Neulich bei Ikea, im Restaurant

Neulich bei Ikea, im Restaurant

Am Tisch vor mir verteilt ein Herr mit Schnauzbart seine Frühstücksbeute: Brötchen, Eier, Lachs, Salami, Zwiebelmett, Käse, Omelett und Bratwürstchen. Dazu der Kaffeebecher.

»Köttbullar krieg ich erst zu Mittag runter«, sagt eine Frau am Nebentisch, »aber es gibt ja gewisse Leute, die stopfen sich den Hals bis oben voll, bloß weil es billig ist.« Frau Brammer, welch ein Zufall.

»Als ob die zuhause nur Wasser und Wein hätten«, bringt der Schnauz es auf den Punkt. Ich steige in den Diskurs ein: »Besonders der Lachs scheint mir …«

»Das ist gar nichts.« Wieder Frau Brammer. Sie quetscht zwei Omeletts auf ihr Mettbrötchen. »Da müssen Sie mal nach Möbel Maschland hin, am Aktionstag kriegen sie das Frühstück praktisch für lau.«

»Dafür kann man hier gratis Kaffee nachfüllen, bis die Blase explodiert«, erschallt eine Männerstimme. Herr Brammer! Er verschüttet Gratiskaffee auf den Fußboden. »Macht nichts«, dröhnt er launig, »war eh schon kalt.«

»Die Bleistifte«, doziert der Schnauz jetzt gewichtig, »man muss die Bleistifte einberechnen.«

»Was Sie nicht sagen«, spöttelt Frau Brammer. Sie zieht eine Plastiktüte mit ca. 20 Ikea-Bleistiften hervor. »Wer heute noch Bleistifte kauft, muss mit dem Feudel gepudert sein.« Der Herr zwirbelt an seinem Bart. »Kompliment, werte Dame.«

»Das ist längst nicht alles«, trumpft Herr Brammer auf. Er lässt einen Packen Zettel wie ein Skatblatt durch seine Finger schwirren. »Die Merkzettel sind ebenfalls gratis. Falls einem die Einkaufszettel ausgehen, hat man die hier als stille Reserve.«

Bei dem Gedanken an eine Unterversorgung von Einkaufszetteln befallen mich Zweifel, ob ich überhaupt zu Ikea wollte. Vielleicht wollte ich ja nur Kartoffeln kaufen und bin falsch abgebogen.

»Wegen dem Billy-Regal kommen wir gar nicht erst her«, kracht Frau Brammer in meine Zweifel, »wir haben zuhause Eiche, die kriegst du nicht kaputt.« Ihr Mann füllt derweil den sechsten Becher Kaffee in seine Thermoskanne.

In der nächsten Folge erzähle ich, wie die Brammers mich beim Kartoffelkauf begleitet haben.

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