Bla bla bla

Bla bla bla

»Bla bla bla.« Mit diesem Schlachtruf treffen die Greten und Thunberge dieser Welt den Kern dessen, was unsere politisch ›Verantwortlichen‹ an Sprechblasen, schwammigen Umschreibungen und dem Girlandenwerk des Wischiwaschi täglich als Sondermüll in die Mikrophone salbadern, wobei selbst dem gutwilligsten Zuhörer speiübel wird, so er nicht vorher vor Wut geplatzt ist. Insofern halte ich das Eindampfen des politischen Schwafelbreis auf Bla bla bla als genialische Strategie. Blö blö blö oder Mäh mäh mäh würden es auch bringen, aber nein, an Bla bla bla kommen seine Vettern im Geiste nicht heran.

Wir kennen ähnliche Lautäußerungen aus vielen anderen Bereichen. Mit dem Begriff Bling-Bling verbinden wir die glitzernd-dekadente Celebrity-Horde. Was fällt einem bei Sex-Parties (nicht nur des Herrn Berlusconi) ein? Genau: Bunga Bunga (old school, aber was soll’s). Und hätte man unseren Tennisschwerenöter Boris Becker nicht pointierter charakterisieren können als mit Bum-Bum-Becker? Auch bei Plemplem weiß jeder, was gemeint ist. Gut, politisch korrekt geht vielleicht anders, und auch Balla balla hat seine besten Zeiten hinter sich.

Ja, aber wo bleiben die Differenzierungen, höre ich es im Hintergrund rumoren, das Für und Wider, das Hü und Hott, das Kreuz und Quer, das Sowohl als Auch? Differenzierung? Ist das nicht eins dieser Codewörter der alten weißen Männer, bzw. genderkomform ausgedrückt, Männernden? Begrifflichkeiten, mit denen das Alles und das Nichts in die Umlaufbahn des sprachlichen Gezerres geschossen wird, dabei gibt es doch dieses schöne Bla bla bla. Wo wir schon dabei sind: Die Differenzierung von Arbeitern gegenüber Arbeitenden wurde durch das genderisch verwendete ›Arbeitenden‹ auch ausgemerzt. Kurzerhand fallen da zahlreiche Berufs- und Statustitel der Sprachrasur zum Opfer, wurscht, alles wurscht.

Selbst den Unterschied zwischen dasselbe und das gleiche haben sogar Starkolumnisten nicht mehr auf ihrem Spickzettel, und über das falsche Apostroph regt sich eh keiner mehr auf.

So hat alles sein Gutes: Die Sprachreform, praktisch gescheitert, wird vom Volksmund hinten durch die Katzenklappe wieder eingeführt. In diesem Sinne: Bla bla bla.

Euer Heinzi

(Friesländer Bote, 27.11.2021, letzte Seite)

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