Die NWZ – Ein Blatt für Doofe?

Die Zerstückelung der redaktionellen Beiträge unserer Nordwest-Zeitung in Infotainment-Kästchen mit auf geriatrisches Kaumaß zerkleinerten Zureichportionen, XXL-Bildern und Convenience-Lesehäppchen, die sich in geistige Bedürftigkeitsmäntel hüllen, schreitet munter voran.
Wurden bisher schon zusammenhängende Themen aufgesplittet und als Einzelbeiträge dargereicht (wie der Brei für Zahnlose), vielleicht, damit der oldenburgische Deppleser nicht von Zeilenumfängen jenseits der Einstelligkeit abgeschreckt wird, vielleicht auch, um den redaktionellen Inhalt zu spreizen und damit Mitarbeiter & Money einzusparen, so verfallen die Macher seit einiger Zeit einerseits auf Frage- & Antwortspiele, die als Erbauungskapitel getarnt sind, andererseits auch auf Schlagwörter, die wie Lautbrocken urtümlicher Friesen in die Zeilen geklotzt werden.

Zwei Beispiele:
In einem Artikel über die Nobelpreisträgerin Louise Glück werden folgende Hinweiskloben als Überschriften hineingestampft.

        Therapeutische Funktion

        Existienzielle Krise

        Studium abgebrochen

Das deutet auf ein sehr trauriges Schicksal hin, auf Scheitern und Lebensdesaster, aber die Kommentarspalte nebenan gibt Entwarnung: Ein Glück – eine Frau!
Bei einer anderen Ankündigung (Weltstars spielen auf der Mandoline) haben die (Ab)Schreiber es geschafft, die dürren 26 Zeilen des eingereichten Berichtes mit vier Titeln und Zwischentiteln aufzublasen.

Dass die Scheingefechte zwischen dem Chefspalter Alexander Will mit Kollegen keinen Erkenntnisgewinn versprechen: Darüber hatte ich schon mit zureichendem Grund polemisiert (siehe Bello und das NWZettle) und bedarf keiner zusätzlichen Erwähnung außer einer Anmerkung, die ich unterschlagen hatte:
Das Format Pro & Contra verschleiert eine journalistische List. Hier können der Will oder auch andere Extrembrüller frei Schnauze Thesen verbreiten, die vor keinem hetzerischen Rotz Halt machen, und die sonst unter der journalistisch-ethischen Gürtellinie vor sich hindampfen. Wie wird das legitimiert? Mit einem Trick: Die Gegenposition hat ja ihr Stimmrecht in ebenso vielen Zeilen bekommen. Also alles gut? Der Meinungsvielfalt wurde Genüge getan? Auch wenn mit dieser Begründung die Jauchegrube des Journalistischen geöffnet wurde?

Kommen wir zur neuesten Schrumpfungsstrategie der NWZ. Unter der Rubrik Das sollten Sie wissen, vorn auf der Titelseite, da wo schon vorher zwei oder drei Hinweise auf interne Artikel den nachrichtlichen Platz wegnahmen (die wiederum frühere echte redaktionelle Berichterstattungen verdrängten), verrät uns die Redaktion nun täglich ein Geheimnis: Im Innern der Zeitung können wir einen tollen Artikel finden, den wir unbedingt lesen müssen. Der Hinweis ist wichtig, denn wir Deppleser aus dem niederen Lande haben ja noch nicht gelernt, wie man zwei Seiten umblättert. Normal gucken wir uns das Foto an und werfen anschließend die Zeitung in die Tonne. Deshalb müssen wir Deppleser von der NWZ geführt werden. Wir könnten ja anstelle der zeilenfressenden Vorwarnung den Artikel selbst finden. Das könnte uns verstören. Uns überfordern.
Denn wir, die Deppleser der NWZ, sind doof.

Ganz früher, als ich zur Schule ging, wurde von unserem Wiso-Lehrer die NWZ als seriöse Wissensquelle empfohlen (Wiso = Wirtschafts- und Sozialkunde). Das ist sie im Kern noch immer. Inzwischen zahlen wir immer mehr für immer weniger Inhalt. Die Redaktion glaubt, uns mit immer billigerem Infotainment veralbern und geistig verarmen zu dürfen. Warum sie das tut? Die Antwort liegt ziemlich schamlos vor uns. Dazu braucht es kein: Das sollten sie wissen.
Moin

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