Männer, Kuhkacke, Lebertran

Männer, Kuhkacke, Lebertran

Wir stehen auf dem Feldweg, im gebührenden Abstand von 2 Metern, die Hunde von der Leine, jenseits des Grabens, dort, wo sich nach der Überlieferung Hund und Katze gute Nacht sagen. Oder waren es Hund und Hase?

»Fuchs«, sagt Marie Curie, die Nachbarstochter mit der losen Schnute, neuerdings Genderbeauftragte und Diskriminierungs-Skalpell der Theater-AG. Sie führt die Terrierdame Sissi aus, deren Frauchen, die frauliche Frauke, welche bei dem Schietwetter nicht mehr aus dem Lotterbett herausfällt … überhaupt, seit dieser Mann und Mensch namens Jonas … mein Schweigen dazu könnte beredter nicht sein, da fällt mir ein Spruch ein, den ich sofort loswerden muss: »›Männer können auch Menschen sein‹. Behauptet Alice Schwarzer, und die muss es wissen.«

Marie stumpft vor sich hin. Kennt die heutige Jugend überhaupt Feminismus-Ikonen wie die Schwarzer? Wie zur Bestätigung meines Verdachts fragt Marie: »Die Schwarzer?« Stirnrunzeln, böser Blick. »Schwarzer? Häh? Soll das ein Ersatz für das N-Wort sein?«

Rauhaar Klopstock hat Kuhkacke im Maul. Sissi springt um ihn herum, bettelt ihn an, aber nix! Wenn es um die Wurst geht, hier Kuhkacke, ist Unnachgiebigkeit angesagt. Härte. Die Kuhkacke gehört mir. Basta.

»Dein Hund ist genauso pervers«, sagt Marie. Genauso? Wie wer? Meinte sie mich?

»Wie wer?«, frage ich. Marie schnaubt.

»Ah ich verstehe«, rufe ich, »unsere Gender-Marie hat ne Ladehemmung. Braucht einen Löffel Lebertran, um das Wort zu ölen, das in der Kehle klemmt. Aber ich helfe gern nach: Alter Mann, wolltest du sagen, Steigerung: Alter weißer Mann. Pervers wie ein Hund. Praktisch kein Mensch.«

Das Stück Kuhkacke ist jetzt abgängig.

»Gutes Thema für eure Schülerzeitung«, fällt mir ein, »Überschrift: ›Ab wann mutiert der Mann zur Frau?‹ Weil, Frau Schwarzer setzt ja Frauen mit Menschen gleich, Männer aber nur nach bestandener Prüfung und tiefem Kotau. Wann also beginnt das Frausein des Mannes im menschlichen Kleid?«

Marie trollt sich, Sissi missmutig hinterdrein. Ob das Gör überhaupt Lebertran kennt, frage ich mich. Vielleicht hält sie es für ne Psychodroge. Oder für ein Haargel.

Euer Heinzi

(Friesländer Bote 05.12.2020, letzte Seite)

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