Neulich, im Fischladen

Neulich, im Fischladen

Die Kundin vor mir zeigt auf die Auslage. »Ist das Kabeljau? Bei Kabeljau muss ich immer aufstoßen.«

»Das ist gar nichts«, schallt eine Frauenstimme aus der rechten Ladenecke, »wenn ich Sprotten verköstige, befallen mich Blähungen, da kann man den Postillion hören.« Ich blicke in die Richtung des verköstigenden Posthorns und entdecke Frau Brammer.

»Davon kann ich auch ein Lied singen«, seufzt die Kundin, »bei mir ist es Aal. Einer zu viel und dann gute Nacht. Da kann ich gleich den Leichenwagen rufen.« Ich steige in den Diskurs ein: »Granat löst bei mir sofort …«

»Das ist gar nichts!« Wieder Frau Brammer. Sie lässt sich gerade von der Auszubildenden eine Dorade zeigen. »Genau 410 Gramm davon.«

»Aber ohne Gräten«, dröhnt eine Männerstimme von links. Herr Brammer! »Mit Gräten wird man praktisch um das Netto betrogen.«

»Gräten sind im Preis einkalkuliert«, erklärt der Fischhändler. »Sag ich ja«, bellt Herr Brammer, »überall nur Betrug.«

So belehrt wendet sich der Händler an die Kundin vor mir: »Haben Sie schon gewählt?« Sie spitzt ihren Mund: »Wenn Sie mich unbedingt ermorden wollen, müssen sie mir Aal einpacken.«

Bei dieser Aussicht auf ein finales Fischessen befallen mich Zweifel, ob ich überhaupt hierher wollte. Vielleicht wollte ich nur Kartoffeln kaufen und hatte mich in der Tür geirrt.

»Wenn man den Fisch entgrätet«, kracht Herr Brammer in meine Zweifel, »und die Haut und den Kopf abtrennt, bleibt praktisch nichts übrig.«

»Genau so ist es«, ruft seine Frau, »da lebt man nur noch von der Luft und der Liebe.« Misstrauisch schnuppert sie in der Luft. »Riecht die Dorade etwa? Der Fisch darf nicht riechen, und die Augen müssen glänzen, das können Sie sich schon mal merken, mein Fräulein.«

Auch die Kundin vor mir weiß etwas: »Der Fisch stinkt vom Kopf her, da fragen Sie mal meinen Mann.«

Von links kommt ein schmatzendes Geräusch. »Dieser Fisch war alt, das schmeckt man gleich«, lässt uns Herr Brammer wissen. Er legt einen angenagten Hering auf den Tresen. In der nächsten Folge erzähle ich, wie die Brammers mich beim Kartoffelkauf begleitet haben.

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