Mit Liebe gegen Lügen

Mit Liebe gegen Lügen

Allenthalben wird eine Verrohung der Sitten und Umgangsformen beklagt und die Spaltung der Gesellschaft vorhergesagt. Zugleich erblüht eine Religion zu voller Pracht, die an Inbrunst und Selbstgerechtigkeit keine Vergleiche kennt und selbst die Hardliner des Islamischen Staates neidisch auf ihren Pickups verstummen lässt: die Religion der Impfgegner.

Ich glaube ja, in den Betbrüdern und -schwestern der Querdenkerszene steckt die tiefe Sehnsucht nach Wärme, Anerkennung und Zuwendung. Der Versuch, mit plausiblen Denkmustern, kalter Kausalität und Logik die verwirrten Schäflein zu missionieren, kann da nur scheitern. Stattdessen sollten wir sie besänftigend in die Arme nehmen, ihren Geifer trocknen und die Kluft unserer Meinungen mit Liebe zuschütten.

Nehmen wir die Maskenverweigerer. Wie anders als mit warmen Worten des Mitleids entschärfen wir die vergiftete Situation: »Sorry, dass ich selbst eine Maske trage. Jetzt streuen deine Viren woanders hin und befallen deine Frau und deine Kinder, schade.«

Aber was sage ich Viren. Den Coronaleugnern zufolge gibt es die gar nicht. Falls dennoch einem von ihnen die Lügensymptome zusetzen, halten wir uns mit Empathie und Zuspruch nicht zurück: »Zu dumm, dass deine leichte Grippe dich ins Grab bringt. Jetzt behaupten die Ärzte, das sog. Corona wäre schuld. Ein schwacher Trost, dafür kann sich niemand was kaufen.«

Klingt makaber, aber Mitgefühl darf keine Grenzen kennen. Auch den Leuten, die fest daran glauben, dass Bill Gates uns alle mit dem Impfen umbringen will, sollte man zugestehen, dass wir tatsächlich in 100 Jahren nicht mehr am Leben sind. »Das kann kein Zufall sein«, nicken wir rundum erleuchtet mit dem Kopf und fügen hinzu: »Wenn es Bill Gates nicht gäbe, würden wir alle ewig leben. Man beweise das Gegenteil!!«

Es soll Coronagegner geben, die am Sterbebett ihrer intubierten Verwandten sagen, dass das alles nur Propaganda sei. »Schau«, sagen wir, »wo du recht hast, hast du recht. Wer weiß, vielleicht gibt es uns Menschen nicht, sondern nur die Vorstellung davon … aber damit begeben wir uns schon wieder ins Reich des Denkens, was ich ja vermeiden wollte.

Euer Heinzi

(Friesländer Bote, 04.12.2021, letzte Seite)

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