Den folgenden Leserbrief hat der Schriftsteller Klaus Modick vor einigen Wochen an die NWZ geschrieben. Die Redaktion hat es abgelehnt, ihn zu drucken.
Die Nordwest-Zeitung nimmt für sich in Anspruch, „überparteilich“ zu sein, aber die Kommentare des NWZ-Chefideologen Alexander Will schüren regelmäßig erhebliche Zweifel an dieser behaupteten Überparteilichkeit. Herrn Wills Beiträge sind Pamphlete, die mit einer an Hetze grenzenden Rhetorik alles, was politisch links von der AfD einzuordnen ist, als Vaterlandsverräter denunziert. Da ist die FDP „Kriegspartei Nummer eins“ (NWZ vom 17.2.), die SPD sind „Frösche“ (3.3.), und die Wurzel allen Übels, die Grünen, sind „angetreten, im Land keinen Stein auf dem anderen zu lassen“ (24.3.). Gegen die demokratisch gewählte Ampel-Koalition, die im Parlament über eine klare Mehrheit verfügt, wird von Herrn Will auf eine Weise gepöbelt und gepoltert, gegen die selbst die BILD-Zeitung regierungsfreundlich erscheint. Am 14.4. hat Herr Will seinen antidemokratischen Furor kernig zusammengefasst: „Wir sollen nicht mehr wählen können, wie wir unser Leben gestalten, wie und ob wir reisen, was wir essen, wie wir heizen, wie wir Häuser bauen. Wir sollen nicht mehr wählen können, welche Technologien wir zur Energieerzeugung nutzen. Stattdessen sollen wir eine Art Planwirtschaft rückhaltlos akzeptieren, so wie wir hinnehmen sollen, unser gesamtes Leben unter die Prämisse des Klimaschutzes zu stellen. Wenn es Not tut, dann müssen in dieser Schönen Neuen Welt auch Zwangsmaßnahmen her, die individuelle Handlungsfreiheit auf ein Minimum beschränken.“ Diese Behauptungen erweisen sich bei näherem Hinsehen als präzises Psychogramm eines politischen Paranoikers, der das Gefühl hat, verfolgt zu werden und Verschwörungstheorien entwickelt. Der Glaube, dass böse Mächte beabsichtigen, ihn zu schädigen, zu betrügen, zu beherrschen, ist typisch für einen Paranoiker. Oft kann er dafür auch „Beweise“ präsentieren, die für ihn überzeugend scheinen, für Andersdenkende dagegen überhaupt nichts besagen. Diese Überzeugungen sind schlicht wahnhaft. Bei Systemwechseln wie etwa nach der Wiedervereinigung Deutschlands wechselt bei Paranoia-Patienten oft auch der vermeintliche Verfolger bzw. die vermeintliche Bedrohung. Was zuvor Sozialismus und Stasi waren, sind nun Ampelkoalition und Klimaschutz. So zeigt sich im Fall des Herrn Will exemplarisch, wie eine DDR-Sozialisation noch heute für geistige Verwirrung sorgt und ein antidemokratisches Denken schürt, an dem schon die Republik von Weimar zugrunde ging.
