Neulich, am Badestrand

Neulich, am Badestrand

Eine Dame setzt sich neben uns auf ihr bereitliegendes Handtuch. Sie trägt einen Bikini und einen Nasenschutz aus Alupapier. Sie rückt ihre Nasenkappe mit einem Finger zurecht wie andere ihre Brille, wenn diese nach unten verrutscht ist. »Bei dem Schweißfluss auf der Haut hält nichts«, wendet sie sich uns zu, »da kann man noch so sehr drücken.«

»Sagen Sie mal«, sagt die Dame neben der Nasenkappe, »haben Sie einen Nasenausschlag, oder wie nennt man das fachspezifisch?«

»Ach, wäre es nur das«, seufzt die Nasenkappe, »hierbei aber handelt es sich um eine Sonnenunverträglichkeit mit Allergiepotential, die, so Gott es in seinem Plan vorgesehen hat, sich auf meine Nasenhaut spezifiziert.«

Der Herr neben der Dame, die ihre Neugier nicht hintan stellen konnte, dreht sich den Frauen zu, wobei er rieselnden Strandsand von seiner Badehose klopft. Herrjemine, das ist ja unser Herr Brammer mitsamt seiner Ehefrau beim gemeinschaftlichen Sonnenbaden. Herr Brammer korrigiert die Aussage der Nasenkappe: »Nicht spezifizieren dürften sie wohl gemeint haben, meine Verehrteste, sondern vermutlich fokussieren. Möglicherweise auch applizieren. Die Sonne hat demnach ihre Strahlen auf Ihre Nasenregion fokussiert zum Nachteil dieserselbigen.«

»Mein Mann«, erläutert Frau Brammer, »hat es gern mit der linguistischen Perfektion, das müssen Sie ihm nachsehen.«

»Wenn es denn nur die Nase wäre«, steigert sich die Nasenkappe, »aber selbst ein Sonnenöl Stärke 5 vermag meine Haut nicht zu schützen, die Hitzepustel sprechen ihre eigene Sprache, sehen Sie nur.«

Sie zieht ihr Bikinioberteil nach unten, um ihre Hitzepusteln vorzuführen. Herr Brammer lässt ein unterdrücktes Stöhnen vernehmen. Frau Brammer kneift ihre Lippen zusammen. Um die Situation zu entspannen werfe ich wie von ungefähr ein: »Bei mir wirkt Sonnencreme erst ab Faktor 7. Aber selbst diese Schutz …«

»Pah!«, unterbricht mich Frau Brammer verächtlich, »das ist gar nichts. Wenn ich Faktor 12 auflege, platzen bei mir die Brandblasen auf, und das Wässrige lässt sich partout nicht aufhalten, so sehr man auch tupft und tupft.«

Frau Nasenkappe hält dagegen: »Einmal habe ich eine Flasche Sonnenöl genommen und mich eingeölt, bis die Flasche leer war. Was ich nicht bedacht hatte, war, dass da gar kein Sonnenöl drin war. Gebrannt hat meine Haut wir das Feuer von Jericho, das kann ich flüstern.«

Herr Brammer schaut starr an den Hitzepusteln der Nasenkappe vorbei: »Da kommt der Sonnenbrand praktisch aus der Tube, hahaha.«

Wollte ich überhaupt am Strand liegen? Wollte ich nicht vielmehr Kartoffeln kaufen und war vom Weg abgekommen?

»Feuerquallen!!«, wirft Frau Brammer einen Fehdehandschuh in den Wettkampf um den schlimmsten Sommerschaden. »Wenn ich Feuerquallen nur von Weitem sehe, kann man mich zum Leichenschauhaus fahren. Oder gleich zum Krematorium. Dann nämlich rötet sich meine Haut, pellt und blättert in zuckenden Schüben herab wie der Ascheregen von Pampeji.«

»Pompejo willst du sagen«, berichtigt Herr Brammer sanft.

Beim nächsten Mal verrate ich, wie mir die Brammers beim Kartoffelkauf wertvolle Ratschläge zuteil werden ließen.

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