Club der Subversiven

Club der Subversiven

Vor ein paar Jahren hatte ich die Idee, das Internet platzen zu lassen. Dafür müsste man eine Schleife programmieren, so überlegte ich, die sich selbst mit jeder Umdrehung multipliziert und exponentiell ansteigende Ressourcen verbraucht, bis das System explodiert.

Ich konsultierte Timo, den Computer-Nerd, aber der muffelte nur: »Funktioniert nicht.«

Falls du jetzt denkst, dem Heinzi ist eine Feder aus dem Uhrwerk gesprungen, halt kurz inne. Denn der Grundgedanke war, die asozialen Medien gleich mit auszulöschen. Kann uns was Besseres passieren?

Derzeit denke ich daran, einen ›Club der Subversiven‹ zu gründen, ein Sammelbecken von Computerhackern und IT-Saboteuren. Den Anstoß dazu gab die Bilderkennungssoftware in meinem Auto. Diese erkennt alle Verkehrsschilder, zeigt sie auf dem Display an und reguliert bei einer Geschwindigkeitsbegrenzung sogar das Fahrtempo. Ein Muss für alle zukünftigen selbstfahrenden Autos. Inzwischen ist es aber einigen Tüftlern gelungen, die Software auszutricksen. Dazu klebten sie abstruse Zeichen auf die Schilder, worauf die Software durchdrehte: Sie gab wirre Meldungen raus und war reif für die Anstalt.

So einfach, so gut. Der wahre Horror, der dahinter lauert, kommt aus China. Dort ist die Gesichtserkennung so weit fortgeschritten, dass kein Bürger davor sicher sein kann und die staatliche Überwachung (und Repression) keine Grenzen kennt.

Na, die Computerfreaks haben nicht geschlafen und schon mal Programme entwickelt, mit denen Porträtfotos digital so verändert werden, dass der normale Mensch zwar keinen Unterschied sieht, die Software aber verrückt spielt und nix mehr zuordnen kann. Ein Hoch auf die Helden der Neuzeit!

Diese Ritter gegen die Entmenschung möchte ich im ›Club der Subversiven‹ bündeln und die Künstliche Intelligenz mit ihren eigenen Waffen schlagen. Ich stell mir die Programmierung einer winzigen Folie vor, die man sich auf die Stirn klebt und die die Erkennungssoftware in den Wahnsinn treibt. Computer-Nerd Timo quakte zwar sein »Funktioniert nicht« dazu, aber der futtert sein Bami Goreng mit den Fingern, das sagt doch alles.

Euer Heinzi

(Friesländer Bote, 31.07.2021, letzte Seite)

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