Modick/Eilert schrifteln was

Die NWZ in der Demenzdämmerung?

NWZ am Samstag: In der Kolumne ‚100 Meisterwerke des 20. Jahrhunderts‘ stellen die Literaten Modick und Eilert 100 Meisterwerke des 20. Jahrhunderts vor. Am 05.12.2020 war Robert Walser dran: „Der Spaziergang“ (1917).

Diese Prosa sei nicht so einfach einzuschätzen, warnt uns das Kolumnistenpaar Modick/Eilert gleich am Anfang. Warnt wovor? Vor der eigenen Überforderung? Frühzeitige Abbitte für die Unfähigkeit (Phlegma?), dem Leser Robert Walser irgendwie näherzubringen?

Da habens die Herren lieber mit der Dialektik, der unverbindlichen. Mit der Sowohl-als-auch-Rede. Wilhelm Genazino wird zitiert. Der sprach von der „Poesie der Schüchternheit“. Das sei nicht falsch, urteilt Anonymus aka Modick/Eilert, aber auch fraglich!

Walsers Naivität wirke tiefehrlich. Aber doch hochkünstlich!

„Der Spaziergang“ führe den Erzähler auf vertrautes Terrain, andererseits wie in Feindesland. Feindesland ja, aber allem und jedem begegne der Erzähler mit Freundlichkeit. Also doch nicht Feindesland?

Wo bei Walser der Ernst aufhöre, und er anfange, sich über uns lustig zu machen, verrate er nicht. Was die Altliteraten Modick/Eilert dem Leser nicht verraten, ist, worüber der Robert Walser in seinem „Spaziergang“ eigentlich schreibt. Kein Hinweis, keine Andeutung. Nix. Was passiert denn nun auf diesem ominösen Spaziergang des Herrn Walser? Trifft er auf eine Entenfamilie? Geht die Sonne unter? Wechselt eine Früherziehende ihrem Kind die Windeln, verstohlen hinter den Büschen? Wiehert ein Wallach? Bimmelt eine Trambahn durch die Auen? Springt ein Hosenknopf ab?

Nichts dergleichen erfährt man von Modick/Eilert. Außer, dass der Spaziergang wie ein sprachlicher Eiertanz mit verbundenen Augen wirke. Aha, der Walser in Person des Erzählers tappt also blind durchs Wortgewirr, tritt metaphorisch in einen Hundehaufen, stolpert über die Leiche eines dahingemeuchelten Duellanten??

Als Leser der Kolumne fühlt man sich veräppelt. Der Verdacht lässt sich nicht abschütteln, dass sich hier zwei literarische Platzhirsche aus Oldenburg mit ein paar hingewurschtelten Zeilen eine schnelle Maak verdienen wollen. Oder dämmern die Senioren bereits hinüber in das Nirvana einer bräsigen Demenz?

Und die NWZ? Muss Hohlraum füllen. Kennt man schon.

Nachtrag für Jungleser: Das Wort Maak ist ein historischer Ausdruck für D-Mark. Hier Synonym für Euro. Geflügeltes Wort in der Pennerszene: Has mal ne Maak?

Ende des Nachtrages

Moin

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