Induzierter Verkehr

Induzierter Verkehr

Einen bestimmten Aphorismus sollen Verkehrsingenieure gern zum Besten geben, und der geht so: »Der Versuch, Verkehrsstaus durch das Hinzufügen von mehr Kapazität zu heilen, ist wie der Versuch, Fettleibigkeit durch das Lockern des Gürtels zu heilen.« Wobei Kapazität für Straßen und Parkplätze steht. Und das Ganze firmiert unter dem Stichwort ›Induzierter Verkehr‹.
Der Induzierte Verkehr ist ein alter Hut. Er besagt, dass die Erhöhung der Straßenverkehrskapazität nicht weniger Verkehr und Staus nach sich zieht, sondern sogar mehr. Begründet wird das mit dem Gesetz von Angebot und Nachfrage. Aber kaum einer der Verantwortlichen ist bereit, danach zu handeln. Im Gegenteil. Der Stadtplaner Jeff Speck sprach hierbei vom »großen intellektuellen Loch in der Stadtplanung«.

Damit sind wir, wie so oft, bei dem Thema ›Das Absurde als Quintessenz menschlichen Würgens und Waltens‹, und hupps, fällt einem die Verkehrsmisere in Dangast ein, seit Jahrzehnten ein Dauerthema (siehe Friebo 21.8.1990). Alle Ansätze, die Staus zu verhindern, sind gescheitert, heuer sprechen Politiker gern von ›krachend gescheitert‹, weil Politiker so sind: Sprachverwurster mit dem Hang zur Häme. ›So what‹, näseln die Planer weltgewandt, ›das war gestern‹, und so schieben sie uns nach verzehrender Grübelarbeit und der Konsultation sog. Fachleute einen Vorschlag zwischen die Zähne, der ein neues intellektuelles Loch in der Stadtplanung bloßlegt, eins, so groß wie der Jadebusen: Am Eingang Dangasts soll ein weiterer Parkplatz eingerichtet werden, das würde den Verkehr beruhigen.

Wie war das noch? Induzierter Verkehr? Eine seit ca. 80 Jahren vielfach bestätigte wissenschaftliche Erkenntnis … Augenblick: Wissenschaft? Na, da sträuben sich bei unseren Planern die Nackenhaare, und es wird bockig mit den Hufen gescharrt. Wer sind wir denn? Büttel von dünkelbehafteten Professoren? Was für ein induziertes Dings ist das? Die Hirnakrobaten sollen mal schön bei ihren Leisten bleiben, bei Elektrik, Formelkram und Fremdwortgedöns.

Wie es der Zufall will, kriege ich grad den Plan der neuen A 20 in die Finger. Tja, über einen Mangel an intellektuellen Löchern können wir hier wirklich nicht klagen.

Euer Heinzi

(Friesländer Bote, 13.11.2021, letzte Seite)

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