4. Krüll, der Trötator

4. Krüll, der Trötator

Töne in Tiere verwandeln? Man kann sich auch Haare ins Badewasser schmieren, hätte der Musiker Krüll dazu gesagt, und gelacht hätte er über soviel Unsinn. Aber es kam anders. Gute 67 Jahre hatte der Krüll schon auf dem Buckel und sich im Trötenorchester des Jägervereins vom einfachen Trötisten zum mächtigen Trötator empor-, sagen wir ruhig, getrötet. Allein ihm war es vorbehalten, das 24-hornige Trötonium zu bedienen und das auch nur alle 10 Jahre zum Tag der Martinsgans. Dieses Jahr wollte Krüll seine Meistersinfonie aufführen, eine Komposition mit Jagdsignalen, Brotzeit, Tschinderassassa, grünen Krawatten, einem Vorderladerschuss ins Knie sowie Knödeln und Kartoffelbrei in Seife gewickelt – musikalisch, versteht sich. Krüll blähte die Backen und stieß einen solchen Wind aus, dass die Schindeln auf dem Dach die Ohren zuhielten, aber statt einer schneidigen Ouvertüre in E-Dur hüpfte ein Äffchen aus dem Schalltrichter, sprang über die Köpfe der versammelten Jäger und explodierte mit einem Knall, der einem Polenböller Mores gelehrt hätte. Na, das hinterließ einen schönen Fleck auf dem Dirndl der Gräfin von Findelfunzel. Die bedankte sich artig.

Krüll, ein wenig irritiert, stieß noch einmal ins Horn. Der Schalltrichter wollte wohl tönen und krakeelen, aber ach, jetzt wölbte sich ein Warzenschwein aus dem Blech, setzte einen Kubikmeter Kot auf die Füße der vorderen Jägerreihe und explodierte. Die Jäger begannen zu murren. Krüll, der Trötator, blies ein drittes Mal in das Trötonium, aber kein Dreiklang wollte schalmeien, nein, diesmal kroch ein elefantischer, nilpferdischer Koloss mit Echsenschwanz aus dem Schalltrichter. Mit glühenden Augen fixierte er die zurückweichenden Jäger. Sein Säbelzahntigergebiss rasselte und schnarrte, und sein Maulscharnier kreischte wie die 20 Jungfrauen in der Gefriertruhe der Dr. No. Es kam, wie es kommen musste: Das Ungetüm zählte bis drei und explodierte, wobei sein Leberklein die Brille des Revierförsters bekleckerte.

Krüll aber gab nicht auf. Er kratzte noch ein Restlüftchen aus seiner Lunge, ein Fürzchen. All seinen Mut nahm der wackere Trötator zusammen, und er pfiff das Fürzchen in das Mundstück des Trötoniums.

Was danach geschah, bleibt ein Geheimnis. Die Jäger gelten seitdem als verschollen. Angeblich seien sie Opfer eines musikalischen Massakers geworden. So jedenfalls reden die Leute, wenn sie sich nicht mehr festhalten können am Tresen vom Goldenen Hirsch. Und der Krüll, der sei von seinen eigenen Tönen aufgefressen worden.

Nächstes Mal erzähle ich von der lustigen Witwe Eleonore, die vier Männer, äh, also, will sagen, na komm schon (zwinker, zwinker).

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