Wer in Laboe einfährt, kommt zunächst am Kaufhaus Stolz vorbei und steuert dann das Eingangsportal zur Fußgängerzone an. Dort trifft er auf einen famosen Trick der Ortsverwaltung: Statt eines opulenten oder auch verführerisch aufgemotzten baulichen Vorzeigeempfangs ploppt beim Anblick des Ensembles der einzig denkbare Gedanke wie auch klamme Wunsch auf: Hier kann es nur besser werden. Und diese unangefochtene Steigerung der Vorfreude lässt den Gast hoffnungsfroh hineinflanieren in Raum, Ruine und Bepflasterung.

Jetzt kann es nur noch besser werden. Vorfreude, geschürt durch Understatement.
Dabei tragen die Laboeer und Laboeinnen, oder sollte man genderkorrekt kürzen: die Laboeenden – die Laboeenden also schultern ein Schicksal, das sie mit Paris eint: Dort ragt der Eiffelturm über alles, was nicht Beine zum Davonlaufen hat, hier in Laboe ist es das Ehrenmal. Es ragt und ragt, von wo man auch umherpliert, und zeigt dem kulturfremdelnden Touri den Ehrenfinger, da kann er sich drehen und winden und den Kopf unter den Arm stecken: mal vom Strand aus, mal in der Ferne, mal am Ende dieser Straße oder jener oder überhaupt jeder Straße.




Tatsächlich erweisen sich die Laboeenden als gastfreundliche Ortseinheimische, die keine Mühe scheuen, den Touris Plätze zum Ausruhen und Verschnaufen anzubieten, zu Einkehr und Traumabewältigung (Ehrenmal). Hie ein Sessel, dort eine farbenfrohe Bank vor Schaufensteridyll oder auch ein gemütlich gedeckter Gartenstuhl.



Verweiloasen – dem Sandwanderer nicht nur ein Augenschmaus
Wem es bei diesem Anblick fröstelt, dem halten die Laboeenden eine Vorrichtung vor, die so zahlreich nur in Laboe zu finden ist, die Saunatonne! Vermutlich hat ein Wandersaunatonnenverkäufer hier das Geschäft seines Leben gemacht, aber gut, zum Wohle der Gäste ist dem Ureinheimischen nix zu schade.


Dem Frösteln Paroli bieten
Ein Highlight der Unterhaltung ist am Strand aufgebaut: Ein Gestell, das täuschend wie ein Klettergerüst ausschaut, entpuppt sich als Plattform für den nautischen Durchblick. Wenn man sich vor das Gestell begibt und lange genug wartet, erscheint in dem mittleren Rahmen ein Schiff, hier ein Fährschiff. Da heißt es, das Smartphone zücken und die Rahmenhandlung den neidischen Zuhausegebliebenen posten.

Wie schon erwähnt, erblickt man vom Strand aus auch unweigerlich das Ehrenmal, doch ach, wer sich abwendet, um noch hübschere Urlaubsansichten zu erhaschen und zu knipsen für die Lieben daheim, sollte sich mental wappnen: Ein bunkerartiger brutalistischer Klotz versperrt Sicht und frohgemutes Ansinnen. Angeblich ein aufgelassenes Schwimmbad, großzügig überlassen für Graffitikunst und Gruselfaktor.

Zum Stil passend wurde für hungrige Nachtgänger und Schnellverköstigende eine Art Notrestaurant an den Klotz angefügt mit dem Nötigsten zum Überleben an der harschen Ostseeküste: Dosendrinks und Eier.

Notrestaurant ohne Firlefanz
Als Geheimtipp gilt das nächtliche Huschen zwischen und unter der Schwimmbadruine und dem Düsterehrenmal bei Vollmond: Voll spooky.



Es gilt noch viel zu entdecken, man muss nur die Infotafel richtig lesen.

Infotafel (Busfahrplan? Wahlplakat?)
Normal verabschiedet sich der Ortsstämmige mit dem Satz: „Dieses ist unser Ein und Alles, was braucht es mehr? Wir nennen es schlicht Laboe.“
Halt, da entdeckt der Schlurfende das, worauf sein Ferienjacher die ganze Zeit spekulierte: Signum für Wasser, maritimes Flair und Meeresstrand – eine Möwe.

