Sommerzeitliches aus der NWZ-Suppe

Über den schwarzen Kanal des Will, Alexander, sich zu erbrechen gilt mittlerweile als ermüdendes Ritual recht- (nicht rechts)schaffender Bürger. Auf der anderen Seite poppen zuverlässig die Claqueure auf, angezogen von den Spucknäpfen der Jubelrechten.
Da fehlt aber noch ein Geklecker an Populismus, so zwischen Mitte und ganz rechts, und siehe, es kam der Herr Sommer, Professor und qua Reputation und Bildung und überhaupt wissenschaftlich abgesichert und verkündet, was des Guten zuviel ist.

21.12.2022
Untersuchungen zur Qualität der Bildung kranken zwar hierzulande oft daran, dass sie das wahre Ausmaß der Malaise auftragsgemäß eher vernebeln als sichtbar machen …

Wer die Auftraggeber der Vernebelung sind, verrät uns Herr Sommer nicht. Zu vermuten ist, dass er aus der eigenen Praxis auf die Mehrheit schließt. Als Professor wird er nicht nur lehren, sondern auch forschen, sich mithin mit Studien bzw. Untersuchungen beschäftigen, deren Auftraggeber ihm vorher andienen, die Ergebnisse zu vernebeln. Leider nennt Herr Sommer auch hier kein konkretes Beispiel. Weil er keins weiß? Weil sein Denken von Vorurteilen und Verschwörungstheorien versifft ist?

Wer in seinem Beruf erlebt, dass selbst das Abitur viele junge Menschen bestehen, die nach allen vernünftigen Standards nur als strukturelle Analphabeten gelten können, ahnt dunkel, welche Apokalypse sich hinter diesen dürren Zahlen verbirgt.

Viele Abiturienten sind also Analphabeten. Können mithin kein Straßenschild lesen, glotzen verständnislos auf ihr Smartphone, weil da so komische Krakel stehen, angeblich Buchstaben, und wie ist das: Unterschreiben die abiturgeschädigten Dummies Anträge oder Rechnungen mit XXX? Welcher Studie dürfen wir das Analphabetentum der Abiturienten entnehmen, Herr Sommer? Wissen Sie nicht? Haben alles nur erlogen? Und was heißt hier strukturell? Geht da ihr Vernebelungssprech nicht durch die Decke? Die »vernünftigen Standards«: Wo kann man sie einsehen und bewerten? In der Bibel? In ihrem Poesiealbum?
Nebenbei: Wie dreht man es, bei dieser Apokalypse und dem strukturellen Analphabetentum Professor zu werden? Oder ist das strukturell so angelegt wie ebenda?

Bildungsforscher haben das System Schule in den letzten 60 Jahren zu Tode reformiert,…

Wo ist der Nachweis, dass Bildungsforscher das System Schule zu Tode reformiert haben? Einfach nur so dahergelabert? Zu Tode? Dann gibt es das System Schule gar nicht mehr?

Universitäten entlassen künftige Referendare, über deren Fachwissen man an den Schulen die Hände über dem Kopf zusammenschlägt, Elternhäuser vernachlässigen ihre Pflichten und lassen jegliches Bildungsethos vermissen

Elternhäuser vernachlässigen ihre Pflichten? Alle? Oder nur zwei Prozent? Oder die Mehrheit? Weiß nicht? Ist halt eine haltlose Diffamierung, früher sagte man Rabeneltern dazu, wird man ja sagen dürfen.
Wie sind eigentlich die Pflichten definiert? Was kann man sich unter dem Begriff (abwesendes) Bildungsethos vorstellen, außer, es dient der Vernebelung? Wurde der Begriff bei den Untersuchungen zur Qualität der Bildung klar benannt? Ach, die Untersuchungen dienen ja der Vernebelung, dort ist also keine Erkenntnis zu holen. Sondern bei den herbeifantasierten Unterstellungen und ätzenden Beleidigungen des Herrn Sommer.

Landauf, landab herrscht ein bildungsfeindliches Klima, in dem die Leistungsstarken als Streber gelten und die faulen Säcke als cool. In Ländern, die an die Weltspitze drängen oder dort schon sind, ist es genau umgekehrt.

Der rhetorische Trick ist bekannt und einfach: Zwischen sachlichen und begründeten Argumenten und Darstellungen schiebt man populistische, vorurteilsgeladene Behauptungen ein, setzt sie als gegeben und baut darauf die weitere Argumentation auf. Der Leser oder Zuhörer kann auf die Schnelle gar nicht reagieren und sitzt, ehe er sich versieht, in der Populismusfalle. Witzig: Kollege Will ergeifert sich genau über diesen Trick, drückt ihm den Stempel Framing auf. Selbstreflektion stand wohl nicht auf dem Lehrplan der Uni (ach, da lungern ja Analphabeten mit Abiturzeugnis rum).
Noch ein paar Beispiele für unbegründete, populistische Behauptungen und erfundene Setzungen (Framing):

23.11.2022
In Deutschland regiert eine entschlusslose, zerstrittene Ampel, die so tut, als gälte es noch immer, Wohlstand zu verteilen, anstatt ihn zu verteidigen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass es fahrlässig ist, mit best-case-Szenarien zu kalkulieren. Doch anstatt sich für den schlimmsten aller Fälle zu wappnen und die gegenwärtig noch vorhandenen Milliarden in Sektoren zu investieren, auf denen Deutschland dringenden Nachholbedarf hat, wirft die Ampel sie lieber zum Fenster hinaus. Geld, das im Verteidigungshaushalt und in der Forschung fehlt, fließt in immer neue, mit der Gießkanne ausgeschüttete „Entlastungspakete“ und einen metastasierenden Sozialstaat, der das Prinzip Fördern und Fordern schon seit Jahren auf dem Altar von Befindlichkeiten der Dauerregierungspartei SPD opfert.
(Fett gesetzte Stellen von mir)

09.11.2022
Sich an Straßen festzukleben und Kartoffelbrei-Anschläge auf Kunstwerke zu verüben, ist Ausdruck einer zynischen Aufmerksamkeitsökonomie, für die der Zweck die Mittel heiligt.

Die Possen von Herrn Sommer, Michael, sind Meinungsartikel, bei denen man nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen sollte. Geht mir mit meinen Beiträgen auch so. Dagegen ist nicht viel einzuwenden. Das Problem bei der NWZ ist gravierender. Man kennt es unter dem Begriff false balance. Der Raum, den die Hassergüsse des Herrn Will und der taktisch verschleierte Populismus des Herrn Sommer einnehmen, steht in keinem Verhältnis zum Abdruck von gegenläufigen Meinungsäußerungen. Als Feigenblättle wird ab und an ein sachbezogener, erhellender Kommentar von Herr Haselier eingestreut. Der Gesamteindruck (auch an dem Beifall von der ›richtigen‹ Seite zu sehen) verfestigt sich: Hetz- und Spaltartikel überwiegen. Der Leser soll gedanklich nicht angeregt, sondern angestachelt werden.

Moin

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