900 Jahre Oma Varel

900 Jahre Oma Varel

Manchem Vareler Bürger dürften vor Schreck die Schuppen vom Kopf fallen bei der Vorstellung, dass sich unsere Politik schon heuer mit Planungen beschäftigt, die weit in die kommende Legislaturperiode hineinreichen. Es geht nicht um Themen mit Ewigkeitsanspruch wie Dangast, Verkehr, Tivoli oder ähnlichen Flöhen, die seit Jahren, einige schon seit Jahrzehnten herumhüpfen, Bürger als auch Politiker piesacken, und die einfach nicht zu bändigen sind. Nein, diesmal geht es schlicht ums Feiern und Jubilieren. Die 900-Jahr-Feier der Stadt Varel in 2024 steht an, da lässt man sich gern vor den Karren der Vergnügensgestaltung spannen. Verwaltung als auch Kulturausschuss zurren schon die Großstrukturen des ganzjährigen Frönens und Feierns fest, die Ideen sprießen.

Das ist doch mal ein positiver Flow, wie man heute sagt.

Und wenn dann alles abgefeiert ist, soll als Krönung der Festivitäten eine Wolke Dreck über unser Städtele geschleudert werden: Mit einem Höhenfeuerwerk wollen unsere Planer den Sack zumachen, vielleicht, um die guten Geister wieder auszutreiben?

Jährlich werden 2050 Tonnen Feinstaub durch das Abbrennen von Feuerwerkskörpern freigesetzt, der größte Teil in der Silvesternacht (Quelle: Umweltbundesamt). Da mag die 900jährige Oma Varel nicht hintanstehn und als Vorbild und Ermutigung für das private ungezügelte Böllern und die Umweltsauerei gern voranschreiten. Deren kollaterale Lustbeigaben sind Verbrennungen, Augenverletzungen, Hörschäden, Explosionsschäden, Sachschäden an Fahrzeugen und Gebäuden, Eintrag von Plastik in die Umwelt, enorme Müllmengen, verängstigte Haustiere, ökologische Schäden, Störung von Wildtieren. Die verängstigten Haustiere nehme ich zurück, es muss heißen: rücksichtslose Tierquälerei.

Noch sind die Vorbereitungen der 900-Jahr-Feier nicht detailliert festgelegt. Die Verantwortlichen in Verwaltung und Politik können in aller Ruhe Alternativen erwägen. Ein Zeichen setzen, die Zukunft der ›Enkel‹ mitdenken und nicht die übliche Agenda herunterleiern: das wär doch mal was. Ein Feuerwerk zum 901sten Geburtstag Varels jedenfalls scheint mir angesichts der Klima-, Energie- und Umweltprobleme arg aus der Zeit gefallen.

Euer Heinzi

(Friesländer Bote, 15.10.2022, letzte Seite)

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