Husum – Huseum – Museum

Husum, das nordfriesische Kleinod an der Nordsee, präsentiert sich vollgepackt mit Museen und Ausstellungen. Auf Anhieb könnte ich 10 Ausstellungsorte an einer Hand abzählen. Glaubst du nicht? Da, guck:

Schifffahrtsmuseum
Haus der Fotografie (Museum)
Ladenmuseum
Poppenspäler Museum
Nordseemuseum
Weihnachtshaus (Museum)
Schloß vor Husum
Theodor-Storm-Haus (Museum)
Nordfriesland Museum
Ostenfelder Bauernhaus (Freilichtmuseum)
Nationalpark Haus
Kulturkeller Husum

Upps, das sind ja schon Elf, nee Zwölf, zwei mehr als die Hand hergibt. Was aber macht das mit den Opfern, den Indigenen aus Husum, auch genannt die Huseumer? Werden die irre? Oder stopfen sie sich mit Selbstverachtung das museal Überbordende in den Schlund wie zu Weihnacht die Pommes rot-weiß zum Brathering?

Weder noch, sondern sowohl als auch. Einige leben ihr bockiges Anders-Ich-Sein offenkundig im Humoristischen aus, im verschmitzten Schalk, wie die folgenden Zeugnisse des Aufbäumens aus der Schwerlast kultureller Überfrachtung zeigen:



Andere verfallen zivilisatorisch in den Zustand eines primären Überlebenskampfes:

Frühstücksreste eines Huseumers

Dazu passt der Hüttenbau der Huseumer Museumsflüchtlinge, die in Unkenntnis adäquater Reisigknüpftechniken oben offene Tipis zusammenflochten, nicht ahnend, dass Laub, Vogelkacke und Regendurchfall die Behausung zur Brutstätte von Lungenödemen, Bronchialfrakturen und Schimmelpilzkolonisation verlumpen lässt, eine Stätte, die den lebenserhaltenden Wünschen der Huseumer trotzig die Fehde erklärt:

Tipi, handwerklich noch mit „Luft nach oben“

Nicht viel besser ergeht es den Bewohnern dieses an sich plausiblen Nistwabenbaus. Immerhin, irgendein Empfang außer- oder innerterrestrischer Wellen per »Antenne« mag die Bude entflammen (UKW – Radio Eriwan – Stille Post?)



Leider muss auch sozialer Schiffbruch dokumentiert werden. Hier der Versuch, eine angekettete Discoanlage vor dem Zugriff von Museums-Scouts zu schützen:

Clubszene Husum: Sogar Stereo

Dort die Tarnung eines Hauseingangs als Schöner-Wohnen-Installation

Hauseingang (perfekte Camouflage)


Oder der Hochmut, eine moderne Wärmepumpe in Eigenregie zu errichten, um den Museumswächtern ein Schnippchen zu schlagen (Denkmalschutz). Verfehlt vermutlich ihren Zweck. Wir hoffen das Beste.



Und schon sind wir beim Tagesgeschäft, dem Tourismus, der den Huseumern, die noch nicht vom Museumsbefall erkrankt sind, die Einkünfte sichern soll. Dazu weiß der Huseumer sein Scherflein gewieft einzutreiben: Mit Schalk (siehe oben) im Fischerhemd wollen sie den Touristen weismachen, dass der Tag 25 Stunden hat. Vermutlich, um sie eine Stunde pro Tag länger zum Fischessen und Gedönskauf anzuhalten.



Auch mit stimmungsvollen Postkartenmotiven vom Hafen wird der Besucher geködert, der nun, einmal hergelockt, vor dem Tine-Café hockt, den Schaum seines Cappuchinos absaugt und vor einer beklemmenden Erscheinung erstarrt: Über das anmutige Hafenpanorama ragt die Wucht eines alles beherrschenden Brutalbetonsilos, der den Horizont verdüstert, ein bunkerklotziges Monument, welches kein visuelles Entzücken aufkommen lässt, solange der Blick von ihm dominiert wird, will sagen, auf immer und ewig aufgrund seiner Jahrhunderte überstehenden Bausubstanz.

Hafensilhouette: Was das Postkartenidyll verschweigt



Zwar bietet der Eingeborene dem Besucher aus Mitgefühl Rückzugsorte zur Rekonvaleszenz an, aber das mit Liebe gestaltete Ambiente der Plätze kann das Trauma des Hafenpanoramas nur kurzzeitig vergessen machen.

Dennoch: Der Huseumer hat nicht nur Museen zu bieten!

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