Land contra Stadt – 5

Land- oder lieber Stadtleben? Der Contest bringt es an den Tag. Wie gehabt dient der Berliner als Prototyp des Großstädters.

Luft  Die Berliner Landeshymne „Das ist die Berliner Luft“ gilt textlich außerhalb Berlins als Selbsttäuschung der in der Millionenstadt hausenden Nörgler, welche sich mangels Masse in eine lufthaltige Umgebung imaginieren. Nachweislich ist das, was die Insassen dort in ihre Nüstern saugen, ein Gemisch aus Abgasen, Stickoxiden, Feinstaub, Flatulenzen, dem Qualm aus Döner- und Frittenställen und den Ausdünstungen menschlicher Sekrete, geschwängert mit dem Dickbrei aus Überheblichkeit & Selbstherrlichkeit, der der Berliner Kodderschnauze entweicht und der seine Unfähigkeit, den wabernden Todesodem von reiner Luft zu unterscheiden, überdecken soll. Fatal: In dem besagten Schlager wird das Berliner Pestilenzgemenge als „holder Duft“ in den Himmel gejubelt, ein Frevel, mit dem selbst der Herrgott da oben nicht gerechnet hat, so pervertiert, so abseitig.

Hier in unserem friesischen Matschland schnuppert der bodenständig Verwurzelte eine frische Brise, die vom Wattenmeer herüberweht, ab und an gewürzt mit einem Hauch von Gülle und angereichert mit den süßen Aromen verwesender Krebse, Krabben, Kiementiere, Kaninchenkacke und Kohlköpfe, eine olfaktorische Fantasie, die leider von nächsten Regen hinweggewaschen wird. Doch unverzüglich zieht eine neue Duftwolke herbei, aus Jever kommt sie mit ihrem überaus beliebten und weltberühmten herben Geschmack nach Pils und Nordseewellen. Wieder einmal hat der Berliner das Nachsehen.

Service  Die zuvorkommende Bedienung in den Bistros und Cafés im Matsch- und Nebelland wird oft als Referenz herangezogen, um die Servicefreundlichkeit in den Städten zu evaluieren. Anhand der Worte „genau – gerne – sehr gerne“ lässt sich der Grad der Höflichkeit bemessen. Fragt der Friese „Wo geht’s hier zur Toilette?“, kommt die nette Antwort: „Genau. Wünschen Sie hinterher einen Keks?“ Auf die Feststellung „Hier riecht es aber unanständig“ parliert die Bedienung: „Sehr gerne. Möchten Sie lieber sitzen oder stehenbleiben?“ Und auf die Aussage „Das Schnitzel war zäh wie Kruppstahl“ wird der friesische Gast lächelnd verabschiedet mit „Genau. Kommen Sie doch gerne wieder.“

In Berlin mehren sich die Lokale, in denen nur noch Englisch gesprochen wird. Der Berliner findet seine eigene Sprache so scheiße, dass er keinen anderen Ausweg mehr kennt. Hier wird die sprachliche Pest durch Cholera ersetzt und die Vertreibung aus dem Paradies nachträglich begründet. Immerhin: Der Tourist findet in diesen Stätten Zuflucht, auch wenn die Abwesenheit von Service & Zuvorkommenheit Depressionen auslöst und ihm das englische Kauderwelsch ein Gräuel ist. Deshalb ein halber Punkt für Berlin, nicht aber für die Berliner.

Bauen  Überall im friesischen Matschland erheben sich hübsche Einfamilienhäuser im Klinkerstil mit bewährten Satteldächern und gepflasterten Einfahrten. Alles seriös finanziert. Hie und da beschließt eine Gemeinde, ein neues Feuerwehrhaus zu errichten, und auch da werden die Termine eingehalten, die Finanzen abgesichert und die Klinker verarbeitet.

Falls jemand ernsthaft vorhat, die Berliner Baulandschaft zu beschreiben, sollte er vorher Valium einnehmen. Es genügt das Stichwort „BER-Flughafen“, um die Adern der Steuerzahler platzen zu lassen. Von den vielen anderen Bausünden kann man dabei absehen, die machen das Fett auch nicht mehr fetter. Der Berliner ist schlicht unfähig, einen Bau hochzuziehen, die Mittel dafür bereitzustellen, ohne in ein finanzielles Desaster zu fallen, die Organisation stringent durchzuziehen und Termine einzuhalten. Der Berliner kann es einfach nicht. Er kann nix.

Pluspunkte für? Das Matschland, was sonst.

 

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