Nieren, Samen, Leberfleck, Hakennase

Nieren, Samen, Leberfleck, Hakennase

»Du wirst wirre«, sagte die Weibin, »bald muss ich dich einliefern.« Zur Bekräftigung setzte sie hinzu: »Da beißt die Maus keinen Faden ab.« Was diese Ankündigung eines fürsorgenden Ehegatten-Splittings ausgelöst hatte? Nur eine kleine Verhaltensauffälligkeit, harmlos, vielleicht etwas spinnert, das wohl.

Wir hatten einen Fernsehfilm gesehen über eine Nieren-Überkreuzspende. Der Plot: Zwei Ehepaare in Not. Jeweils einer der Partner war auf eine Nierenspende angewiesen, hie die Ehefrau, dort der Mann. Zur Spende erklärte sich der jeweils andere Partner – über Kreuz – bereit. Konflikte wurde ausgelebt und behoben, und als ich ins Bett wankte, lief der Film in mir weiter und bekam eine neue Wendung, ausgelöst durch meine Bettlektüre, einem Kriminalroman von Linwood Barclay, wo die (anonymisierten) Kinder eines Samenspenders mit hoher Wahrscheinlichkeit seine Huntington-Krankheit erben würden. Die verdächtigen Symptome waren erst nach der Spende aufgetreten.

Etwas beduselt führten meine Gedanken den Plot fort, und an die Nierenspende schloss sich eine Samen-Überkreuzspende an. Auch nahmen die Paare Gestalt an, nämlich Klaus und Ute aus der Nachbarschaft sowie Robert und Anja von der anderen Straßenseite. Zwei Kinder wurden geboren, der Bub hatte den Leberfleck von gegenüber geerbt, daher sein Spitzname ›Flecki‹ und die Hakennase von Robert zierte das Antlitz der Nachbarstochter (›Geierwalli‹). Na, die Nachbarschaft begann zu lästern von wegen Kuckuckskinder und Freundschaft unter Gehörnten und so. Streit brach aus, eskalierte, Kollege Klöpper kam mit einem Schlagstock um die Ecke, und »Zu guter Letzt«, röchelte ich schweißgebadet in das Kopfkissen, »hat die frauliche Frauke den kleinen Flecki adoptiert und zusammen mit der Terrierdame Sissi ins Tierheim abgeschoben.« Ich stützte mich auf. »Wie findest du das? Sollten wir nicht den Kontakt zu Frauke abbrechen und Sissi und Flecki aus dem Tierheim retten?«

Die Weibin war aber schon in der Küche und hat nur gerufen: »Du wirst wirre. Bald muss ich dich einliefern.« Und noch irgendwas mit ner Maus.

Damit endet die Geschichte nicht, weil weitere Kinder mit Leberflecken und Hakennasen auftauchten. Wenn ich nur wüsste, ob ich noch schlafe oder schon träume.

Euer Heinzi

(Friesländer Bote, 27.03.2021, letzte Seite)

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