Stalinorgel der flitzpiependen Sabbelei

Die Verkäuferin vom Elektromarkt geleitete mich zum Showroom der Staubsaugerei, zog ein blitzendes Gerät aus dem Regal und rief unter Aufbietung eines Bewunderung heischenden Augenrollens: »Dies ist der Mercedes unter den Staubsaugern.«

Geschwind antwortete ich: »Respekt, eine Vossianische Antonomasie.« Hab ich natürlich nicht gesagt. Später, als ich mit dem Mercedes unter dem Arm in meine Einfahrt einbog, trat gerade die Nachbarin aus der Tür. »Hallo«, rief ich, »was treibt unsere Heidi Klum der Vorgärten denn so?« Worauf sie erwiderte, ich als »Papst der Anschleimer« könne mir die Klum in den Hintern treten.

Ein scharfzüngiges Vossi-Anton-Beispiel lieferte 1964 der Philosoph Adorno, als er über Jargon und Wortgetön herfiel und von der »Wurlitzerorgel des Geistes« sprach. Das Problem: Wer weiß heute, was eine Wurlitzerorgel ist und wozu sie dem Geist dienlich sein könnte. Ebenso gut hätte Adorno von der »Konfettikanone des Gehirns« fabulieren können und von sich selbst als »Intellektuelle Fassbombe unter den Frankfurtern«, wobei der Vossi-Anton-Ehrentitel »Stalinorgel der flitzpiependen Sabbelei« dem FDP-Politiker Christian Dürr gebührt, manche reden auch vom »Eyjafjallajökull der speienden Vokaldiarrhö«.

Insgeheim wünscht sich wohl jeder im öffentlichen Raum Wuselnde, auf den Olymp der Vossianischen Antonomasie gehoben zu werden. Fragwürdig allerdings mutet die Behauptung an, Helene Fischer sei die »Anna Netrebko der singenden Sägen«, wiewohl im Umkehrschluss die Netrebko sich bedanken würde, würde man sie als »Helene Fischer der Don Kosaken« ankündigen.

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