Zwei-Drittel-Nibelungen

Zwei-Drittel-Nibelungen

Kannst du dir Leute vorstellen, die kein Chinesisch können, nach Peking fliegen, sich dort zu einer traditionellen chinesischen Oper kutschieren lassen, um von 20 Uhr bis Mitternacht ein Drama anzuschauen, bei dem sie kein Wort verstehen? Am nächsten Tag noch eine Sitzung, Tags drauf eine weitere 4-Stunden-Oper mit Singsang und Verrenkungen, wieder kein Wort verstanden, egal, Kultur tonnenweise geschaufelt und ab in den Flieger? (Kollege Klöpper: »Verwirrte gibt es überall«).

Ich behaupte, du kennst welche. Sie heißen – nur ein Beispiel – Frau Angela Merkel plus Mann, und die chinesische Oper kommt als Ring des Nibelungen des Judenhetzers Wagner zur Aufführung, in Bayreuth, an drei Tagen ohne Vorspiel, 12 bis 15 Stunden Kolossaldrama, und es wird nicht chinesisch gesungen, sondern in einer ebenso rätselhaften Sprache, aber wurscht, denn, wie die Musikkritiker berichten, sind die Texte eh nicht zu verstehen. Nochmal zum Vergleich stelle ich mir ein vierstündiges Bollywood-Epos vor, Musik, Pathos, Action, Liebesgemetzel, glühende Augen – unsynchronisiert, ohne Untertitel. Kann man das aushalten? (Klöpper: »Nur mit Dope«) (Kulturwächter: »Schamloser Vergleich, Gotteslästerung!«)

Wenn der Nibelungen-Text ins Nebelhafte schwindet, was bleibt dann von dem von Wagner propagierten Gesamtkunstwerk aus Musik, Text und Inszenierung übrig? Ein Zweidrittel-Torso? Lebenswerk verfehlt? Gleichwohl verharren die Zuschauer auf ihren Marterstühlen und bejubeln frenetisch die Unverständlichkeiten derer auf der Bühne (Klöpper aka Obelix: »Die spinnen …«). Den 15-stündigen Text dürfte kaum jemand vorher auswendig gelernt haben. Wenigstens das Grundgerüst der Handlung scheint bekannt, als Krücke, aber da sei der moderne Regisseur vor, der macht aus einem strahlenden Helden ein weinerliches Muttersöhnchen und aus einem Weltuntergang ein Ehegezänk unter Lesben, und aus ist es mit der Verständlichkeit der Handlung.

Aber die Musik!! Genialität pur!! Habe ich mir im Radio angehört. Nach einer Viertelstunde habe ich ausgeschaltet, da kein Zusammenhang erkennbar war und Rauhaar Klopstock anfing, um Erbarmen zu heulen. Aber was versteht ein Hund schon von klassischer Musik.

Euer Heinzi

(Friesländer Bote, 20.08.2022, letzte Seite)

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