Eine regelrechte Raserei in Sachen Liebesroman hat die Kaltenhavenerin Autorin Amalie von der Straaten erfasst. Wie ein Beserker wuchtet sie Schicksal auf Schicksal in die Tasten ihres Laptops. Wir kommen kaum nach, ihre weltliterarischen Explosionen aus Leidenschaft, Erotik, Kondolenzen und tränenversackte Gefühlseruptionen zu veröffentlichen. Unser Ratschlag: Eine Großpackung Kleenex vorhalten.
Amalie von der Straaten
Ihr Herz hört nimmer auf zu lieben
Ja, fluchen kann die Förster-Liesl, die vom Eichengrund. Grad, wenn sie wieder einmal auf einer Wildsau ausgerutscht ist oder den Waldner Sepp aus dem Unterholz ziehen muss, wo sie ihn beim Kokeln erwischt hat.
Das ganze Dorf Dreifürth hat sich weggeduckt vor der Liesl ihrer Fluchkanonade, und wer zwei Beine hatte, ist weggerannt vor ihrer aufschäumenden Schmähorgie. Einen Verehrer musste die Liesl gar nimmer suchen, die waren ja emigriert ins Nachbardorf, eingepflockt im Schützen-Stübl beim Bärwurzsaufen vor lauter Verzweiflung, denn die Liesl, die mit den prallen Hüften, die hätte jeder gern in den Koben gezerrt.
Dann ist aber der fesche Katasterbeamte Wangelhuber Georg aufgekreuzt mit seinem VW-ID.3, und da hats ordentlich geknallt und gepfeffert in der Liesl ihrem Hormonhaushalt. Quasi ein Gefühlsgewitter bei Windstärke 12. Ratzfatz wurde das Aufgebot bestellt, die Hochzeit nachgeholt und abgefeiert in der Doppelhaushälfte der Schwiegereltern. Auf der Terrasse der Grill mit den Schweinswürstel, und die Katasterkollegen neidisch um die Braut scharwenzelt, da wollte jeder zum Zug kommen, insgeheim, wenn da nicht diese Flüche aus ihr herausgeiferten, puh.
Aber dann. Ein Jahr war schon futsch mit all dem Geturtel und dem ehelichen Bettgehupfe, da kam so ein Lackel umhergefahren in einem feuerroten Ferrari und ist rumgeschleudert um den Marktbrunnen, praktisch Cruising mit der Option für Sex auf der Motorhaube. Aus der Großstadt kam der Lulli, Erbe eines Bierkonsortiums. Allein der Name: Mauritius Valerian Graf Lammbröker. Der hat die Liesl im Handstreich weggeplündert und romantisch auf die Bahamas gepfiffen, im Privat-Jet mit Wasserbett und Schwimmlehrer, Bordrestaurant sowieso. Drunten gleich in die Bastmatten und hinterher die Bananen gerupft, na, und erst die Küsserei mit ethnologischer Knoblauchnote im oberen Gaumenbereich, das Schmatzen hat man am Nordpol noch gerochen.
Derweil hat der Wangelhuber Georg Tränen vergossen und jede Menge Frauen aufgebraucht zur Wegtuschung seines Herzschmerzes. Sogar der Dorfschwule, Ferdl Gmeiner, musste ran, bei Kummer ist man nicht wählerisch. Besonders aber die Jasmina hatte ihren Anteil, nicht nur pekuniär, sondern auch aus aufkeimender Liebe, und man tuschelte im Dorf, dass da was nachkäme, bei solch einer Frequenz, da stößt jede Kondomfestigkeit auf ihr Waterloo. Doch vergessen, seine geliebte Liesl psychoanalytisch verdrängen, das konnte der Wangelhuber nicht. Eines Tages, nach vollbrachter Unehelichleistung mit der Jasmina, machte er sich auf zum Reisebüro.
Unterdessen zeigte das feudale Liebesschmurgeln und Kussinferno unter den Palmen erste Risse. Liesl entdeckte in einem entfernt liegenden Kabuff ihres 32-Zimmer-Anwesens einen schwarzen grindigen Gnom, der ihr seine Nichte Aymee zum Verkauf anbot. Der Mauritius hätte schon Freude an ihr gehabt, und es sei Stammessitte, dass Aymee zur Nebenfrau ernannt wird und monatlich eine Rendite von 12 Dollar abzuwerfen hätte.
Schluchten der Entmenschung taten sich auf! Wie die Liesl fluchte und geiferte und schrille Bösartigkeiten ausstieß! Hin und her stampfte sie, ohne Ziel und Richtung, bis Bogdan, ihr Bodyguard, das Tor versperrte und ihr Asyl anbot sowie die gehaltreichen Dünstungen seines After Shave.
Seine Nähe! Sein Odeur! Sooft Bogdan auf Spaltbreite nahekam, schraubte sich ein Déjà-vu-Erlebnis ins Hirn der Betrogenen: Das Knarren morscher Dielen, der Geruch von staubigen Katasterakten, das Schlotzen von abspritzenden Dingdongs. Ach, wie sie das vermisste. Und erst der behaarte Rücken des Bodyguards, ein profunder Pelz mit undurchsichtigem Interieur, alles erinnerte sie an den Katasterbeamten mit dem ID.3. Da brachen die Dämme, und die Palmen raschelten im Rhythmus der Kopulationen eine Serenade der Liebe.
An Schuldgefühlen überreich beladen kehrte Liesl zu ihrem Mauritius zurück. War sie etwa eine Femme fatale?
Ach, wenn sie gewusst hätte, dass zur gleichen Zeit ihr Katasterprinz Georg im Flughafen von Nassau auscheckte. Das nächstbeste Taxi nahm er, auf zum 32-Zimmer-Anwesen des Biererben. Schon von weitem stach das Eingangsportal ins Auge, einer mit Blattgold verzierten Doppelgarage. Eine Einheimische hatte sich dort postiert, die läufige Benita, wie der Taxifahrer verächtlich anmerkte. Benita randalierte und spie Rotz auf den güldenen Zierat. Zwei Gören hatte sie sich aufgepackt, vorn die Angelie, hinten der Mauritius Zwo. »Dies Haus ist das meinige«, schrie sie und trommelte ans Tor, »der Vater meiner Kinder hat sich davongeschlichen, nur, um seine pickligen cojones anderswo zu kühlen. Lasst mich rein!« Sie fing an zu fluchen und zu gellen. »Die Chure aus Gärrrmanie hat ihn verhext«, krakeelte es aus den Zahnlöchern der indigenen Wutbürgerin, »dieser Abschaum aus einem verfickten Dreckloch …«
Dem Wangelhuber stieg die Hitze zu Kopf. »Die Liesl«, brach es aus ihm dumpf hervor, »meine über alles geliebte Liesl«, und bevor Benita ihr Schandmaul zuschnappen konnte, hatte er sich auf sie geworfen und männlich seinen Kommentar abgestempelt, na, das gibt eine Nachkommenschaft, meine Herren!
Daheim im Dorf Dreifürth versank Jasmina in ein Tal der Tränen. Zwillingsbuben hatte sie ausgetragen, Bankerte vom Georg, dem Katasterbeamten mit dem ID.3 und der sicheren Alterspension. Wohin mit dem Pack nur, dem ungewollten? Wird sie im Freudenhaus enden oder noch schlimmer, im Frauenhaus drüben hinter der Kirchmauer? Grad wollte sie sich zu Tode grämen, als der Leiter des Katasteramtes ihren Weg kreuzte, der Heribert, ein Dackel von einer Seele. Wie er sein Auge auf sie warf! Da riss die Wolkendecke auf, und Labsal rieselte herab mit all dem Segen, den der Himmel zu bieten hatte, und Hoffnung schmiegte sich in das wieder aufblühende Herz der nach Nestwärme Schmachtenden.
Den Heribert hat die Jasmina dann ganz tüchtig in sich hineingeliebt, und bald schon glaubte er ihren Worten, dass er der Vater der Zwillinge sei, nein, nicht nur der des schwarzhaarigen.
Der Wangelhuber Georg wiederum hat sich auf den Bahamas festgebissen wie eine Zecke am Sack eines Pudels. Sobald Benita ihr Maul aufreißt und schmutzige Flüche in die Küche rotzt, kommt es ihm, und dann fliegen die Spermien, und Liebesleid und Sehnsuchtskummer sind vergessen.
Die Femme fatale aus dem Dorf Dreifürth aber, die Förster-Liesl mit den prallen Hüften, jettet auf ewig mit ihrem Mauritius durch die Welt der Reichen. Auch wenn er hie und da in fremden Laken suhlt, ihr Herz hört nimmer auf, ihn zu lieben. Doch weder Ruhe noch Muße kehren ein in ihr Gemüt. Jedes Mal, wenn sie sich erschöpft von Jetlag niederlässt zum Pieseln oder Nägelkauen, springt ein schwarzer grindiger Gnom aus dem Gebüsch und bietet ihr seine Nichte Aymee zum Verkauf an.
