Bello und das NWZettle

Wie Oldenburger Zeitungsmacher die Leser verschaukeln

Wenn der Redakteur Alexander Will in der NWZ, dem Monopolblättle im Hiesigen, sein Kommentartütchen öffnet und seinen noch feuchten Wind herausdrückt, mit dem er die Leser rechts-schaffend und alles Moderate abgeifernd einsudelt, dann hat’s bei uns zuhause ein verständiges Nicken und Prusten und die familieninterne stillschweigende Übereinkunft: „Aha, Bello, der Hassprediger & Wadenkneifer durfte mal wieder von der Leine.“ Dass ich inzwischen nur noch den ersten Satz seiner Polit-Traktate überfliege, weil die tumultösen Tiraden sich stets wiederholen und deshalb keinen Erkenntnisgewinn mehr zutage fördern: Das tut der Wirkung seines Fletschens bei weniger abgeklärten Lesern leider keinen Abbruch.

Was an den regelmäßig darauf folgenden Leserbriefen abzugreifen ist: Die einen machen sich vor Begeisterung nass, und die anderen senken ihr Haupt vor lauter Fremdschämen und versuchen allen Ernstes, mit Vernunftsgründen die Willeschen Wutwucherungen einzupflegen.

Sogar prominente Leser wie der Schriftsteller Jochen Schimmang gehen dem von der Politredaktion ausgelegten Köder auf den Leim. Wogegen andere – politisch indifferente – Autoren in ihrem Privatmuff vor sich hinkrümeln. Was sage ich Autoren, die Quasi-Intelligenzia Oldenburgs: Theaterleute, Schriftsteller, bildende Künstler, Musiker, Uni-Fuzzis, sie verweisen mit erschöpfender Hingabe ihres Wegguckens auf das, was ihnen gemäß ist: Mittelmaß, Abducken, Kleinmut, Krämertum, Leere. Weil sie ängstlich am Tropf des Medienhauses saugen? Bitte bitte, schreibt wieder was über mich?

Dabei ist die Boulevardisierung der NWZ seit langem zu beobachten. Die Artikel werden geschrumpft, zusammenhängende Texte in Häppchen serviert, dem doofen Leser wie Kinderbrei eingelöffelt. Eher harmlose Themen werden reißerisch aufgetischt bzw. reißerische Themen in den Vordergrund gestellt. Viele bunte Fotos torkeln mitunter wie besoffen über die Seiten – moderne Computertechnik macht’s möglich und verführt zu schrillen Designs mit Rahmen, Fenstern, Farbunterlegungen, Sprechblasen, Symbolen und was das Quietschquatschprogramm noch so alles hergibt.

Das hat Methode. Ebenso wie die Skandalisierung in manchen Beiträgen. Redakteur Karsten Krogmann sieht an jeder Ecke einen Großskandal, den er mit voluminösen Reportagen ins Blättle bringt, die bei genauerem Hinsehen nur elefantös aufgeblasen sind. Zwischen den Zeilen aber raunen & rauschen die Verschwörungsfantasien. Seine mehrteilige Dokumentation über die soziale und bauliche Entwicklung Dangasts entwickelt aus dem Gestänker einiger weniger Dörfler das Bild einer irreparabel gespaltenen Gesellschaft, die es so nicht gibt. Sicher, in der Vergangenheit wurde die Bevölkerung Varels von eben diesen Figuren gegen die Dangastpläne aufgehetzt, und zu der Eskalation der irrationalen Ablehnung trug wesentlich die lokale Berichterstattung unter dem eifernden Redakteur Begerow bei (sprich die NWZ). Krogmann verschweigt diese Hintergründe, teils, weil er schlecht recherchiert hat, teils, weil er sonst vermutlich als Nestbeschmutzer an den Katzentisch seines Blättles verbannt würde. Dafür wird er erst mal mit Medienorden behängt. Was uns etwas über die Qualität der Reporterpreise sagt. (siehe auch meine Blogbeiträge „Ein Riss geht durch die NWZ„; „Über die Entblödung der NWZ„).

Zurück zum Will, dem Alexander und seinem angeblichen Kontrahenten Haselier, ebenfalls NWZ. Deren ‚Chat-Duelle‘, marktschreierisch inszeniert als Diskurs über existentielle Themen, füllen die Seiten, verdrängen andere Informationen oder Nachrichten und versuchen mit Pseudoargumenten zu verschleiern, was sie auf keinen Fall aufgedeckt haben wollen: dass das ganze Theater eine Farce ist, angelegt auf Kundenfang, auf Auflagensteigerung. Denn die populistischen Auswürfe und die sprachlichen Brachialkeulen des Bellos vom Politdienst sind als sachliche Diskussionsbeiträge unbrauchbar, dienen allenfalls der Emotionalisierung und Anstachelung rechten Gesinnungsgutes.

Danach trudeln wieder aufgeregte Leserbriefe ein, herzausgießende als auch empörte, und der Chefredakteur reibt sich die Hände über den erneuten Mediencoup – dem Will Alexander muss noch mehr Platz eingeräumt werden, rechts ist noch reichlich Raum. Die Strategie bzw. Saat geht auf, weiter so Bello, äh Will, treib es auf die Spitze, das bringt Aufmerksamkeit, Wutgeheul, Auflagensteigerung, der Zweck heiligt eben doch die unlauteren Mittel, überhaupt ist ein Hetzkommentar besser als kein Kommentar, nee, wie hieß das noch, ist eh egal.

Warum nehmen die Leserbriefschreiber das überhaupt für bare Münze? Merken sie nicht, dass sie verschaukelt werden von der Krawalltruppe aus Oldenburg? Benutzt als Zugesel, angespannt vor dem Wagen ›Marketing durch Verarschung‹? Warum dekuvrieren sie das trübe Spiel nicht als Lachnummer?

Ach ja, hallo, da sollte ich mal lieber mit dem Stinkefinger auf mich selbst zeigen? Meine Antwort: Es macht keinen Sinn, sich ausgerechnet an die gleichen Blattmacher zu wenden und sie zu kritisieren, die die Macht haben, meinen Leserbrief zu kürzen oder zu unterschlagen.

Das ist die Krux an der Monopolstellung der NWZ.

Wir wär’s mit ein wenig Gelassenheit? Überlassen wir den volx-anbiedernden NWZ-Stadel sich selbst, wiehern und glucksen wir von Zeit zu Zeit über den inszenierten Erregungsquark, ärgern uns ruhig auch über die Papierverschwendung und halten es mit einem abgewandelten Adenauer-Wort:

„Nehmen wir die NWZ, wie sie ist. Eine andere gibt es nicht.“

Moin

6 Gedanken zu „Bello und das NWZettle

  1. Hajo, ich kann dir nur zustimmen. Die täglichen, inhaltlich niveaulosen und aufrührerischen Beiträge des Herrn Will wecken in mir immer wieder den Wunsch, mein Abonnement des Jeverschen Wochenblatts, denn auch darin treibt er natürlich sein Unwesen, zu kündigen. Am Ende gleich meine Entscheidung deiner, Nehmen wir es, wie es ist, denn es gibt keine Alternative.

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    1. Vielen Dank. Als Alternative könnte ich mir ein Parallelmedium denken, allerdings nicht Facebook und Co., da gerät man womöglich in eine, mmh, mediale Jauchegrube? Aber das Weiterreichen beispielsweise meines Beitrages oder anderer entsprechender Beiträge könnte dazu führen, dass eine größere Öffentlichkeit abseits (oder zusätzlich) der Monopolzeitung hergestellt wird, und die die Herrschaften der NWZ irgendwann unter das dicke Fell kraucht und dort juckt und beißt und zur Einkehr bewegt.
      Die verzweifelten Versuche einiger Leser, darunter Universitätsprofessoren,in Leserbriefen etwas mehr Sachlichkeit zu den Auswürfen des Herrn Will einzubringen, tun mir fast schon leid.
      Beste Grüße

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  2. Wer, so wie ich, einige kennt, weiß, um was es da immer geht und wer was schreiben darf und muss, wenn er nicht seinen Job verlieren möchte. Was die Medien präsentieren ist nicht immer das, was tatsächlich so ist. Ich musste das auch vor vielen Jahren bitter erfahren, als es um Aufklärungs-Story ging, die nicht gewollt war. Es gibt tatsächlich einen Einheitsbrei, der Interessen anderer dienen soll (und das hat jetzt nichts mit Rechts, Links usw. zu tun, denn genau das dient auch nur zur Ablenkung der Massen; was ja auch seit Jahren prima funktioniert).

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  3. Ganz ehrlich. Ich vermisse ihn. Bis vor nicht allzu langer Zeit war die NWZ noch mit der Ostfriesen-Zeitung verbändelt. Als erstes habe ich immer Will gelesen. Warum: Weil man sich an seinen extremen Ansichten so schön reiben konnte. Zudem waren seine Kommentare rhetorisch und sprachlich in der Regel raffiniert, nicht selten konnte man Muster antiker Rhetorik erkennen.
    Ich habe Herrn Will einmal eine Mail geschickt und darin seine Haltung zur Siedlungsfrage (Israel) kritisiert, nicht ohne ihm seine zwar geschickten, aber suggestiven rhetorischen Muster vorzuhalten.
    Herr Will hat postwendend und ausführlich geantwortet, und zwar sachlich ( freilich nicht sonderlich überzeugend).
    Fazit: Manchmal kann es auch Spaß machen, mit dem Feind zu streiten.
    Deshalb vermisse ich ihn.

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  4. Sich an den Willschen Auswürfen zu ergötzen kann ich ja verstehen. Spaß macht das meiner Ansicht nach nur, solange man die Tiraden nicht ernst nimmt und seine Breitseiten als rhetorische Purzelbäume goutiert. Das Geld für die Zeilenverschwendung ist mir aber doch zu schade dafür.
    Schwerpunkt meiner Schmäh war ohnehin nicht die aushufende Bellokratie im NWZ-Meinungsteil, sondern die dahinter stehende redaktionelle Taktik, durch Extrempositionen und reißerische Rhetorik die Leser emotional anzustacheln, statt faktenorientiert und sachlich nachvollziehbar zu argumentieren.
    Hier ein, wie ich finde, erhellendes Gedankenspiel: Man stelle sich vor, seriöse überregionale Zeitungen würden die Beiträge des Chefspalters Will veröffentlichen. Kann man sich das überhaupt ernsthaft vorstellen? Eben.

    Moin

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