Für ein paar Wochen konnten Kunstliebhaber aus der ganzen Welt etwas Besonderes besichtigen, ein Anblick, der seit Jahrhunderten nur wenigen Eingeweihten und Privilegierten zugute kam: Die Rückseite des Gemäldes ›Die Nachtwache‹ von Rembrandt. Das Rijksmuseum in Amsterdam hatte das Werk wegen einer Inspektion andersrum aufgehängt mit dem Risiko, dass eine schon befürchtete Janusgesichtigkeit des Meisters … Weiterlesen Die Rückseiten der Gemälde
Induzierter Verkehr
Einen bestimmten Aphorismus sollen Verkehrsingenieure gern zum Besten geben, und der geht so: »Der Versuch, Verkehrsstaus durch das Hinzufügen von mehr Kapazität zu heilen, ist wie der Versuch, Fettleibigkeit durch das Lockern des Gürtels zu heilen.« Wobei Kapazität für Straßen und Parkplätze steht. Und das Ganze firmiert unter dem Stichwort ›Induzierter Verkehr‹. Der Induzierte Verkehr … Weiterlesen Induzierter Verkehr
„Mit dem Rücken zur Fahrtrichtung“
Interview: Heinzi über 40 Jahre Friebo, Haarausfall und Kautabak Bevor es zur ersten Frage kommt, springt Heinzi von seinem Sessel auf und erläutert seine Theorie der Retardierung, die er nach eigenem Bekunden in seiner Kolumne den Friebo-Lesern einzuhämmern gedenkt. »Es beginnt mit dem Ende und endet mit dem Anfang«, begründet der Autor die Notwendigkeit, das … Weiterlesen „Mit dem Rücken zur Fahrtrichtung“
Herbstmänner
Wenn ich dieser Tage mit Rauhaar Klopstock durch den herbstlich-winternahen Wald streife, begegnet uns manchmal die zu grauer Gestalt geronnene Bedürfnislosigkeit, oder anders ausgedrückt, die figurative Ausformung aller irdischer Zerfahrnisse, ein Begriff, der mir analog zu Bodo Kirchhoffs Novelle »Widerfahrnis« einfällt, und daran kann man sehen, wie sich Assoziationssprünge in der Schüssel (= Hirnareal) gichtfingrig … Weiterlesen Herbstmänner
Das Netzkabel
Neulich habe ich alle meine Musik-CDs weggeworfen. Eigentlich wollte ich mir ein Album von Tom Waits anhören, das, wo vorne auf dem Cover kein Maultier drauf ist, obwohl der Titel ›Mule Variations‹ das geradezu einfordert. Gut, mit mule könnte auch Drogenkurier gemeint sein, bei Tom Waits liegt das nahe, aber wurscht, denn der CD-Player gab … Weiterlesen Das Netzkabel
Neue Wörter
Langsam bin ich's leid mit diesen neuen Wörtern und Begriffen. Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht über einen Ausdruck stolpere, der mir erst mal nix sagt, anscheinend aber superwichtig ist fürs Verstehen der Gegenwart und ihres aus allen Poren schwitzenden Insiderwissens. Was genau ist ein ›Barcamp‹? Eine Zeltstadt, an deren Bar Tequila … Weiterlesen Neue Wörter
Der Zahnarzt mit der Kettensäge
Die Schwemme der Regionalkrimis, insbesondere der Friesenkrimis, hat mich angeregt, auch einen Roman zu schreiben. Mir fielen auch sofort Buchtitel ein, die das Regionale zum Ausdruck brachten: ›Der teuflische Tourist‹ – ›Das Matjesmassaker‹ – ›Das Skelett im Gülletank‹ – ›Die Labskaus-Morde‹ – ›Die Untoten im Vareler Rathaus‹ – ›Leichen fliegen über Bockhorn‹ – ›Fräulein Siemtje … Weiterlesen Der Zahnarzt mit der Kettensäge
Smarte Fußfesseln
Als Einsiedler in einem Loch in einem dunklen Wald dahinvegetieren, Blätter kauen, Maden lutschen. Auf diesen Gedanken kam Holger, der bekennende Tech-Freak, als er seine Apple Watch in die Mülltonne pfefferte, zusätzlich die Überwachungskamera ›Ring‹ von Amazon und als Nachtisch das Armband ›Halo‹, ebenfalls von Amazon, Deckel zu, nicht ganz die feine Art, denn das … Weiterlesen Smarte Fußfesseln
Frieslandhymne
In unregelmäßigen Abständen die Lobeshymne auf Friesland zu singen, das Gute, Schöne und Erhabene der heimatlichen Krume hervorzuheben, dies hatte ich mir als Aufgabe gestellt, und heute ist es wieder soweit. Was einem dazu sofort einfällt? Na die Kühe. Ja was, vergleiche einmal die Kühe mit, sagen wir, Kängurus oder Kanalratten oder, mich schüttelt's, wenn … Weiterlesen Frieslandhymne
Diese Greten
Ich kann nicht behaupten, dass mir der Dialog mit der Jugend einen Erkenntnissprung beschert, aber wer erwartet das schon von jemand, hier nenne ich die Nachbarstochter Marie-Curie als Fallbeispiel, die zwar mit der Terrierdame Sissi Gassi geht, um bei der fraulichen Frauke von gegenüber einen fetten Taler abzugreifen, da Frauke als Sissis fürsorgeberechtigte Halterin ihren … Weiterlesen Diese Greten
Waldbaden
»Ich kann mich ja gut in deine Klienten hineinversetzen«, sprach ich und ölte meine Stimme nach den Vorschriften für Heiratsschwindler, »nach all den Monaten der Einsamkeit im Lockdown gebricht es vielen Ungefestigten an Lebenskraft, um ein solides Gerüst, sprich eine Krücke für unausgelebte Körperkontakte zu installieren.« Ich hatte Kuscheltherapeutin Susanne in der Leitung und warf … Weiterlesen Waldbaden
Pi
»Kommt heut nicht der zweite Teil zum ersten Teil?«, rief ich durchs Haus in der Hoffnung, aus irgendeiner Ecke eine Antwort zu bekommen. Plötzlich wurde mir bewusst, dass der Satz zwar plausibel klang – ein zweiter Teil folgt in der Regel auf einen ersten Teil –, gleichzeitig aber etwas unklar. Ich hatte den Fernsehfilm im … Weiterlesen Pi
Wahlwerbung mit Schnarchgarantie
Von den Wahlplakaten lächeln sie wieder auf uns herab, die Kandidaten und Kandidatinnen. Man muss sich beherrschen, um nicht das Wort ›lächeln‹ durch ›grinsen‹ zu ersetzen. Aber das kennen wir längst, und man könnte sich mehr Abwechslung vorstellen, etwa einen Bewerber mit finsterer Miene, zerfurcht vor Gram und Ungehaltenheit über die miesen Bürger, die ihn … Weiterlesen Wahlwerbung mit Schnarchgarantie
Vererben ist Mist
»Wem wollt ihr eigentlich euren ganzen Reichtum vererben?«, frug ich im Tonfall wohlmeinender Sorge. Onkel Paul hatte sich gerade eine Ladung Schlagsahne auf seinen Teller geschaufelt. Unsere Kaffeegesellschaft genoss den Duft der Röstbohnen, und ich hatte den selbstgebackenen Pflaumenkuchen von Tante Margret ausgiebig gelobt und ein drittes Stück auf meinen Teller gehievt als Bestätigung für … Weiterlesen Vererben ist Mist
Der Blockwart in mir
Ein Anliegen dieser Kolumne ist es, sich als anwaltlicher Begleiter für sinnfremdes und somit menschliches Verhalten einzubringen. Seit Corona scheint sich allerdings das spielerisch Irrationale in irgendwelche dunkle Ecken zu verkrümeln, wo es niemanden stört. Keine skurrilen Ereignisse würzen die Nachrichten mehr, und von spleenigen Figuren aus dem Land der Fantasterei hört man nur in … Weiterlesen Der Blockwart in mir
Die Damenkarte
Von der Existenz einer sog. ›Damenkarte‹ habe ich erst jetzt erfahren, ein gefühlt halbes Jahrhundert zu spät, und es muss daran liegen, dass in der Epoche, als Damenkarten den Gästen eines Nobelrestaurants vorgelegt wurden – genauer gesagt, den Damen und nicht den Herren am Tisch, aber das sagt ja bereits der Name –, dass es … Weiterlesen Die Damenkarte
Sterne der Erleuchtung
Altmodisch wie ich bin, notiere ich Sprüche und Zitate, die mir unterwegs auffallen, in eine Kladde, obwohl ich sie in mein Smartphone diktieren könnte. Tja, so ist das mit der old school. Meine Angewohnheit kann als Paradebeispiel für den Ausdruck ›verschriften‹ herhalten, jau, wie es halt so in den Amtsstuben wiehert. Die besagten Notate dienen … Weiterlesen Sterne der Erleuchtung
Club der Subversiven
Vor ein paar Jahren hatte ich die Idee, das Internet platzen zu lassen. Dafür müsste man eine Schleife programmieren, so überlegte ich, die sich selbst mit jeder Umdrehung multipliziert und exponentiell ansteigende Ressourcen verbraucht, bis das System explodiert. Ich konsultierte Timo, den Computer-Nerd, aber der muffelte nur: »Funktioniert nicht.« Falls du jetzt denkst, dem Heinzi … Weiterlesen Club der Subversiven
Das N-Wort des N-Wortes des N-Wortes
Inzwischen ist das N-Wort selbst zum N-Wort geworden. So jedenfalls kommt es mir vor, und Leuten (Masochisten, Selbsthasser, Anarchisten), die es wagen, das eigentliche N-Wort in den Mund zu nehmen wie jüngst Annalena Baerbock, bleibt als letzte Ausflucht vor dem Shitstorm des Internet-Mobs und der sensationslüsternen Medienheinis grad die Emigration in ein fernes Land, Grönland … Weiterlesen Das N-Wort des N-Wortes des N-Wortes
15 Sieben Optionen, um Wohlstand zu erlangen
Noch aber wurde ich in meinem Kellerloch eingestaubt, noch blieb die vage Aussicht auf Abschluss des Studiums, irgendwann in einem vermutlich anderen Leben. Noch lag ich in dem ebenerdigen Fenster, ließ mir Schotterbrocken ins Gesicht schleudern, leckte an der Tapete, wo die Suppe meines Vermieters Bultmann, dem Direktor, herabrieselte und verfolgte die Raubzüge, die der … Weiterlesen 15 Sieben Optionen, um Wohlstand zu erlangen
Null Energie
›Mal angenommen‹, so heißt eine Podcast-Serie der ARD, bei der jeweils ein extremes Gedankenexperiment durchgespielt wird. Beispiel: ›Mal angenommen: keine Schulnoten mehr – was dann?‹ An diese Serie dachte ich, als ich einen Bericht über ein Nullenergiehaus las. Was wäre, wenn wir ausschließlich Nullenergiehäuser hätten? Dann ginge die Kunst des Fensteröffnens verloren, und unsere Kinder … Weiterlesen Null Energie
Dangast – Der Witz brennt
Nachdem die Vareler Politprominenz jahrzehntelang ihre Unfähigkeit zu Kund und Wissen gegeben hat, einen halbwegs brauchbaren Ansatz einer Lösung des Dangaster Verkehrsproblems vorzulegen, gab sie Anfang 2020 endgültig auf. Was soll’s, mögen sie gedacht haben da im Rathaus und in den Parteistuben, es gibt schließlich noch andere Themen, mit denen wir die freie Zeit der … Weiterlesen Dangast – Der Witz brennt
Fragen, Fragen
Zu den ewig ungelösten Fragen haben sich seit Corona ein paar neue hinzugesellt. Bei den alten Grübelteufelchen geht's ja gleich um das große Ganze: Warum gibt es uns? Religiöse Menschen verweisen auf einen Schöpfer, aber das hat nichts mit Wissen zu tun, sondern mit Glauben, und wer diesen Glauben verneint, glaubt seinerseits an die Verneinung … Weiterlesen Fragen, Fragen
Der Hammermann
»Im Grunde brauchst du nur einen Hammer«, sagt Kollege Klöpper, »mit einem Hammer kannst du alles regeln.« Damit wäre die Ratgeberliteratur um eine Variante reicher, ich könnte auch sagen, um eine Facette, aber sprachsensorisch verfehlt die Zuschreibung ›Facette‹ den Sachverhalt um – sagen wir – Welten des Diffizilen, oder genauer, des Filigranen. »Mit dem Hammer«, … Weiterlesen Der Hammermann
Mauernde, Angelnde, Gendernde
Sich mit der Gendersprache herumzuschlagen, den Gender-Sternchen, Schluckauf-Innen, Binnen-Is, Doppelpunkt- und Unterstrich-Kreationen, kommt bei dem aktuellen Sprachgemetzel einem suizidalen Tanz auf einem Minenfeld gleich. Solange Rauhaar Klopstock noch sein Bein hebt, versage ich mir eine Stellungnahme. Bloß: An der Regel ›Keine Regel ohne Ausnahme‹ komme ich nicht vorbei. Es sind die Studierenden, die an meinem … Weiterlesen Mauernde, Angelnde, Gendernde
Deutschwald #1 Color
FAKE THE FOREST Colorierte Ansicht aus dem deutschen Walde
Wohlklang in der Krächzbude
Jahr für Jahr dasselbe Spiel: Gefiederte Sangeskünstler erobern unseren Garten und erfreuen uns mit ihrem Zwitscherkonzert. Getrübt wird das Erlebnis nur vom Gerassel einer Horde Krähen. Und wie jedes Jahr endet mein Bemühen, das Gezwitscher bestimmten Vogelarten zuzuordnen in der Einsicht, dass mir die ornithologischen Werkzeuge nicht in die Wiege gelegt wurden. Besonders ein Exemplar … Weiterlesen Wohlklang in der Krächzbude
Es bleibt, wie es bleibt
Bisher habe ich noch keinen gefunden, der gegen folgende Annahme wetten würde: Ich behaupte, dass sich nach der Pandemie die gleichen Zustände einstellen wie davor. Eigentlich eine unhaltbare These, denn schon der Grieche Heraklit sprach: ›Alles fließt‹, oder bildhafter ›Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen‹. Demnach verändert sich die Welt von einem Augenaufschlag … Weiterlesen Es bleibt, wie es bleibt
Zufrühernte
»Nanu, sind die Himbeeren schon reif?« Diese Frage hätte Kollege Klöpper nicht stellen dürfen. Denn der Satz markierte den Beginn einer eskalierenden bitteren Auseinandersetzung. Klöppers Frau Katja hatte gerade eine blässlich-rosa Frucht neben die Kaffeetasse gelegt in der bescheidenen Erwartung von Jubel und Jauchzen. Stattdessen der Satz. Du musst wissen: Jahr für Jahr entbrennt ein … Weiterlesen Zufrühernte
Biokampfstoff
Bei Onkel Paul und Tante Margret habe ich einiges wiedergutzumachen. Bei meinen letzten Besuchen hatte ich es mir nicht verkneifen können, das Gespräch zielgenau auf das Thema Tod und Bestattung zu lenken, eine Psychomacke, die unbedingt eine Diagnose und anschließende Therapie abverlangt, später, denn jetzt steh ich vor dem Haus meiner Anverwandten, einen ›Gerupften‹ in … Weiterlesen Biokampfstoff
Schwarmintelligenz
»Guck«, sagte ich zur Weibin in unserer Küche, »die Evolutionslehre hat aufgedeckt, dass wir vom Affen abstammen, und die Psychoanalyse, dass wir Affen nicht Herr über uns selbst sind, sondern von Trieben aus dem Unterbewusstsein gesteuert werden – mithin«, so schloss ich, »liegt unser Wohl und Wehe …« Da war die Weibin schon zur Hintertür … Weiterlesen Schwarmintelligenz
Der mediterrane Stuhl
Wegen der übermäßigen Einnahme von Knoblauch und Olivenöl im mediterranen Raum lässt sich eine ganz eigene aromatische Färbung des Stuhls nicht aus der Welt diskutieren. Es ist diese Dünstung, die den nordischen Menschen und Reiselustigen veranlasst, sich in Urlaubsstimmung bzw. an mittelmeerischen Gestaden zu wähnen. Ein Hochgefühl, das am heimatlichen Flughafen wieder einer Ernüchterung folgt. … Weiterlesen Der mediterrane Stuhl
Kadetten – Idioten
Leider finde ich grad niemanden, der mir eine drängende Frage beantworten könnte. Das kam so: Ich hatte mich an einen Geschichtslehrer erinnert, der in einem Auf und Ab von Gefühlswallungen und Bluthochdruckphasen Wutanfälle inszenierte, deren feuchte Gratisbeigaben die Schüler in der ersten Reihe einnebelte und intoxinierte, was mir keinen Deut des Mitleids abrang, denn vorne … Weiterlesen Kadetten – Idioten
Die Wahrheit der Lüge
»Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners.« Das ist kein Zitat von Ex-Präsi Trump, dem solch geniale Gedankenflöhe höchstens im Suff zuzutrauen sind. Heinz von Foerster brachte den Tusch heraus, der Philosoph, der dem Konstruktivismus zugeordnet wird, welcher behauptet, wir würden die Wirklichkeit nur in unserem Hirn erzeugen, was wiederum an die Frage erinnert, ob wir … Weiterlesen Die Wahrheit der Lüge
Kann ich mal ihr Bad benutzen?
Zwei Männer stehen vor der Tür, Kripo, Mordkommission. »Haben Sie etwas Verdächtiges gesehen?«, fragt der eine, weil, es ist ein Mord in der Nachbarschaft geschehen. Blöde Frage, warum nicht gleich: »Wie heißt der Mörder? Wo wohnt er?« Plötzlich Pulleralarm beim anderen Polizisten: »Kann ich mal Ihr Bad benutzen?« Klar doch. Wir wissen, er ›muss‹ gar … Weiterlesen Kann ich mal ihr Bad benutzen?
14 Der Kürassier von Monte Malo
„Du willst es wirklich bringen?“, fragt Klöpper. „Genau das will ich!“ Mein Entschluss steht fest. „Mein Entschluss steht fest.“ „Wozu in aller Welt diese Zwischenkapitel aus dieser irren Alpensaga? Sie sind kaum lesbar und haben absolut nichts mit deiner angeblichen Romanbiografie zu tun. Willst du den Leser quälen, und wir beide wissen, dass mit dem … Weiterlesen 14 Der Kürassier von Monte Malo
Arier vom Nordpol
Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht neue Offenbarungen über Rassismus, Diskriminierung, Gender-Gap oder kulturelle Diversität erfahre. Was mich dazu nötigt, meinen Wortschatz permanent anzupassen, um nicht – noch so ein eingestanztes Rollenstigma – als ›alter weißer Mann‹ diskriminiert zu werden. »Immerhin«, sage ich zu Kollege Klöpper, »hält einen das auf Trab, quasi … Weiterlesen Arier vom Nordpol
Die Dangast-Verschwörung
(Dies ist die Wiederholung eines Beitrages vom 22. Sept. 2020.) Mit der Q-Anon-Theorie brauchen wir uns im Friesischen nicht zu beschäftigen. Diese Theorie besagt, dass geheime Eliten die Regierungen unterwandern. Sie halten in Folterkellern Kinder gefangen und saugen deren Blut, denn das soll ewige Jugendlichkeit verleihen. Wozu aber braucht der Friese Kinderblut, wenn er den … Weiterlesen Die Dangast-Verschwörung
Schlips mit Guinness
Ich weiß nicht, ob es dir auch schon aufgefallen ist: In der Männermode tut sich was. Ein Umbruch. Ein Knalleffekt, was sage ich, ein Urknalleffekt. Aber der Reihe nach. Ich stehe auf der Straße, im angemessenen Abstand zur Nachbarstochter und Frechlippe Marie-Curie, vor uns Rauhhaar Klopstock und Terrierdame Sissi in abwechselnden Anal-Riechpositionen. »Das war so«, … Weiterlesen Schlips mit Guinness
Vögel*Innen
Fotoarbeit von Hans Joachim Teschner
13 Die Klöten
Der alte Bultmann – ich nenne ihn alt, da er dem Augenschein nach etwa 15 bis 20 Jahre älter als seine Frau sein musste und bereits in Rente war – der alte Bultmann schlurfte den ganzen Tag über im gleichen Aufzug durchs Haus und über die staubige Auffahrt, wenn er die Post vom Briefkasten vorn … Weiterlesen 13 Die Klöten
Wem der Groschen fällt
Heute will ich versuchen, zwischen den Begriffen Groschen, Gehirnmechanismus, Ministerpräsident, Beethoven und Währungsumstellung eine Verbindung herzustellen. Ganz schön ambitioniert, sagst du? Dazu angeregt hat mich die Redewendung ›Der Groschen ist gefallen‹. Der Spruch steht für eine plötzliche Erkenntnis: Wenn jemand einen Witz kapiert oder eine Sache verstanden hat, also das Wesentliche eines Problems oder einer … Weiterlesen Wem der Groschen fällt
Der Goldene Schnitt
Beim Goldenen Schnitt soll anhand einer komplizierten mathematischen Formel herausgefunden werden, welche Teilstrecke sich zu einer anderen Teilstrecke ebenso verhält, wie die andere Teilstrecke zur Ganzstrecke, d. h. dieses eine Verhältnis wird zum anderen Verhältnis ins Verhältnis gesetzt, wobei das Zweitverhältnis, man kann es auch als Sekundärverhältnis bezeichnen, sich zum Erstverhältnis (= Primärverhältnis) verhält wie … Weiterlesen Der Goldene Schnitt
The King
Vor einiger Zeit hatte ich über den Glanz der Titel und Anreden referiert, mit denen sich die Potentaten auf unserem Erdenrund schmücken, ausgehend von der »Sonne der Menschheit«, dem Etikett, das sich Kim-Jong-un selbst an die Brust resp. an die diese repräsentierenden Fettwabbeln angeheftet hat. Nachdem ich mit respektvoller Untertänigkeit auch die Hoheiten unserer Provinz … Weiterlesen The King
Deutschwald #6
Aus der Serie "Deutschwald". Fotoarbeit von Hans Joachim Teschner
Das Schweigen schweigt
Kann man sich Gedanken machen über etwas, das es gar nicht gibt? Über das Nichtvorhandensein beispielsweise von Geräuschen? Als ich diese Frage im Bekanntenkreis aufwarf, erntete ich einhellige Gesten der Selbstentweihung: Augenverdrehen, mit dem Finger an die Stirn tippen. Grad, dass mir Kollege Klöpper kameradschaftlich entgegenkam mit der Bemerkung, die meisten Leute dächten eh an … Weiterlesen Das Schweigen schweigt
12 Der 17er
„Gib mir mal den 17er.“ Eine ölverschmierte Hand streckte sich unter dem aufgebockten Daimler 180 D hervor. Ich hatte das Klappfenster meiner Studentenbude aufgesperrt und blickte direkt auf die Hand, die den 17er erwartete. Mit direkt meine ich direkt im Sinne von höhengleich. Meine Bude lag im Kellergeschoss des Hauses. Wenn Wind aufkam und ich … Weiterlesen 12 Der 17er
Nieren, Samen, Leberfleck, Hakennase
»Du wirst wirre«, sagte die Weibin, »bald muss ich dich einliefern.« Zur Bekräftigung setzte sie hinzu: »Da beißt die Maus keinen Faden ab.« Was diese Ankündigung eines fürsorgenden Ehegatten-Splittings ausgelöst hatte? Nur eine kleine Verhaltensauffälligkeit, harmlos, vielleicht etwas spinnert, das wohl. Wir hatten einen Fernsehfilm gesehen über eine Nieren-Überkreuzspende. Der Plot: Zwei Ehepaare in Not. … Weiterlesen Nieren, Samen, Leberfleck, Hakennase
11 Nekrolog
Gehst du früh zu Büsing hinkriegst du frischen Schweinebauch.Kommt dir Blutwurst in den Sinn:Fleischer Büsing hat das auch. (letztes Büsinggedicht; eine Woche bevor Büsing jun., der Erleuchtete, Belesene, Erhabene und Erkorene sowie sachkundige Verwalter von Fremdwörtern sich im Stadtwald an einem Baumast erhängte) 12 Der 17er
Lanigan’s Ball – Irische Folk
heinrichshofens_verlag NEU! Unsere nächste Neuerscheinung ist endlich für Sie erhältlich! Lanigang's Ball von Hans Joachim Teschner. Irische Songs für Querflöte und Gitarre. Irische Musik bringt immer eine einzigartige Stimmung auf. Viele der Songs sind über die Grenzen der grünen Insel hinaus bekannt, wie zum Beispiel "Sally Gardens", "The Foggy Dew", "Molly Malone" oder eben "The Girl … Weiterlesen Lanigan’s Ball – Irische Folk
Letzte Worte
Ich weiß, ich weiß, ich weiß. Jedes Mal, wenn ich Tante Margret und Onkel Paul besuche, verrutscht mir die Sprache, meine Gedanken fliehen ins Unaussprechliche, dunkle Phantasien umwölken den Kaffeetisch und zu guter Letzt schmeißen mich die beiden raus. Weil ich mich wieder einmal über Todesfälle und Bestattungen ausgelassen habe sowie über das damit einhergehende … Weiterlesen Letzte Worte
Muskelkater
Ein zusammengesetztes Wort, dessen Bedeutung sich dem Fragenden nicht selbsterklärend erschließt. Man vergleiche den Ausdruck mit einem ähnlich gelagerten Fall, dem Wort Kindertagesstätte. Es nützt niemanden. Auch nicht, wenn man die beiden Begriffe in ihre Einzelteile erlegt, also hie Muskel und Kater, dort Kinder und tages und stätte. Keinen Schritt weiter sind wir gekommen! Eher … Weiterlesen Muskelkater
EisAllee
Fotoarbeit von Hans Joachim Teschner
Grüne Männchen – Ostereier
Wo sind die grünen Männchen geblieben? Die vom Mars. Jetzt hatte die NASA den Marsrover Preserverance auf den Planeten geschickt, um zu erkunden, wo die Glibberkerle hausen, wovon sie sich ernähren (Grünkernfrikadellen?) und wie sie sich fortpflanzen (durch Osmose?). Und was findet das hochgerüstete sechsbeinige Vehikel? Nix. Stochert im Sand herum, bohrt sich in der … Weiterlesen Grüne Männchen – Ostereier
Das N-Wort beim Singen des Z-Wortes
Noch sind Schlager, Operetten und Heimatlieder den Inquisitoren der political-correktness (PC) durch die Lappen gegangen. Das dürfte sich, das muss sich sehr bald ändern. 'Du schwarzer Zigeuner', 1959 von Vico Torriani glutheiß geträllert, dürfte heute von den Scharfrichtern der PC genüsslich abgeschlachtet werden. Immerhin, das Adjektiv schwarz kann hier als unbedenklich stehenbleiben, denn schließlich gilt … Weiterlesen Das N-Wort beim Singen des Z-Wortes
Ich bin keine Katze
»Ich bin keine Katze.« Diesen Klageruf stieß der US-Jurist Rod Ponton aus, als er bei einer Videokonferenz sein Ebenbild auf dem Monitor entdeckte: ein niedlicher Katzenkopf schaute ihn mit großen Kulleraugen an. Ein Zoom-Filter hatte den ehrenwerten Anwalt in eine Katze verwandelt. Und die Netzgemeinde hatte ihren Spaß. Mich erinnert sein Dementi an eine filmische … Weiterlesen Ich bin keine Katze
10 The New Cavestones
Wir fanden einen Übungsraum im Jungenzentrum Barmbek, ich berichtige, Jugendzentrum Barmbek. Wir fanden Tammo Wohlgemuth, einen Shouter mit versoffener Stimme und Beziehungen zur Unterwelt. Wir fanden Johnny Menke, der den legendären Fender Precision Bass besaß sowie einen 100 Watt Marshall-Turm, der einen solchen Schalldruck von sich gab, dass die Hosenbeine flatterten. Wir fanden Walter, unseren … Weiterlesen 10 The New Cavestones
Seekuh
Aus der Serie "Schwarzbunte Verortungen". Fotoarbeit von H. J. Teschner
Das Fenster öffnen II
In der düsteren Epoche der Fensterlosigkeit hausten die Menschen im Geviert ohne Hoffnung auf Licht, Schein oder Schimmer. Erst die Erfindung des Fensters brachte einen gewissen Vorteil, denn nun durchbrach ein erhellendes Loch den Lehm und das Reisig und verzauberte mit seinem Glanz die verschwiegenen Geheimnisse der Dunkelheit: In den Ecken der Hütte hatten es … Weiterlesen Das Fenster öffnen II
Das Fenster öffnen I
Viele Naturvölker gebärden sich angesichts dieser Tätigkeit wie der Ochs vorm Scheunentor. Im Regenwald soll es sogar dahin und daher wandernde Menschen geben, die sich keinen Reim darauf machen können, warum sie hin oder her wandern, genauso wenig wie sie imstande wären, ein Fenster zu öffnen, denn das Fensteröffnen setzt die Existenz eines Fensters sowie … Weiterlesen Das Fenster öffnen I
Aus Schlick geboren
Diese Woche kein Heinzi im Friesländer Boten. Als Ersatz, Seelenschmalz und zum Wundenlecken stelle ich lyrische Kleinodien vor, deren Nenner gleich Zähler ist. DAS VIEH IST AUFGEWACHET Die Sau liegt still und schweigetund aus dem Kuhstall steigetfein Nebelgilbder Gülle Qualm.Ein Elster will wohl fallenvom Tannennadelbraunund wecken in den Stallendie Kühe und die Saun. DANGAST 4.GLASEN … Weiterlesen Aus Schlick geboren
Das Ur im Wald
»Lausche meinen Versen«, sprach ich zu Kollege Klöpper, »Lyrik vom Feinsten. Du wirst weinen vor Rührung.« »O weia«, ächzte Klöpper, »das schreit nach einem Bier.« »Ruhe jetzt! Also höre: DAS UR IM WALD Es war im Neuenburger Urwald, als wir, mit Opernglas und Käsebrot, dem Ur und Einhorn auf der Spur verpirschten uns auf Abenteuertour. … Weiterlesen Das Ur im Wald
9 Der Abgang – Hamburg
War ja ganz aufregend damals, unsere Konzerte, Performances und Dada-Aufführungen. Du musst bedenken, dass wir noch zur Schule gingen. Gut, das Abitur hatten wir praktisch in der Tasche, nur noch mündliche Prüfungen, aber wir machten uns keine Gedanken, wie es danach weitergehen sollte. Nach einem der Konzerte und der anschließenden obligatorischen Prügelei zwischen Oberschülern und … Weiterlesen 9 Der Abgang – Hamburg
Gute Laune gegen den Viruskoller
Egal, was sie anstellen, egal, was sie sich ausdenken, egal, welche Maßnahmen sie ergreifen, prompt hagelt es Vorwürfe und Kritik. Alles würden die Corona-Macher versemmeln, lausig ausführen, fehlerhaft organisieren. Wer da so schimpft sind wir, die Bürger des Staates SchwarzRotGold im Lande ›Unzufrieden‹ sowie die Opposition, die nix zu verantworten hat und aus der sicheren … Weiterlesen Gute Laune gegen den Viruskoller
Einen Eimer heben
In den unterschiedlichsten sozialen Schichten erkennen Individuen die Notwendigkeit, einen Eimer anzuheben und diesen für eine Weile zu tragen. Es gilt der Grundsatz, den gefüllten Eimer von A nach B zu befördern. In jeder Minute heben ca. 2 Millionen Menschen einen Eimer. Es gibt in den Regionen der Erde, wo Eimer zur Verfügung gestellt werden, … Weiterlesen Einen Eimer heben
8 Tüddi Tüddi
Ich komm nicht voran. Wenn ich weiterhin die bübischen Erlebnisse meiner Schulzeit und die unserer Schülerband ausbreite, verliere ich meinen Kompass und verfehle mein Ziel, was da wäre, die Ausweglosigkeit eines fest umrissenen Daseinsentwurfes darzulegen am Beispiel meines Irrens und Versagens durch die verschiedenen Stadien und Frakturen der mir zugeeigneten Lebensläufte. Wiewohl. Wiewohl die … Weiterlesen 8 Tüddi Tüddi
7 Grausige Details einer Entführung
Aus der Alpensaga Im Schatten des WatzbergesEine Nacherzählung Marlene Kaltenfussel hatte noch Zeit. Ein Geräusch hatte sie aus dem tiefsten Schlaf geholt, eine Art Schlurfen oder Rascheln, aber schlaftrunken wie sie war, gab sie nichts darauf. Der Reisewecker würde ohnehin gleich zu Piepen anfangen. Da wurde sie aus dem Hotelbett gerissen und grob auf die … Weiterlesen 7 Grausige Details einer Entführung
Schrödingers Katze
Das Dumme an Marie-Curie ist, dass sie so schlau ist. Die Nachbargöre findet für jeden Topf einen Deckel. Wenn ich nur vom Klimawandel anfange! Oder von der Mikroplastik. Es macht keinen Spaß, von einer Mittenmangpubertierenden über den Mund gefahren zu werden. Ihr wiederum ist es peinlich, mit mir, Terrierdame Sissi und Rauhaar Klopstock zusammen gesehen … Weiterlesen Schrödingers Katze
Den Kamin anzünden
Bevor wir den Kamin anzünden werfen wir einen Blick in die Gebrauchsanweisung. Dort erfahren wir, wie die Holzscheite effizient aufgeschichtet werden, Brandbeschleuniger zum Einsatz kommen, der Rauchmelder abgestellt wird usw. Das schlaue Heft verschweigt uns aber, dass es einer extrem großen Hitze bedarf, denn viele Kamine widersetzen sich dem Feuer. Wir haben von Kaminen gehört, … Weiterlesen Den Kamin anzünden
6.4 Der Lyrik-Wettbewerb
Ein bulliger Kerl in einer ledernen Motorradjacke springt mit einem Satz auf die Bühne, schubst die kleine Dame beiseite und brüllt ein einziges Wort in die Tiefe des Saals: „Schnauze!“ Der Lärm bricht ab. Verblüfft starren die Zuschauer den Kerl an. Der drischt mit der Faust auf das Redepult. „Er stand auf des Daches Zinnen!“ … Weiterlesen 6.4 Der Lyrik-Wettbewerb
Wahn & Ekstase
Wahrscheinlich glaubt mir das keiner: Ich schreibe alle Texte mit dem Bleistift. Einen, den man noch anspitzen muss. Ja, guck nur so eulig. Ich erwähne dies, weil ich hinten in der Schublade den Druckbleistift wiedergefunden habe, mit dem ich nie zurechtgekommen bin. Und was glaubst du? Nach einen kurzen Anlernphase juckelt der nur so über … Weiterlesen Wahn & Ekstase
Das Fliegengitter und die Schwarmintelligenz
Wir beobachten einen Mückenschwarm, der auf das Fliegengitter zusteuert. Im letzten Augenblick bemerkt der Schwarm die Gefahr, kann aber nicht mehr abbiegen und muss als Opfer verbucht werden. Hier tritt ein Versagen der vielbeschworenen Schwarmintelligenz zutage. So besehen sollten wir den Begriff Schwarmintelligenz durch Schwarmdummheit ersetzen. Nun zum Ergebnis: Durch den Aufprall der Mückenrotte verkleben … Weiterlesen Das Fliegengitter und die Schwarmintelligenz
6.3 Der Lyrik-Wettbewerb
Büsing brach ab und trat zurück. Nicht aus Angst vor dem grölenden Mob. Im Gegenteil, in dieser aufgeladenen Stimmung würde die Vortragskunst gedeihen wie die Löcher in einem Schweizer Käse. Eine kleine dickliche Dame, gewandet in einem Waldorfstrickkleid, erklomm die Bühne des Braunen Bären. Stöhn jetzt nicht von wegen, schon wieder so ein Klischee, mit … Weiterlesen 6.3 Der Lyrik-Wettbewerb
Tigerspinne
»Bei euch wäre es natürlich undenkbar«, sage ich. Onkel Paul raschelt mit der Zeitung. Tante Margret schaut kurz und unaufmerksam zu mir rüber. »Hier steht«, sagt sie, »dass ab Montag Käsewoche beim Supermarkt ist, hörst du, Paul?« Onkel Paul steckt seinen Kopf in die Politikseite. »Ich sagte«, sage ich, »dass es bei euch undenkbar wäre.« … Weiterlesen Tigerspinne
6.2 Ein einfacher Satz
Einmal hat Büsing einen einfachen Satz gesagt, ohne Schnörkel, ohne ineinander verschlungenem Wortgeschwulst. Er sagte: "Lolle hat eine Aura." 6.3 Der Lyrik-Wettbewerb
6.1 Der Lyrik-Wettbewerb
Den Lyrik-Wettbewerb hatte sich Büsing (der Belesene, auch: der Erhellte) ausgedacht. Der las einfach zu viel Bücher. Statt mal die Tasten seines Keyboards anzufassen. Vermutlich einer der Gründe, warum Manni Drewes und unser Sänger Charly Müller (oder Meier), von dem wir immer noch nicht wussten, wo der eigentlich wohnte, ob er einen Job hatte und … Weiterlesen 6.1 Der Lyrik-Wettbewerb
5.3 The Cavestones
Der Übungsraum, den wir am gleichen Tag nach Ladenschluss besichtigten, erwies sich als zu feucht, zu kalt und zu niedrig, und die Sicherung flog schon raus, als wir sie argwöhnisch anguckten. „Ohne Übungsraum mach ich nicht mehr mit“, erklärte Büsing kategorisch. Er habe nun schon zu viel Impetus reingesteckt, als dass er sich noch weiter … Weiterlesen 5.3 The Cavestones
Massenmörderisches Gemetzel
Mit dem Hund rausgehen und in die Luft gucken erfrischt auch in Corona-Zeiten, und um das Luftgucken zu variieren, könnte man auch in den Himmel gucken und den Zug der Gänse verfolgen oder auf den Boden vor die eigenen Füße (gucken, noch immer), wo einem leider kaum neue Gedanken zufliegen und diese ganze Guckerei allmählich … Weiterlesen Massenmörderisches Gemetzel
5.2 The Cavestones
Als wir uns zum ersten Mal trafen, um eine Rockband zu gründen, waren wir noch zu dritt: Ich an der Gitarre, Manni Drewes, auch Gitarre, aber der hatte vier Basssaiten auf den Hals gezogen, was damals zwar nicht üblich aber verständlich war, weil eine echte Bassgitarre von Framus oder Höfner (vom Fender Precision ganz zu … Weiterlesen 5.2 The Cavestones
Die entzündliche Stelle
Mit der entzündlichen Stelle hat es seine Bewandtnis. Sage mir einer, er habe noch nie eine entzündliche Stelle gehabt. Mag sein, dass die entzündliche Stelle unter der Oberfläche eines schorfigen Ausschlags unentdeckt dahinlauert, eingewoben, dem Tageslicht abgekehrt, und dass ihre Krallen sich millimeterweis an den Tangentialpunkt der entzündlichen Stelle herankratzen. Darüber zu spekulieren aber verbietet … Weiterlesen Die entzündliche Stelle
Das Netzkabel unterm Sofa
Zum Jahresbeginn werden wieder Vorsätze gefasst, in Stein gemeißelt, beim ›Leben meiner Mutter‹. Hintergrund ist oft nicht allein die Knebelung des inneren Schweinehundes, sondern die Rettung der Welt. Kein Fleisch mehr verzehren in 2021? Da schwingt die Botschaft mit: das Tierwohl fördern, den Klimawandel bremsen, Nitrateinträge verringern, sich moralisch ertüchtigen, Gewissensbisse der anderen schüren, nein, … Weiterlesen Das Netzkabel unterm Sofa
Künstliches Gemüse
Um künstliches Gemüse herzustellen braucht es Chemikalien und eine Rührtrommel. Je nachdem, ob Brokkoli, Sellerie oder Rotkohl erzeugt werden soll, werden unterschiedliche Form-, Festigkeits-, und Geschmackszusätze in die Retortenschüssel eingeschlemmt. Ein arttypisches Gen setzt sodann den Wachstumsprozess in Gang und lässt die Brühjauche zu einem makellosen Produkt ausreifen. Zwar werden mitunter mutationsbedingte Missgeburten resp. Fehlkreationen … Weiterlesen Künstliches Gemüse
Der Computer
Die meisten Haushalte besitzen einen Computer. Wer keinen Computer hat, kennt genügend Leute, die einen oder sogar mehrere Computer besitzen. Es gibt so gut wie niemanden, der nicht weiß, was ein Computer ist. Kurz nach dem 2. Weltkrieg war das noch anders. Heute geht ohne den Computer nichts mehr, so sagen viele. Bei alledem ist … Weiterlesen Der Computer
5.1 The Cavestones
Bevor ich aber ins Lehrerseminar eintauchte wie ein Waschmob in den Zuber bäumte sich mein Schicksal noch einmal auf, und um ein Haar wäre ich shooting-star-mäßig auf den Olymp des Ruhmes hinaufgeschossen, natürlich geschossen und nicht hinaufgereicht auf dem Tablett des Mitleids, das sagt ja schon der Name: shooting star. Wir hatten einen Auftritt organisiert. … Weiterlesen 5.1 The Cavestones
Flämisch
Eijnen Artijkel in flaemischer Maniejer zu erstellen erfordert Sachkoendje und Vertrouwen in dat eijgene prachtige Wortschaatz. Maaniglijke Buuchstaaben mussjen umgebout oder sogar nieu erworben weerden. Im Koufhous sind diese niet zu heeften. Uit diesem Grundje muuss en grooter Houfken von Vokaalen zum eijgentlikken Begrif hinzugefuugt weerden. Dat ist nijgt jedermaans Sachje. Eerst recht niet, wenn … Weiterlesen Flämisch
Das Füsilierpfeif‘
Gilt als verschollen. Seine Verwendung beschreibt ein Pamphlet aus dem Nachlass des Fürsten von Betzenhausen zu Frankfurt a. M. (1784), in dem es heißt, das Füsilierpfeif' diene der Kaleschierung unbeweibter Gesellen, die nächtens durch die Gassen zögen und unziemliche Verse von sich abließen. Das Pfeif' an sich sei unhörbar, würde aber die umherwildernden Hunde aufbringen, … Weiterlesen Das Füsilierpfeif‘
4 Schuld
„Von Kunst kann man nicht leben.“ An mich waren Vaters Worte adressiert. Kurz danach brach sein Auge. Alle am Sterbebett wandten sich mir zu, eine Phalanx der Anklage: Mutter, Tante Almut, Fremdfrau und Palastdame Elfriede, die zum Sterbegucken aus Hildesheim angereist war, meine Schwester (deren Name wie Schall und Rauch … halt, da fliegt er … Weiterlesen 4 Schuld
3 Alpenglühen
Um Abwechslung bemüht, flechte ich ein Kapitel der Alpensaga "Im Schatten des Watzberges" ein. Heidi hatte ein Alpenröschen gepflückt, droben auf dem Watzberg. Es roch nach Schuhwichs, und dieser Geruch war es, der sie in ihre glückliche Kindheit versetzte, wo die Mutter noch Rüben einkochte und den Saft des Erdferkels zu süßer Marmelade verarbeitete. Während … Weiterlesen 3 Alpenglühen
2.5 Aus dem Zitatenschatz
"Es gab natürlich auch gute Lehrer" (Walter Kempowski) 3.0 Alpenglühen
2.4 Vier Minus – Kunst
„Was hast du erwartet“, sagte ich zu Klöpper, „lustige Pennälerdöntjes aus dem Feuerzangenbowle-Stadel? Lausbubenstreiche, Pupskissen auf dem Lehrerstuhl? Anschleimende Angebote fürs verständnisvolle Augenverdrehen der Altvorderen, die sich in die Vorstellung imaginieren, da liefe ihre eigene Jugend ab, was waren wir doch für Racker? Die Nachkriegspädagogik sah halt etwas anders aus. Du weißt, ich könnte dir … Weiterlesen 2.4 Vier Minus – Kunst
Pfiat di
Anfang des Jahres 2006 platzte einem Herrn aus Bayern der Kragen. Seit Monaten hatte er sich von einem fremdartigen Laut bedrängt gefühlt, der seiner Muttersprache das Herz aus dem Jankerl bzw. aus dem Dirndl zu reißen drohte. Dieser Laut klang nicht nur exotisch, sondern, wie man heute sagen würde, regelrecht migrantisch. Immer mehr Leute nahmen … Weiterlesen Pfiat di
2.3 Vier Minus – Geschichte
Wir saßen in Klöppers 'Studio', zwei leere Flaschen Weizen auf dem Tisch, Manuskriptblätter daneben, angefeuchtet. Katja steckte ihren Kopf zur Tür herein. "Er schreibt einen Roman", informierte Klöpper seine Frau. Wenn Klöpper von mir spricht oder mich meint, nennt er mich nicht beim Namen. Er sagt "er" oder "der Herr". Es soll ironisch klingen, ist … Weiterlesen 2.3 Vier Minus – Geschichte
2.2 Vier Minus – Chemie
„Apropos Nazisack“, wende ich mich wieder Klöpper zu, „den meisten unserer Lehrer klebte ja noch die Nazihaut auf den Gesichtsknochen. Vorher Widerstandskämpfer - ja was glaubst du - jetzt Vollblutdemokraten. So einer wie Omar-Sharif-Windisch war Ausnahme, praktisch Jungspund unter Altmitläufern. Ich kann sagen: Nochmal Glück gehabt mit dem Windisch.“Klöpper glotzt mich an und schweigt.„Ah, ich … Weiterlesen 2.2 Vier Minus – Chemie
Bedingungen, die Existenz betreffend
Es gibt sie noch, Leute, die es gar nicht gibt. Deren Existenz futsch ist. Nehmen wir Igor, einen meiner Weggefährten aus der Zeit, als man einen sog. Kassettenrekorder auf der Schulter trug, aus dem blecherne Musik und Bandsalat quoll. Igor kam aus Kasachstan, ein Kasache ohne Wenn und … »Russlanddeutscher« stellte er nachdrücklich klar, wobei … Weiterlesen Bedingungen, die Existenz betreffend
2.1 Vier Minus -Deutsch
Es hätte prima laufen können nach meinem Abschied aus dem Brutkasten des Kobens, der hier von mir bedeutungslärmend als DAS ZIMMER gepriesen wurde. Koben deshalb, weil DAS ZIMMER über dem Schweinestall des Bauern Lüders lag und der Gestank der Schweine heraufzog wie ... wie ... sag schon, wie die Seele eines Heiligen in das Himmelreich, … Weiterlesen 2.1 Vier Minus -Deutsch
Das Werkeln der Weibin
Basteln statt shoppen! Dieser Aufruf verhallte keineswegs in den Fluren unser heimischen Behausung. Im Gegenteil, er traf meinen Kreativnerv wie der Amorpfeil, der im dösigen Friesen die Liebe erweckt. Shoppen geht ja eh nicht mehr. »Du wirst dich freudig wundern!« rief ich der Weibin zu, die im Nebenzimmer werkelte, »diesmal wird unsere Weihnachtsecke im Glanz … Weiterlesen Das Werkeln der Weibin
Die Kalaschnikow im Schnee
»Noch immer nichts gewonnen!« Kollege Klöpper war bedient. Missgelaunt warf er den Adventskalender vom Lions-Club auf den Küchentisch. Das war vor zwei Wochen, genau am 2. Dezember. Klöpper hatte auf einen Gutschein für eine Bohrmaschine spekuliert. Stattdessen wurden Fieberthermometer angeboten. Oder Mettwürste. Vorsorglich hatte er die Nummer seines Kalenders auswendig gelernt, um im Falle eines … Weiterlesen Die Kalaschnikow im Schnee
1 Das Zimmer
Roman „Mensch, das musst du unbedingt aufschreiben“, rief Kollege Klöpper, und er schlug mir seine Pranke so begeistert auf die Schulter, dass ich zusammensackte und beinahe von der Sesselkante gerutscht wäre. Ich hatte ihm – so nebenbei eigentlich – einige Episoden meines Ereignislebens erzählt, also von dem Leben, in dem sich was ereignet hatte. Aus … Weiterlesen 1 Das Zimmer
Umweltpreis: Das VARELER FERKEL
Agenda 22+ lobt friesischen Umweltpreis aus Wer verursacht die größte Umweltsauerei? Wer hinterlässt eine Schneise aus CO2- Emissionen und Plastikmüll? Wer pfeift auf den ökologischen Notstand und die klima- und umweltschädigenden Folgen seines Handelns?Das waren die Fragen, die die Aktiven der Agenda 22+ im Jahr 2019 umtrieben, und die zu der Idee führten, den schlagkräftigsten … Weiterlesen Umweltpreis: Das VARELER FERKEL
Modick/Eilert schrifteln was
Die NWZ in der Demenzdämmerung? NWZ am Samstag: In der Kolumne '100 Meisterwerke des 20. Jahrhunderts' stellen die Literaten Modick und Eilert 100 Meisterwerke des 20. Jahrhunderts vor. Am 05.12.2020 war Robert Walser dran: "Der Spaziergang" (1917). Diese Prosa sei nicht so einfach einzuschätzen, warnt uns das Kolumnistenpaar Modick/Eilert gleich am Anfang. Warnt wovor? Vor … Weiterlesen Modick/Eilert schrifteln was
