9. Das Schreibwarengeschäft am Ufer des Kokomambo

9. Das Schreibwarengeschäft am Ufer des Kokomambo

Im Jahr 1872 wanderte die Familie Schnepfle aus, um ihr Glück in der Ferne zu suchen. Vater Rupert, Mutter Bertha, Tochter Eliane, 8 Jahre alt, Sohn Gerhard, 6 Jahre. Sie überquerten den Ozean, reisten zu Lande weiter, stiegen auf ein Dampfboot, schipperten den Kokomambo hoch und siedelten an einer seichten Uferstelle. Vater Schnepfle hielt sich nicht lange mit Ankommensgrüßen auf und gründete ein Schreibwarengeschäft, ein Traum, den er seit seiner Jugend hatte. Zwar fand sich die nächstgelegene Eingeborenensiedlung erst etwa 20 Meilen flussaufwärts, am Fuße des spitzhügeligen Bergmassivs Largo Zargo, der furchteinflössend den Himmel kratzte und den keiner je bestiegen hatte, da die steil aufragenden Wände glatt wie ein Seifenpopo waren.

Halt! Einmal soll Magnus, der Einhandkletterer, es auf einen Versuch angelegt haben, aber auf halber Höhe sei ihm der Kartoffelsack, mit dem er sich zwecks Erschwernis des Unternehmens die Beine zusammengebunden hatte, von den Hüften gerutscht, und dafür hatten die Ureinwohner, die sein Tun blöde von unten anglotzten, nur Schnalzlaute übrig, ein Geräusch, welches sie zur Vertreibung von bösen Geistern und tanzwütigen Ratten ausstießen.Von oben wiederum, von der wolkenumkränzten Plattform des Largo Zargo, guckten stieläugige Nasenlamas über den Rand und spuckten auf den Kopf des Einhandkletterers, ein unwürdiges Theater.

Familie Schnepfle hatte nichts davon mitbekommen, da ja weit und breit kein menschliches Wesen im Gebüsch herumstocherte auf der Suche nach Eßbarem und volle 20 Meilen hätten abgeschritten werden mussten, um des Spektakels ansichtig zu werden.

Zurück zur Gründung des Schweibwarengeschäfts: Als letzten Handschlag hatte Vater Rupert ein Schild über die Tür genagelt, auf dem in stolzer Frakturschrift stand: Schnepfle, Schreibwaren jeglicher Art, seit 1879.

Heute betreibt die vierte Generation das Schreibwarengeschäft am Kokomambo. Wer mit dem Einbaum zum Largo Zargo rudert, weiß es zu schätzen, dass unterwegs kein Mangel an Schreibstiften und Radiergummis den Törn zum Höllentrip macht.

Nächstes Mal erzähle ich von dem Brataal für das Himmelreich.

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