Das N-Wort beim Singen des Z-Wortes

Noch sind Schlager, Operetten und Heimatlieder den Inquisitoren der political-correktness (PC) durch die Lappen gegangen. Das dürfte sich, das muss sich sehr bald ändern. ‚Du schwarzer Zigeuner‘, 1959 von Vico Torriani glutheiß geträllert, dürfte heute von den Scharfrichtern der PC genüsslich abgeschlachtet werden. Immerhin, das Adjektiv schwarz kann hier als unbedenklich stehenbleiben, denn schließlich gilt die Bezeichnung Schwarzer für Neger (noch) als correctness-konform (Neger hier korrekt durchgestrichen, weil N-Wort).
Darf aber ein N-Wort das Z-Wort singen?

Never!

Denn die Bezeichnung ‚Zigeuner‘ ist ein Tiefschlag für alle Sinti und Roma, wie sie politisch korrekt genannt werden müssen, und deshalb muss der Schlager lauten:

‚Du schwarzer Sinti und Roma.‘

Das holpert wie Kartoffel und Torf, klingt aber immer noch abwertend. Dessen eingedenk wurde in den 1990ern der Begriff Zigeuner in ‚Angehöriger mobiler ethnischer Minderheiten‘ aufgewertet, quasi gepimpt. 2010 schmalzte Schlagersänger Peter Sebastian dann das Zigeunerlied mit dem bereinigten Text:

‚Du schwarzer Angehöriger mobiler ethnischer Minderheiten, komm spiel mir ins Ohr …‘

Leider ein PC-Wunschdenken, denn der Sebastian schwärmte nach wie vor vom Zigeuner, dem schwarzen! Da hatten die PC-Blockwarte nicht aufgepasst.
Dann der nächste Paukenschlag: 2008 änderten rheinland-pfälzische Behörden das ziganische Unwort in ‚Rotationseuropäer‘. Klingt wie Schrottschredderanlage, ist aber politisch mängelfrei:

‚Du schwarzer Rotationseuropäer, komm sing mir …‘

Gut, aber was ist mit dem Gender Gap? Was mit der Gleichstellung der fraulichen Zigeuner, pardon, Rotationseuropäer? Vom diskriminierenden Übel bereinigt lautet die Endversion des Schlagers:

‚Du schwarze(r) Rotationseuropäer*In, komm sing …‘

So wird ein PC-Schuh daraus, auch wenn die Aussprache auf den Fluss der Melodie eindrischt wie Knüppel auf Sack. Doch das sind Kleinigkeiten. Und wo wir schon bei den Kleinlichkeiten sind, pflegen wir zu guter Letzt noch die ‚Diversen‘ ein und hören zwar ermattet, moralisch aber ertüchtigt und politisch reinen Herzens:

‚Du schwarze(r) Rotationseuropäer*In und Diverse*In, komm sing mir ein Lied…‘

Halt! Was ist mit den nicht-binären Geschlechteridentitäten? Also die, die weder noch sind und schon gar nicht divers? Da weiß ich jetzt auch nicht weiter, denn soviel Text geben die Noten nicht mehr her.

Hier noch einige Titel zum Selberkorrigieren, das Z-Wort also immer schön durch ‚Sinti und Roma‘ ersetzen, oder auch durch ‚Rotationseuropäer*In plus Divers*In‘:

‚Zigeunerjunge‘ (Alexandra); ‚Zigeunerbaron‘ (Joh Strauss); ‚Aber am Abend, da spielt der Zigeuner‘ (Cindy und Bert); ‚Er war ja nur ein Zigeuner‘ (Julio Iglesias); ‚Wo sind die Zigeuner geblieben‘ (Jodelkönigin Angela Wiedl, 1995); ‚Lustig ist das Zigeunerleben‘ (Volkslied, Heino, Heintje, Tony Marshall, Medium Terzett) bzw. die Überhöhung in ‚Lustig ist das Zigeunerschnitzel‘ (Mike Krüger).

Wo wir schon in Fahrt sind: Demnächst nehmen wir den schwarzen Humor in die Mangel. Schwarz, noch ein allgemein akzeptiertes Synonym für das N-Wort, aber nicht mehr lange. N-Wort hin, schwarz her: Das geht gar nicht.

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