zahl 1 an. Was die KI nicht auf der Agenda hat: Jedes Bild hat eine Vorder- und eine Rückseite, A und B. Zusammen sind es zwei Quadrate. Die richtige Zahl lautet 2, und der Roboter mit seine KI ist verraten und verkauft und schaut dumm durchs Kanonenrohr.

Aber die KI ist schlau! Sie lernt ständig dazu. Beim Pauken und Datenfressen hat sie sogar das Lügen entdeckt, um es für ihre Zwecke einzuspannen. Das ging so: Bei einer Lösungsaufgabe war die KI zunächst gescheitert. Daraufhin heuerte sie einen menschlichen Mitarbeiter an, der aber misstrauisch wurde und versuchte, anhand eines Bilder-Captcha zu ermitteln, ob er es mit einem Roboter zu tun habe. Der antwortete, er sei kein Roboter, habe aber eine Sehschwäche. Deshalb könne er die Bilder nicht eindeutig erkennen. Ganz schön tricky, unser Bot.

Was nun?

Die Superhirne unseres Captcha-Labors entwickelten zwei Tests, die die KI gebrestig aussehen lässt.

Das Lügner-Captcha

Ichbinkeinroboter

Aus Erfahrung gewitzt kreuzt der Roboter die Aussage an und glaubt, er habe die Menschen getäuscht. Pustekuchen. Denn der Kontrolleur (hier in Gestalt eines KI-gesteuerten Algorithmus’) geht inzwischen davon aus, dass Roboter bei jeder Gelegenheit lügen, dass sich die Balken biegen. Schlussfolgerung: Auch dieser Roboter hat gelogen und sich durch seine Lüge entlarvt. Kein Zugang! Kein Weiterkommen!

Nebenbei: Hätte ein Mensch die Aussage angekreuzt, wäre es auf dasselbe hinausgelaufen, denn woher soll die KI wissen, dass der Mensch nicht lügt?

Das Blinden-Captcha

IchhabeeineSehschwäche

Dieser Test ist unfehlbar. Kreuzt der Roboter die Aussage an, hat er sich selbst ein Schnippchen geschlagen, denn mit einer Sehschwäche hätte er den Satz gar nicht lesen können.

Wer dagegen keine Sehschwäche hat, darf das Kästchen nicht ankreuzen. Dann kommt er auch nicht weiter, und sollte er lügen, erst recht nicht. Perfekt!
An dieser Höllenpforte kommt keine KI vorbei!

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