In Waren und um Waren

Der Stadtname Waren lädt zu Wortspielen ein, denen der gemeine Tourist nicht zugeneigt ist. Er erwartet vielmehr einen Ort, der ihn nicht mit sprachlicher Übertölpelung quält oder seinen auf Urlaub zurückgeschalteten Geist aus der Vermottung zerrt.

Nein, Waren enttäuscht nicht! Wer Waren betritt, taucht in eine Welt der Ferienwohnungen, Hotels und Restaurants ein. Sogar der Hafen ist damit exzellent bestückt, und wer testweise die Peripherie aufsucht, wird mit Ferienwohnungen, Hotels und Restaurants mehr als nur beschenkt. Noch weiter abseits entstehen Ferienwohnungen, Hotels und Restaurants jedweden Zuschnitts. Auch das Ufer des Müritzsees hat sich mit Ferienwohnungen, Hotels und Restaurants ausgeputzt. Wohin das Auge schweift: Nirgend bedrängt einem der Mangel an Ferienwohnungen, Hotels und Restaurants. Wenn es um die Bereitstellung von Ferienwohnungen, Hotels und Restaurants geht, kennt Waren kein Pardon.

Zwickt aber dem kulturell vorgeschädigten Besucher doch einmal das Jucken im Arsch, welches Wissbegierde anmahnt und das der Schlauheit verpflichteten Interesse an Kleinodien des kulturellen Verfalls bzw. Anfalls, will sagen Entfaltung, dann hat’s nur ein paar Schritte hie und da ins Nebenan, und der Suchende erfährt das EIGENTLICHE.

Wo anderswo Papier, Müll und Glas in großbäuchigen Containern verschwinden, wird es in Waren in die als Kunstobjekte getarnte Dreieinigkeit eingelagert, und wer einmal eine Leerflasche hineingeworfen hat, erschaudert schauerlich: Mit dumpfem Hall fällt das Objekt in eine Unterwelt der Abfallwirtschaft, dort, wo die Müllmänner hausen, die Pappe modert und wohin sich kein Sonnenstrahl verirrt. Andere Orte haben Grotten, Waren hat ein unterirdisches Höhlenmüllsammelsystem.

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Dreieinigkeit der Müllvernichtung: Unter den Einwurfkegeln Höhlen der Müllzeit

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit einer saustarken Überraschung schlägt die Marienkirche zu: Ein schwermetallisches Ofenadäquat, das aus einem Gräberfeld der Eisenzeit geborgen wurde, verrichtet nunmehr unverwüstlich seine Arbeit im Dienste des Herrn.

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Wohl dem, der die erste Bankreihe erobert.

 

Der Warensche Witz wiederum waltet wundersam, man muss ihn nur zu goutieren wissen.

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Köstlich auch, wie das Speisenangebot durch maritime Umgebung getoppt wird. Der Warener hat eben den Pfiff drauf.

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Gut, die Kunst kommt zwar nicht zu kurz in Waren, aber auch nicht zu lang. Oder breit.

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Kunst in Waren
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Kunst in Waren

 

 

 

 

 

 

Interkulturelle Begegnungen finden auf dem Polenmarkt statt. Für den Warener eine Fundgrube mit Sauerkraut, Salzgurken, Gewürzheringe und Krakauer, für den Touristen eine herbe Enttäuschung: Kein geklautes Autor im Angebot, keine gebrauchte Kalaschnikow, keine günstigen Hosenträger, das macht die Euphorie zunichte. Schade.

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Keine geklauten Autos, dafür Sauerkraut

Zum Trost kann sich der Urlauber bei Einbruch der Nacht mit einem Hafenpanorama entschädigen, das ihm noch einmal schön beleuchtete Ferienwohnungen, Hotels und Restaurants vorführt. Die Warener haben dafür sogar einen Namen: Sie nennen es „Waren“.

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