13. Der liebestolle Finanzbeamte

13. Der liebestolle Finanzbeamte

Heiner Merklein, Finanzbeamter, Bierdeckelsammler und erotomanischer Gesell, konnte nicht anders. Sein Liebesdrang schwappte über, schon wenn er von weitem die Stimme einer Frau vernahm. Hitzig sprang er dann von seinem Bürostuhl auf, stieß den Becher Kaffee um und raste ungestüm zur Tür, um nachzuschauen welch frauliches Wesen da auf dem Flur seiner harrte, bereit, seinem Liebeswerben nachzugeben und ihn in die Wonnen der Zweisamkeit zu begleiten. »Holdes Weib«, funkelte der Merklein antiquarisch, noch ehe er die Tür seiner Amtsstube aufgestoßen hatte, »willst du mein sein auf ewig?«

Die Kollegen lachten anfangs darüber, und auch seine Kolleginnen, von ihm stündlich bedrängt und aufgelauert, amüsierten sich, trotz feministischer Vorbehalte. Martina Rennfeld will ich nennen als Beispiel unter vielen, zwei Türen von Merkleins Büro entfernt. Zum Spaß ging sie auf sein Werben ein, ein Jux, dessen pikante Einzelheiten sie auf der nächsten Betriebsfeier zum Besten geben wollte. Aber dann hatte der Sturm seiner Offerten sie über die Bettkante geschleudert und den Jux in ein prickelndes Abenteuer verwandelt.

Der liebestolle Finanzbeamte konnte nie genug kriegen. Auf der Straße fiel er vor fremden Frauen auf die Knie und rief: »Teure, willst du meine Gattin werden, du gereifte Blüte meines Lebens?« Oft genug mussten kräftige Passanten ihn wegzerren. Von einer Anzeige aber blieb er noch jedes Mal verschont, entweder, weil die von ihm bedrängten Frauen es für einen überkandidelten Scherz hielten, oder … darüber schweigt der Wohlanständige.

Richtig rasant ging es im Kino zu. Kaum flimmerten die ersten Bilder auf der Leinwand warf Merklein sich auf seine Sitznachbarin, um sie zu begatten, und nur die Dunkelheit im Saal verhinderte, dass die Zuschauer gewahr wurden, wie die Dame errötete, ihre Kleider raffte und – den Liebesbock Merklein auf den Fersen – ins Freie huschte, wo sich ihrer beider Spur verlor.
In der Stadt wurde gemunkelt, dass der Finanzbeamte – stets im Zustand der Vollbrunst – so manches Mal »zum Zuge« kam, wie es hieß, und dies ließ den Blutdruck etlicher Ehemänner, die einen bestimmten Verdacht schöpften, emporschnellen. Auch dem Vorgesetzten des Herrn Merklein kamen die Gerüchte zu Ohren, und um den guten Ruf seiner Behörde nicht ins, sagen wir mal, Geblümte und Rotlichtige ziehen zu lassen, verbannte er den beamtenrechtlich Unkündbaren in den Keller, bei Dunkellicht und staubigen Aktenordnern. Seitdem sei es ruhig geworden im Finanzamt, so die offizielle Version.

Seitdem aber verlangen auch auffällig viele Besucherinnen Einsicht in Akten, die drunten im dunklen Kabuff lagern würden, das hätten sie aus sicherer Quelle. Wenn man die Geräusche richtig interpretiert, die aus dem Kabuff dringen, müssen es sehr schwere Ordner sein.

Zu Gesicht hat man den Finanzbeamten Heiner Merklein schon lange nicht mehr. Einige Herren verbreiteten das Gerücht, der Merklein sei in seinem Liebeskeller an seinen Hormonen erstickt. Andere setzten hämisch nach, der Aktenhengst habe sich selbst zu Tode geliebt. Der Witz machte die Runde, der Finanzbeamte sei an Überarbeitung gestorben – Überarbeitung, hahaha.

All diese Gerüchte und Flüsterparolen bewogen den Heimatkrimiautor Hans-Erwin Fuchs, einen Roman zu schreiben mit einem liebestollen Finanzbeamten als Hauptfigur, dessen tödliche Spermien die weibliche Bevölkerung einer Kleinstadt dezimiert. Bis eines Tages die Putzfrau Hermine Fangmann in die Amtsstube marschiert, sich noch unter dem Türrahmen die Kleider vom Leibe reißt und dem geilen Bock … Mehr will der Autor nicht verraten, schade.

Nächstes Mal erzähle ich von den Käsewürstchen und den sieben Bademeistern.

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