31. Die Fortsetzung des Vorherigen

31. Die Fortsetzung des Vorherigen

Die Neubürger hatten den Gemeindesaal verlassen, um dem Wunderwirken des legendären Sprechenden Hans beizuwohnen. Zurück blieben Bürgermeister Christian Woltersleben und die Ratsfrau Juliane Semmelweis, die vor dem Treppchen zum Podium zu ihm aufschaute. Der Ehrgeiz der Ratsfrau erschöpfte sich darin, zu jedem Auftritt des Bürgermeisters herbeizueilen und ihm wohlgesinnte als aus liebestrunkene Blicke zuzuwerfen. Den … Weiterlesen 31. Die Fortsetzung des Vorherigen

30. Das Tier im Wappen

30. Das Tier im Wappen

Das Tier im Wappen Kaltenhavens geht auf eine Sage zurück, die in verschiedenen Versionen in der kleinen Küstenstadt kursieren. Im Rathaus wird eine offizielle Version gepflegt und weiterverbreitet, aber darüber streiten sich die Alteingesessenen. »Die Phantasie von Bürgermeister Christian Woltersleben hat mal wieder Purzelbäume geschlagen«, bekräftigen sie gegenseitig ihren Verdacht, ziehen einen Fingerhandschuh über die … Weiterlesen 30. Das Tier im Wappen

29. Eine ganz andere Geschichte

29. Eine ganz andere Geschichte

Eine ganz andere Geschichte ereignete sich im Nachbardorf Krödelow. Aber nicht nur dort. Eine ganz andere Geschichte ereignete sich auch in der Stadt Roßfelde, an deren Südflanke der Fluss Wapelau träge vorbeifließt, ohne Schäden anzurichten. Aber nicht nur dort. Eine ganz andere Geschichte ereignete sich weiter westlich, wo der Fluß Wapelau über einen Stein springt … Weiterlesen 29. Eine ganz andere Geschichte

Dangast – AIDA-Port

Dagegen nimmt sich Warnemünde wie ein piefiges Provinzterminal aus, wie ein müdes Winke-Winke eines Möchtegerngroßhafens. Nachdem der Jadebusen in Gänze ausgebaggert ist, um Zugang für die größten Kreuzfahrtschiffe zu schaffen, begrüßt Dangast die ersten Gäste. Zehntausende Schaulustige schieben sich von Bord der anlegenden AIDAs, strömen ins Alte Kurhaus, um den berühmten Rhabarberkuchen zu verfressen. Der … Weiterlesen Dangast – AIDA-Port

28. Das neue Märchen

28. Das neue Märchen

Eine in die Neuzeit katapultierte Version des Märchens ›Hänsel und Gretel‹ hatte der Heimatdichter Gregor Fuseler zu Papier gebracht. Nun fehlte ihm nur noch ein schlagkräftiger Titel, einer, der das Publikum quasi in den Abgrund riss, oder, wie Bürgermeister Christian Woltersleben geistreich von sich gab: »Die Schlagzeile wird eine Spalte ins Bewusstsein der Leser keilen, … Weiterlesen 28. Das neue Märchen

27. Der Sprechende Hans

27. Der Sprechende Hans

In der vorigen Gute-Nacht-Geschichte hatte ich das seltsame Gebaren einer stillgelegten Telefonzelle angesprochen, die hinter dem Rathaus vor sich hinstank, anders kann man es nicht ausdrücken. Der Münzfernsprecher war längst abgebaut. Die Kaltenhavener hatten dem mit Rost angefressenen Häuschen den Namen ›Sprechender Hans‹ verpasst, und diese Bezeichnung bezog sich auf eine Unart der Rostlaube: Sie … Weiterlesen 27. Der Sprechende Hans

26. Eduard regelt den Verkehr

26. Eduard regelt den Verkehr

Zunächst muss ich auf den Sprechenden Hans eingehen. Mit diesem Ausdruck verbindet der Uneingeweihte vielleicht die Geschichte vom klugen Hans, dem Gaul, der rechnen konnte. Dem ist nicht so. Der Sprechende Hans von Kaltenhaven stand unbeweglich und unverrückbar hinter dem Rathaus, in Wurfweite einer dunklen Nische, dort, wo die Gutgelaunten, will sagen Angeheiterten und Angeschubberten, … Weiterlesen 26. Eduard regelt den Verkehr

25. Die Grübelmonster wehren sich

25. Die Grübelmonster wehren sich

Als Else-Marie, die vom Heimatdichter Gregor Fuseler geschasste, besser gesagt, mit dem dicken Lehmann getauschte Ehefrau desselbigen, will sagen des Dichters, als Else also vom Pastor Eckerle geschwängert wurde (siehe G-N-G 23), ahnte niemand, dass mit dem Schwängerungsvorgang gleichzeitig die Entjungferung der Else-Marie einherging. Die Frage, wie das geschehen konnte, oder umgedreht, wie das nicht … Weiterlesen 25. Die Grübelmonster wehren sich

24. Der Bauchnabelpfeifer schlägt zurück

24. Der Bauchnabelpfeifer schlägt zurück

Theophrast, der Bauchnabelpfeifer von Kaltenhaven, hatte eines nachts eine Vision. Er sah sich im Triumph in die Stadt Hameln einmarschieren und den berühmten Rattenfänger gehörig eins zwischen die Rippen zwitschern. Theophrast fuhr schweißnass aus den Laken, warf die Zudecke zu Boden und presste einen Trillerton aus seinem Bauchnabel, der die Mäuse von den Wänden purzeln … Weiterlesen 24. Der Bauchnabelpfeifer schlägt zurück

23. Der mit dem Knüppel schwingt

23. Der mit dem Knüppel schwingt

Der dicke Lehmann war von masurischer Herkunft mit einem Schuss russischer Grenzübertretung. Das Schwingen eines Knüppels gehörte seit seiner Geburt zu seinem intuitiven Handling, man kann sagen, es wurde ihm in die Wiege gelegt, so wie die Zigeunermama ihrem Sprößling die Gitarre ins Bettchen steckt, damit er einmal einem Django Reinhard das Wasser abgraben kann. … Weiterlesen 23. Der mit dem Knüppel schwingt

22. Die Knöllchen der Koslowskis

22. Die Knöllchen der Koslowskis

Das Ehepaar Koslowski, Griseldis und Hergen, hatte von frühmorgens bis abends damit zu tun, Knöllchen zu verteilen. »Es geht nicht an«, sagte Griseldis, »dass Fremde in Kaltenhaven eindringen und die Parkplätze besetzen zum Schaden der Einheimischen.« »Es geht nicht an«, antwortete Hergen. Er bevorzugte bei seinen Antworten die Wiederholung des Vorhergesagten. Da kann man nichts … Weiterlesen 22. Die Knöllchen der Koslowskis

21. Die Prozession der gehörnten Studienräte

21. Die Prozession der gehörnten Studienräte

Von den Eskapaden des liebestollen Finanzbeamten Heiner Merklein hatte ich schon erzählt. Niemand in der Kleinstadt Kaltenhaven war in der Lage, die Zahl der von ihm gehörnten Ehemänner an den Fingern einer Hand abzuzählen, nicht einmal zwei Hände reichten, und die üblichen Witzbolde am Stammtisch der Gaststätte »Goldener Frosch« mahnten die Hinzunahme der Füße zum … Weiterlesen 21. Die Prozession der gehörnten Studienräte

Die -linge: falsch und richtig

Die -linge: falsch und richtig

Eine Belehrung Folgende Wörter mit der Endung ›ling‹ müssen ersetzt werden (Landtagsbeschluss) Falsch                         Richtig                            Plural Abkömmling             Abgekommen*In           Abgekommene Bösling                      Gebösende(r)                 Gebösende Aktivling                    Aktivlin*In                      Aktivende Dichterling               Gedichtend*In               Gedichtende Ehrgeizling               Ehrgeizende(r)               Ehrgeizende Eindringling             Gedrungener*In            Eindringlingende Emporkömmling     Geemporender*In         Emporkommend*Innen Erdling                      Geerdend*In                  … Weiterlesen Die -linge: falsch und richtig

20. Blutrache

20. Blutrache

Die Blutspur führte über die Stufen des Eingangstreppe in die Praxis des Zahnarztes Diego Fratelli. »Wir brauchen nur noch der Spur zu folgen«, wandte sich Kriminalkommissar Wenzel Stubbe an seinen Vorgesetzten, den Kriminalhauptkommissar Carsten Carstensen, »dann haben wir ihn.« Sie standen auf dem Parkplatz vor der Praxis und nahmen die Personalien des Zahnarztes auf. Dieser … Weiterlesen 20. Blutrache

19. Das K-Loch und der Brunner

19. Das K-Loch und der Brunner

Wenn man vom Küstendorf Kaltenhaven aus ins Landesinnere fahren möchte, Richtung Südwest, hat man keine andere Möglichkeit, als den schmalen einspurigen Birkenweg zu benutzen. Er ist nicht ohne Grund als Einbahnstraße ausgewiesen, können sich hier doch keine Fahrzeuge begegnen, ohne in den Graben zu rutschen. Nach zweieinhalb Kilometern teilt sich die Straße. Wer weiterhin ins … Weiterlesen 19. Das K-Loch und der Brunner

18. Hurra, der Wanzenmann kommt

18. Hurra, der Wanzenmann kommt

Darauf hatte das Küstendorf Kaltenhaven lange gebibbert und beinahe jede Hoffnung fahren lassen. Aber dann hatte Bürgermeister Christian Woltersleben alle Register gezogen, um Auftritt und Wandlung des berühmten Magiers an Land zu ziehen. Steuergelder wurden verschwendet, der Gewinn der Tombola für kurzundkrummbeinige Hafenveteranen wurde in eine schwarze Kasse umgeleitet und der Frontwagen des Karnevalumzuges beschlagnahmt, … Weiterlesen 18. Hurra, der Wanzenmann kommt

17. Wie einmal die Konditoreifachangestellte Theodora Rosenwinkel an der Trambahnhaltestelle Bergentheimer Nacktarsch dem Kundenbetreuer der Raiffeisenvolksbank Süd, Öztekin Demirbilek, auf den Fuß trat.

17. Wie einmal die Konditoreifachangestellte Theodora Rosenwinkel an der Trambahnhaltestelle Bergentheimer Nacktarsch dem Kundenbetreuer der Raiffeisenvolksbank Süd, Öztekin Demirbilek, auf den Fuß trat.

Es geschah am helllichten Tag. Öztekin Demirbilek, Kundenbetreuer der Raiffeisenvolksbank Süd, hatte sich wie jeden Tag an der Trambahnhaltestelle Bergentheimer Nacktarsch aufgestellt, um auf die Linie 14 zu warten. Er pflegte die Angewohnheit, sich immer exakt an die gleiche Position zu stellen, einen Schritt neben dem Infokasten des Trambahnbetriebes. Während der vielen Warteeinheiten der letzten … Weiterlesen 17. Wie einmal die Konditoreifachangestellte Theodora Rosenwinkel an der Trambahnhaltestelle Bergentheimer Nacktarsch dem Kundenbetreuer der Raiffeisenvolksbank Süd, Öztekin Demirbilek, auf den Fuß trat.

16. Seife auf dem Zwischendeck

16. Seife auf dem Zwischendeck

Den Urlaub auf dem Kreuzfahrschiff hatte sich die Familie Gerstenreuther anders vorgestellt. Herr und Frau Gerstenreuther hatten geplant, die beiden Kinder im Spieleparadies abzuladen, um hernach in ihre Kabine zu entweichen, von wo aus sie durch das Bullauge das Treiben der vorbeiziehenden Tanker, Schaluppen, Flöße, Kanus und Fregatten beobachten wollten. Juliane Gerstenreuther, am Bullauge postiert, … Weiterlesen 16. Seife auf dem Zwischendeck

15. Der Daumen des heiligen Quartus

15. Der Daumen des heiligen Quartus

Der Daumen des heiligen Quartus liegt in einer Glasvitrine. Die Vitrine, rechts neben der Rezeption des Hotels »Goldener Frosch«, wird von zwei LED-Lampen angestrahlt und ist ein echter eyecatcher. Warum man das Hotel nicht »Goldener Daumen« genannt habe, fragen allerdings viele Hotelgäste beim Einchecken. Sie umringen die Vitrine und betrachten die Reliquie von allen Seiten. … Weiterlesen 15. Der Daumen des heiligen Quartus

14. Käsewürstchen und die sieben Bademeister

14. Käsewürstchen und die sieben Bademeister

Jedes Jahr, drei Tage vor Heiligabend, findet in der Kreisstadt der Konvent der Bademeister statt mit Vorträgen, Diskussionen und Abstimmungen, und es gilt als offenes Geheimnis, dass die Bademeister wegen eines ganz anders gearteten Ereignisses herbeiströmen: wegen der Tagungspause zwischen 12 und 13 Uhr, bei der traditionell Käsewürstchen gereicht werden. Jeder der Bademeister aus den … Weiterlesen 14. Käsewürstchen und die sieben Bademeister

13. Der liebestolle Finanzbeamte

13. Der liebestolle Finanzbeamte

Heiner Merklein, Finanzbeamter, Bierdeckelsammler und erotomanischer Gesell, konnte nicht anders. Sein Liebesdrang schwappte über, schon wenn er von weitem die Stimme einer Frau vernahm. Hitzig sprang er dann von seinem Bürostuhl auf, stieß den Becher Kaffee um und raste ungestüm zur Tür, um nachzuschauen welch frauliches Wesen da auf dem Flur seiner harrte, bereit, seinem … Weiterlesen 13. Der liebestolle Finanzbeamte

Flüchtling — Geflüchteter

Das Foto zeigt meinen Flüchtlingsausweis, ausgestellt am 9. Juni 1949. Es weist mich also als Flüchtling aus. Und darauf möchte ich eingehen. Wer das Wort Flüchtling benutzt oder hört, dürfte an Frauen und Kinder denken, die geflohen sind, auch an alte Leute. Die Bilder von geflüchteten Ukrainern zeigen ebenfalls Fauen, Kinder, alte Leute, Verwundete, Kranke. … Weiterlesen Flüchtling — Geflüchteter

12. Wie der Mehlsack durch die Fahrprüfung fiel

12. Wie der Mehlsack durch die Fahrprüfung fiel

Aus dem Mehlsack rieselte es. Rechts unten, da, wo die Naht die Bohlen der Wohnstube berührte, hatte sich eine Handvoll Mehl angehäuft. »Mehlsack!«, hatte der Bauer Ferdi noch gerufen, »deine Leckage wird dir bei der Fahrprüfung zum Verhängnis werden. Denk daran, der Fahrlehrer Kuno, der auch der Traumatische genannt wird, kennt kein Pardon, wenn es … Weiterlesen 12. Wie der Mehlsack durch die Fahrprüfung fiel

11. Der Felsenvorspung, der rückwärts zählen konnte

11. Der Felsenvorspung, der rückwärts zählen konnte

Ihr Streit dauerte bereits drei Wochen. Die Stereoboxen im Wohnzimmer des Pastors Eckerle konnten das Keifen einfach nicht lassen. Kaum hatte die eine einen Ton herausgeorgelt, pfefferte die andere eine Antwort, die die Ohren der nicht anwesenden Pastorentochter Emilia hätte glühen lassen vor Scham. Selbst draußen vor dem Haus nahmen Passanten das Gemetzel der Zwillingsboxen … Weiterlesen 11. Der Felsenvorspung, der rückwärts zählen konnte

10. Ein Brataal für das Himmelreich

10. Ein Brataal für das Himmelreich

Monotone Gebete, aus allen vier Ecken der Sankt-Hades-Kapelle hervorwispernd, überdeckt von der kräftigen Damenbass-Stimme der Nonne Eugenie: Die Messe zu Ehren der Großnichte des schamlippigen Fischers Geroldson war im vollen Gang, als die Tür aufgerissen wurde und der Berittmeister der Großnichte hereinstolzierte, den Fanfarenzug der Freiwilligen Feuerwehr im Schlepptau. Furchtsames Erwarten schloss die Münder, und … Weiterlesen 10. Ein Brataal für das Himmelreich

Losland Varel – eine Farce?

Das Projekt Losland Varel (in Form einer Bürgerrats) hatte sich zur Aufgabe gestellt, die Situation der Veranstaltungsräume in Varel zu überdenken und Vorschläge zur künftigen (»enkeltauglichen«) Gestaltung zu unterbreiten. Verkürzt gesagt ging es um den Erhalt oder den Abriss des Tivoli. Wer die Diskussion darüber auch nur nebenbei verfolgt hatte, musste sich verwundert die Augen … Weiterlesen Losland Varel – eine Farce?

9. Das Schreibwarengeschäft am Ufer des Kokomambo

9. Das Schreibwarengeschäft am Ufer des Kokomambo

Im Jahr 1872 wanderte die Familie Schnepfle aus, um ihr Glück in der Ferne zu suchen. Vater Rupert, Mutter Bertha, Tochter Eliane, 8 Jahre alt, Sohn Gerhard, 6 Jahre. Sie überquerten den Ozean, reisten zu Lande weiter, stiegen auf ein Dampfboot, schipperten den Kokomambo hoch und siedelten an einer seichten Uferstelle. Vater Schnepfle hielt sich … Weiterlesen 9. Das Schreibwarengeschäft am Ufer des Kokomambo

8. Die Ratte Riebesehl mit dem Höcker

8. Die Ratte Riebesehl mit dem Höcker

Auf das Knochenwerfen war die Ratte Riebesehl zufällig gekommen. Freilich, ganz abwegig war der Gedanke nicht, denn überall in den Kanälen, wo die Ratten ihre Tanzvergnügen abhielten, klapperten abgenagte Knochen, und mürbes Gebein lag kreuz und quer auf dem Parkett. Wer darauf trat, brach sich die Beine wie seinerzeit das Tangopaar Emil und Marietta, die … Weiterlesen 8. Die Ratte Riebesehl mit dem Höcker

7. Die Laubsäge, deren Geburtstag ins Klo fiel

7. Die Laubsäge, deren Geburtstag ins Klo fiel

Die Laubsäge aus der Preppergasse Numero 17 hatte vom Briefträger Emanuel den Auftrag bekommen, einen filigranen Kerzenständer aus dem Sperrholz zu sägen. Diesen wollte der Briefträger in Geschenkseide einwickeln, einen Adresszettel draufkleben und dann mit unschuldiger Miene der Laubsäge zustellen. »Guck an«, wollte Emanuel verwundert ausrufen, »was für ein hübsches Päckchen. Das riecht mir doch … Weiterlesen 7. Die Laubsäge, deren Geburtstag ins Klo fiel

Sommerzeitliches aus der NWZ-Suppe

Über den schwarzen Kanal des Will, Alexander, sich zu erbrechen gilt mittlerweile als ermüdendes Ritual recht- (nicht rechts)schaffender Bürger. Auf der anderen Seite poppen zuverlässig die Claqueure auf, angezogen von den Spucknäpfen der Jubelrechten. Da fehlt aber noch ein Geklecker an Populismus, so zwischen Mitte und ganz rechts, und siehe, es kam der Herr Sommer, … Weiterlesen Sommerzeitliches aus der NWZ-Suppe

Pascal hat gesagt

Pascal hat gesagt

Neulich hat mich Kuscheltherapeutin Susanne am Telefon wieder endlos zugetextet. Derweil sank mein Blutzuckerspiegel auf Jahrestief, weil ich nix zwischen die Zähne bekam außer ihrem Gedankenwirrwarr. Den Kern ihrer metastasierenden Elegien habe ich nicht herausfiltern können, dafür fiel mir ein Zitat des Philosophen Blaise Pascal ein, welches ich der Sabbelqueen während einer Atempause in die … Weiterlesen Pascal hat gesagt

6. Magnus, der Einhandkletterer

6. Magnus, der Einhandkletterer

Wenn es denn nur die Einhandakrobatik des Magnus gewesen wäre. Schon da hätte das Publikum wegen seiner Kletterkünste herzbibbernd alle Augen herausgestaunt, sieh nur, wie der Magnus am Wasserturm hochkraxelt, mit der einen ihm verbliebenen Hand von Vorsprung zu Vorsprung in die Höhe klimmt, während drunten am Fuß des 70-Meter-Turms sich Ungläubigkeit breitmachen will, welche … Weiterlesen 6. Magnus, der Einhandkletterer

5. Die lustige Witwe Eleonore mit den vier Ehemännern

5. Die lustige Witwe Eleonore mit den vier Ehemännern

Statt von der lustigen Witwe Eleonore zu erzählen, die ihre vier Ehemänner in die Urnenhalle geleitet hatte, will ich den lahmen Horst und seine tropfende Trillerpfeife vorziehen, denn alles hat sein zeitliches Vor- und Hintereinander, andernfalls wirst du glatt verrückt, wenn du es dir genau überlegst. Aber so genau überlegt es sich keiner, und deshalb … Weiterlesen 5. Die lustige Witwe Eleonore mit den vier Ehemännern

Heinzi und die NWZ – Schlussstrich

Die NWZ in Gestalt ihres Ablegers Friebo (Friesländer Bote) hat die Kolumne Heinzis Zeigefinger beendet. Der Autor, das bin ich, wurde aus dem Team der redaktionellen Mitarbeiter gefeuert. Der Dezemberbeitrag »Vorratshaltung« war somit meine Abschlussvorstellung als Friebo-Kolumnist. Die Gründe sind nachvollziehbar: Als (teilweise polemischer) Kritiker der NWZ macht man mich inzwischen als Nestbeschmutzer aus. Allerdings: … Weiterlesen Heinzi und die NWZ – Schlussstrich

Vorratshaltung

Vorratshaltung

Der Gedanke an Putin und seine kriegslüsternen Ziele lässt uns German-Angst-Deutsche zittern. Den Totalblackout vor Augen schrecken wir vor den befürchteten Verwüstungen: Fernsehausfall den ganzen Tag, leere Akkus in den Smartphones und – Worst Case bei Kuscheltherapeutin Susanne – die Grabesstille im Telefonhörer, da hilft auch kein Schütteln, Klopfen und Auf-den Boden-schmeißen des Hörers. Der … Weiterlesen Vorratshaltung

Energie sparen

Energie sparen

»Wir sind ins Gästezimmer gezogen«, sagte Juliane, eine Cousine weiß ich wievielten Grades. Sie offenbarte dies nicht, um ihr Engagement bei der Wohnbeschaffung für ukrainische Flüchtlinge zu betonen. Nein, sie wollte uns beschämen, als Vorbild und Mahnung, weil, wer sonst zieht wegen der Heizkosten und des Energiesparens aus dem gemütlichen Wohnzimmer in die winzige Gästekammer … Weiterlesen Energie sparen

3. Wie das Holzbein kein Glück in der Liebe hatte

3. Wie das Holzbein kein Glück in der Liebe hatte

Tatsächlich war es nicht Eugen, die Kakerlake, sondern ihr Holzbein, das sich in den Hosenknopf verliebt hatte. Eine tragische, eine unglückliche Liebe, das muss man sagen, denn der Hosenknopf war schon vergeben, genaugenommen verheiratet, und zwar mit keiner anderen als mit der berühmten Nadel im Heuhaufen, und da schlägst du die Hände über den Kopf … Weiterlesen 3. Wie das Holzbein kein Glück in der Liebe hatte

Lobeshymne auf Friesland 3 (Gummistiefel)

Lobeshymne auf Friesland 3 (Gummistiefel)

Meine Absicht, ab und an eine kurze Darstellung der Vorzüge Frieslands und ihrer Köstlichkeiten zu präsentieren, entspringt einer vater-, mutter- sowie transgenderländischen Verpflichtung. Betrachten wir heute den gemeinen Gummistiefel. Die Engländer adeln ihn als ›Wellington‹ – ach, die mit ihrem Humor! Der Gummistiefel gilt als Ikone. Steht er doch für Überlebenskampf, Fußkäs, Duftverpuffungen und Nutzung, … Weiterlesen Lobeshymne auf Friesland 3 (Gummistiefel)

2. Die Kakerlake mit dem Holzbein

2. Die Kakerlake mit dem Holzbein

Sie hatte eine seltenen Namen, die Kakerlake mit dem Holzbein. Man rief sie »Eugen!« Nicht wie der russische Statthalter Onegin, der wiederum nicht zu verwechseln ist mit Eugen Onegin, dem von dem Puschkin, na, das wäre ja noch schöner. Nein, unser Onegin war ja noch gar nicht geboren. »Eugen, Eugen!«, riefen die Kinderlein auf dem … Weiterlesen 2. Die Kakerlake mit dem Holzbein

1. Der Esel Fritz mit dem ungeraden Auge

1. Der Esel Fritz mit dem ungeraden Auge

Es war einmal ein Esel, der Fritz, der ging zum Augenarzt, denn sein eines Auge saß nicht ganz gerade in seinem Schädel, so dass Fritz alles auf halbmast sah, und außerdem klöterte es blechern beim Nach-hinten-Gucken, da, wo Fritz die Ursache seines Sehfehlers vermutete. Doch ein Sehfehler spaziert nicht einfach von hinten um die Ecke … Weiterlesen 1. Der Esel Fritz mit dem ungeraden Auge

Gottähnliche Humanexemplare

Gottähnliche Humanexemplare

Jeder kennt sie. Wenn nicht persönlich, dann aus dem Fernsehen, den asozialen Medien oder aus der Zeitung. Ich spreche von einer menschlichen Spezies, deren primäres Merkmal durch Gottähnlichkeit hervorsticht, und jetzt meine ich nicht unsere Ärzte, deren beruflicher Makel ›Götter in Weiß‹ seit längerem in der Rumpelkammer hängt und wegmottet (wiewohl es noch vereinzelt zu … Weiterlesen Gottähnliche Humanexemplare

Dicke Knöpfe braucht es

Dicke Knöpfe braucht es

Ein Maschinenstürmer bin ich nicht. Aber mal muss auch gut sein. Mit dem Technikfirlefanz. »Knöpfe«, sage ich zu Kollege Klöpper, »massive handliche Drehknöpfe braucht es wieder. Aus Schwermetall. Die halten ewig, sehen gefällig aus und vermeiden Wutausbrüche.« Klöpper nickt bedächtig. Zuvor hatte ich das Radio zerstört. Erst ging es nicht an, trotz Tippen auf das … Weiterlesen Dicke Knöpfe braucht es

Äppel klauen

Äppel klauen

›Äppel klauen!‹ Diese Erinnerung liegt seit Tagen auf meinem Schreibtisch. Es klingt wie eine Aufforderung zu einer Straftat, ist aber nichts weniger als der Hilferuf eines gequälten Hungerleiders mit Namen Heinzi. Der trödelt jeden Morgen mit Rauhaar Klopstock durchs Revier, schön Gassi gehen, und jeden Morgen komme ich (da bin ich wieder) an einem Grundstück … Weiterlesen Äppel klauen

Personalisierte Werbung

Personalisierte Werbung

Langsam kommt es mir verdächtig vor. Überall und in jedem Forum wird über die ›personalisierte Werbung‹ gewarnt, geschimpft und der Stab gebrochen, Stab, was sage ich Stab, solider Pfosten wäre treffender. Erst, so heißt es, sammeln sammelwütige Sammler weltweit unsere Daten, mit denen sie dann unseren Willen manipulieren, indem sie uns mit personalisierten Werbebotschaften zuschei- … Weiterlesen Personalisierte Werbung

Ein Leserbrief – Altpapier für die Tonne?

Am 12. Oktober brachte das Online-Portal der NWZ einen Leserbrief von Michael Soltau. Darin beschrieb er noch einmal die unbefriedigende Verkehrssituation des Neumarktplatzes in Varel und bezog sich ausdrücklich auf einen Artikel der NWZ. Dieser Artikel muss irgendwann in den vergangenen Wochen veröffentlicht worden sein, jedenfalls nicht in zeitlicher Nähe zum Leserbrief. Es ist deshalb … Weiterlesen Ein Leserbrief – Altpapier für die Tonne?

900 Jahre Oma Varel

900 Jahre Oma Varel

Manchem Vareler Bürger dürften vor Schreck die Schuppen vom Kopf fallen bei der Vorstellung, dass sich unsere Politik schon heuer mit Planungen beschäftigt, die weit in die kommende Legislaturperiode hineinreichen. Es geht nicht um Themen mit Ewigkeitsanspruch wie Dangast, Verkehr, Tivoli oder ähnlichen Flöhen, die seit Jahren, einige schon seit Jahrzehnten herumhüpfen, Bürger als auch … Weiterlesen 900 Jahre Oma Varel

Kaffee aus der Nase

Kaffee aus der Nase

Gestern Nachmittag ist mir der Kaffee aus der Nase herausgekommen. »Jetzt ist es soweit«, hatte die Weibin in unserem Haus gerufen, »ich alarmier schon mal die Leute.« Wen sie mit Leute meinte, kann ich nur vermuten, ich tippe auf Angehörige heilender Berufe, auch Kesselflicker kämen in die engere Wahl, wenn man die Abdichtung meiner Nasenleckage … Weiterlesen Kaffee aus der Nase

Kosakenblut

Kosakenblut

Diese Kosaken! Ein Teufelsvolk, das die Freiheit über alles liebt. Das entnehme ich dem Doku-Film »Väterchen Don: Der Fluss der Kosaken« des jüngst verstorbenen Redakteurs Fritz Pleitgen. Zitat einer Kosakin: »Ein Kosake wird sich niemals unter den Stiefel zwingen lassen.« Na, der benötigt natürlich eine standfeste Partnerin: »Eine Kosakin hat von starker Statur zu sein. … Weiterlesen Kosakenblut

Klimastreik Zetel – Fake News aus der NWZ

Das Foto (Symbolbild), das die NWZ-Redakteurin Josepha Zastrow ihrem Artikel beigefügt hat, zeigt eine Gruppe Demonstranten, die einen Karton hochhalten mit der Aufschrift ›change by design not by desaster‹. Dazu gleich mehr. Anlässlich des globalen Klimastreiks am 23. 09. 2022 hatte die Klimagruppe Friesische Wehde eine Demonstration organisiert. Die Einzelheiten, den Ablauf und die Ziele … Weiterlesen Klimastreik Zetel – Fake News aus der NWZ

Im Würgegriff der NWZ

Beispiel Friesländer Bote, Anzeigenzeitung für den Raum Varel, der Friesischen Wehde und angrenzender Orte im Ammerland und der Wesermarsch. Ursprünglich ein politisch und wirtschaftlich unabhängiges Presseorgan, das von der NWZ (Selbstbeschreibung: Nordwest Mediengruppe) abgeschossen und ausgenommen wurde. Natürlich haben die Damen und Herren aus Oldenburg nicht Kanonen mit pressefressenden Kartuschen geladen und abgefeuert. Sie sind … Weiterlesen Im Würgegriff der NWZ

Der Wutwinter kommt

Der Wutwinter kommt

Ein Wutwinter steht uns bevor, das scheint sicher. Über den Wutwinter können sich die Feuilletonisten geradezu wutbesessen erregen, so mein Eindruck. »Wutwinter, Wutwinter«, schallt es uns aus Zeilen und Zwischenzeilen entgegen, und wehe uns Angewüteten, denn wenn der Wutwinter anrollt, hat’s Spaltung der Gesellschaft und Aufruhr und Gewalt und Montagswüterei, Wutplakate, Wutfackeln, Wutgeifer, Wutwüten, das … Weiterlesen Der Wutwinter kommt

Indianer lernen lesen

Indianer lernen lesen

Als Beifang der Winnetou-Diskussion und der Erregung öffentlicher Sprachblockwarte habe ich von einem abgedrehten Kinderlied erfahren, das ich noch nicht kannte und meine kalten Knochen wärmend umspülte. Zur Melodie von John Brown’s Body heißt es: »Alle Kinder lernen lesen, Indianer und Chinesen«. Der Zusammenhang zwischen Kinder, Indianer, Chinesen und Lesenlernen scheint mit der Zange gekniffen … Weiterlesen Indianer lernen lesen

Die Grabsteinfrage

Die Grabsteinfrage

Die Hitze war schuld, da bin ich mir ganz sicher. Sie lässt das Hirn schmelzen, und unten tröpfelt eine kranke Idee raus. Die Idee präsentierte sich mir als Frage, und sobald du die Frage kennst, weißt du, warum ich Onkel Paul das Vergnügen meines Besuchs nicht vorenthalten konnte. Tante Margret schon gar nicht. Na, ich … Weiterlesen Die Grabsteinfrage

Varel – pimp the city

Dangast - AIDA-Port Dagegen nimmt sich Warnemünde wie ein piefiges Provinzterminal aus, wie ein müdes Winke-Winke eines Möchtegerngroßhafens. Nachdem der Jadebusen in Gänze ausgebaggert ist, um Zugang für die größten Kreuzfahrtschiffe zu schaffen, begrüßt Dangast die ersten Gäste. Zehntausende Schaulustige schieben sich von Bord der anlegenden AIDAs, strömen ins Alte Kurhaus, um den berühmten Rhabarberkuchen … Weiterlesen Varel – pimp the city

Mühle – Varel

Tradition und Moderne zusammenführen: hier ist es gelungen. Der Aspekt des Wirtschaftlichen verbunden mit wehmütigen Erinnerungen aus alten Tagen, als das Korn mit händischer Akkuratesse gemahlen wurde, entfaltet sich in der Neukonstruktion der Vareler Mühle über das Geschichtliche hinaus. Dem Gedanken der nonfossilen Nutzung als Beitrag zur Klimadiskussion wurde ebenso Rechnung getragen wie die Konservierung … Weiterlesen Mühle – Varel

Rathaus – Varel

Mit dem Vareler Rathaus war bisher kein Staat zu machen geschweige denn ein Einkommen zu generieren, das den Geldbeutel des Kämmerers füllen könnte. Mit der sensationellen Neuinterpretation des Gebäudes als Monolith in wassersteinfarbener Glastextur und funkelnd wie ein leuchtender Juwel, welcher die Bürgermeister-Heidenreich-Straße aus ihrer stiefmütterlich behandelten Öde erweckt, dürfte Varel seinen Schatten weit über … Weiterlesen Rathaus – Varel

Neumarkt – Varel

Alle Diskussionen über den Neumarktplatz in Varel verblassen, seit der detaillierte Plan (auch feuchter Traum) einer kommerziell erfolgversprechenden Studie viral geht: der Neumarktplatz als Destination sündiger Meilengänger als auch Bettgelege einer dem Rotlichtmilieu nicht abgeneigten Stadtbewohner. Wer wollte der Versuchung da Nein sagen. Diese Aufhübschung des Stadtviertels hat Varel gerade noch gefehlt. Varel Neumarktplatz: am … Weiterlesen Neumarkt – Varel

Gelinggarantie

Gelinggarantie

Langsam beschleicht mich der Verdacht, dass mein Leseverhalten sich auf eine Literatur reduziert, die das Wohlgefallen meines alten Deutschlehrers nicht entfacht hätte. Denn andauernd stolpere ich über dieses eine Wort. Für sich genommen mag ja ›Gelinggarantie‹ den Allgemeinwortschatz bereichern, leider finde ich es ständig in speziellen Texten: in Kochrezepten. Zwei Fragen, zwei Antworten. 1. Nein, … Weiterlesen Gelinggarantie

Lobeshymne auf Friesland (Denkmäler)

Lobeshymne auf Friesland (Denkmäler)

In meiner kleinen Serie über die Vorzüge des Landlebens gegenüber dem Moloch Großstadt greife ich heute das Thema Denkmäler auf, Denkmäler weitläufig gedacht, also mit Einschluss von Skulpturen und Artefakten künstlerischer Herkunft. Wie immer muss hier Berlin als Prototyp deutscher Daseinsverklumpung herhalten und seine Einwohner als Referenz für den urbanen worst case. Hunderte, zighunderte, ja … Weiterlesen Lobeshymne auf Friesland (Denkmäler)

Hitze

Hitze

Bevor wir uns dem Habeckschen Diktum unterwerfen und in Erwartung röchelnder Gashähne und hustender Heizungsrohre die Dusche abklemmen, Wollpullover hervorkramen und uns mit Eisklumpen an den Füßen vor den Radiator hocken, ein Gerät, das als Verheißung auf dem Altar von Wohlsein und deutscher Gemütlichkeit thronte, nun aber als der Hoffnung letztes Aufgebot angebetet wird – … Weiterlesen Hitze

Catch-22

Catch-22

Der Fall hatte mich sofort an eine Catch-22-Situation erinnert. Unsere Presse hatte über eine Versammlung in der Friesischen Wehde berichtet, bei der die ›Wellen hochgegangen‹ waren bzw. die ›Volksseele kochte‹, um nur zwei gängige Sprachbilder der Empörung einzuflechten. Jetzt mal langsam und zurück zu Catch-22. Im gleichnamigen Roman (sowie Film) versucht der Bomberpilot John Yossarian, … Weiterlesen Catch-22

Tabea ist ein Junge

Tabea ist ein Junge

»Tabea ist ein Junge!«, schepperte es aus dem Hörer, kaum, dass ich ihn abgenommen hatte, »jedenfalls ist sie davon überzeugt, und ich kann doch als Mutter nicht die Gesetze der Natur verleugnen.« Das Scheppern nistete in meinem Ohr wie ein Kuckucksei im Meisennest, blähte sich, explodierte und gebar ein sirrendes Fiepsen, da hatte ich den … Weiterlesen Tabea ist ein Junge

Downsizing

Downsizing

Mit Bangen im Herzen erwarten wir den kommenden Winter, nicht wegen des Laubs in den Dachrinnen und den Risiken der Hausbesitzer, wenn sie, auf wackeliger Trittleiter balancierend, den Arm ausstrecken, um über Kopf mit tastenden Fingern die Saat der Winde zu haschen, i wo, es ist der Habeck Robert, unser gefürchteter Meisterschwurbler der Titanklasse, der … Weiterlesen Downsizing

Mansplaining

Mansplaining

Ein etwas irrer Fall von mansplaining ist mir untergekommen. Mansplaining? Dabei denkt man zuvörderst an einen Mann, der einer Frau, die er offenbar (qua Frausein) für geistig minder möbliert hält, Vorträge ins Ohr salbadert über Themen, für die er Groß- bzw. Alleinkompetenz in Anspruch nimmt, kurz gesagt: Der Mann schwadroniert, die Frau macht dicht. Ach, … Weiterlesen Mansplaining

Das identitätsverletzende Jägerschnitzel

Das identitätsverletzende Jägerschnitzel

Ganz heikles Thema. Am besten gleich in den Schuhkarton werfen, Etikett drauf: Toxisch! Um Political Correctness geht es mal wieder, um Sprachzensur und um mehr. Mit den N-Wörtern sind wir ja inzwischen vertraut. Auch mit dem Z-Wort, da flutscht uns das ›Sinti und Roma‹ geschmeidig über die Zunge. Dennoch, angesichts der vielen neu auftauchenden No-Go-Begriffe … Weiterlesen Das identitätsverletzende Jägerschnitzel

Die Schwarze Null

Die Schwarze Null

Ich hatte Kollege Klöpper beiseite geschoben und war geradewegs in sein Arbeitszimmer marschiert, wo seine Frau Katja sich im bläulichen Schein des Computermonitors sonnte, um es mal mit dem euphorischen Impetus eines Mallorca-Frequentierers auszudrücken. Statt einer Sonnenbrille trug sie einen selbstgefälligen Hau im Gesicht, und wo man normal den Daiquiri ablegt, im Sand neben dem … Weiterlesen Die Schwarze Null

Ein Maß Eiter

Ein Maß Eiter

»Herr Ober, ich möchte pinkeln. Kann ich das auch mit der Visa-Karte?« Du wunderst dich, gelinde gesagt, über dieses Anliegen? Dann hör dir erst die Antwort des Kellners an: »Aber gerne, soll ich den Liter für zuhause einpacken?« Der Schlüssel zu diesem rätselhaften Dialog liegt in der chinesischen Schrift, da magst du noch so mit … Weiterlesen Ein Maß Eiter

Möbelmusik

Möbelmusik

Was soll man von einem Herrn halten, der in seinem Leben nur weiße Lebensmittel zu sich genommen hat: Käse, Eier, Zucker, Salz, Hühnerfleisch, weißer Fisch, Nudeln, Kokosmilch und dergleichen? Der in den ›Memoiren eines Mannes, der sein Gedächtnis verloren hat‹ berichtet: »Ich schlafe nur mit einem Auge. Jede volle Stunde nimmt mir mein Diener die … Weiterlesen Möbelmusik

Das letzte Hemd

Das letzte Hemd

Um Tante Margret und Onkel Paul in Wohlwollen einzustimmen, hatte ich unterwegs ein Sechserpack Joghurtsahnetörtchen erstanden. Damit wollte ich das schwarze Bild, dass meine Verwandten von mir zeichneten, mit der Süße von Sahne, Zucker und Zungenschmelz ins Positive wenden. »Wir vererben nichts«, begrüßte mich Tante Margret, »nur für den Fall, dass du dir falsche Hoffnungen … Weiterlesen Das letzte Hemd

Das Geruchshirn

Das Geruchshirn

»Der Mensch ist ein Nasentier«, sage ich zu Kollege Klöpper, »das ist Fakt.« Klöpper ploppt die Weizenflasche auf: »Und die Kuh ist ein Wanderschuh.« Der geborene Komiker. Er leckt den Schaum vom Flaschenrand. »Spotte nur«, erwidere ich, »aber die Geruchswissenschaft hat es einwandfrei nachgewiesen, das mit dem Nasentier.« Eine tiefe Furche zerlegt Klöppers Gesichtsoberteil, bei … Weiterlesen Das Geruchshirn

Die Methusalem-Falle

Die Methusalem-Falle

Wir hatten eine gute Zeit, Tante Margret, Onkel Paul und ich. Und Rauhaar Klopstock da unter dem Tisch. Kaffee wurde ausgeschenkt, Margrets selbst gebackener Käsekuchen verköstigt und Erinnerungen an die gute alte Zeit schwelgerisch ausgebreitet, damals, als die beiden noch nicht in Rente waren. Weißt-du-noch-Sätze wurden einander zugespielt, jeder einzelne ein Startschuss für eine pittoreske … Weiterlesen Die Methusalem-Falle

Der falsch erzogene Hund

Der falsch erzogene Hund

Wir haben Rauhaar Klopstock falsch erzogen. Sonntagabend, Tatort hat grad angefangen, steht der Hund vor der Stubentür (sagt man noch Stube zu dem Bereich, wo Sofa, Stehlampe, Fernseher und Couchtisch stilvoll arrangiert sind als Nachweis eines formidablen Geschmacks?), also Klopstock steht, vom Sofa aus gesehen, auf der gegenüberliegenden Seite der Stubentür, nämlich flurseitig (oh mein … Weiterlesen Der falsch erzogene Hund

Die Vorzüge Frieslands 2

Die Vorzüge Frieslands 2

Nicht vergessen habe ich meine Absicht, in unregelmäßigen Abständen auf die Vorzüge Frieslands hinzuweisen, insbesondere im Vergleich mit einer Referenz-Großstadt (Berlin?). Großstadt bedeutet für mich eine niederdrückende Glocke aus Gerüchen, die der Friese mit Tätigkeiten verbindet, deren Visualisierung per ausgedrucktem »Oh Mann, das ist der Fliegen Tod« oder, schlimmer noch, als Emoji, ihn veranlasst, seine … Weiterlesen Die Vorzüge Frieslands 2

Erinnerung an Pillepalle

Erinnerung an Pillepalle

Ich unterbrach Kollege Klöpper beim Weißbierschlürfen, um ihn auf einen Vorfall aus unserer Schulzeit hinzuweisen, an den ich mich plötzlich erinnerte, ausgelöst durch ein blitzhaftes Aufleuchten des Bewusstseins, ein Umstand, der mir öfter passiert und der mich ärgert, denn wenn ich mal ein wesentliches Ereignis oder ein Datum ins Gedächtnis hervorrufen muss, sagen wir unseren … Weiterlesen Erinnerung an Pillepalle

Ent oder Weder

Ent oder Weder

John le Carré soll über Bonn genörgelt haben: »Entweder es regnet, oder die Bahnschranken sind runter.« Mit so einem Entweder-Oder-Algorithmus lässt sich die Beschreibung vieler Orte verknappen. Ich kannte sogar eine verwirrte Seele, die diese Verknappung zusätzlich verknappt hatte, quasi Doppelknapp, aber davon später. Bei ›Bahnschranke runter‹ fällt den Varelern sofort eine feuchte Kolorierung ihres … Weiterlesen Ent oder Weder

Schlechte-Laune-Blitzableiter

Schlechte-Laune-Blitzableiter

Ich hatte schlechte Laune und brauchte jemanden zum Ärgern, zum auf den Nerv gehen. Als Blitzableiter, hinterher eitel Freude, Eierkuchen. Just in diesem Augenblick trat die freche Nachbarstochter Marie-Curie aus dem Haus gegenüber, mit Terrierdame Sissi im Schlepptau, Gassi gehen gegen Honorar. Als Blitzableiter nur zweite Wahl, aber egal, man wird bescheiden. »He Marie«, rief … Weiterlesen Schlechte-Laune-Blitzableiter

Wo die Träume blühen

Wo die Träume blühen

Als ich letztens den Versuch unternahm, mit Empathie und tiefer Zuneigung den Querdenkern und Coronaleugnern Beistand zu leisten, fiel mir im Nachhinein auf, in welch einer wunderlichen Welt sie doch leben müssen, eine Welt, durch die wir als Kinder träumerisch gewandelt sind: die Welt der Märchen und Mythen, Alice im Wunderland, später die Harry-Potter-Fantasien und … Weiterlesen Wo die Träume blühen

Die heilige Krippenfamilie

Die heilige Krippenfamilie

Große Diskussion: Ist die Heilige Familie noch zeitgemäß? Kann man heuer noch eine Krippe mit Vater, Mutter und Kind aufstellen, wo Patchworkfamilien sich als Pflicht und Standard durchgesetzt haben? Wo auch verheiratete Lesben- und Schwulenpaare Kinder großziehen? Hier bedarf es dringend eines Upgrades der Heiligen Familie, einer Neuordnung der biblischen Konstellation, die in unserem Jahrhundert … Weiterlesen Die heilige Krippenfamilie

Das weihnachtliche Murmeltier

Das weihnachtliche Murmeltier

Manchmal bringt es ein Filmtitel zum geflügelten Wort, wobei der Begriff ›geflügeltes Wort‹ bei genauerer Betrachtung seinerseits ziemlich geflügelt daherkommt. Manchmal verblassen die Flügelwörter auch. Wer zitiert heute noch ›Hunde, wollt ihr ewig leben‹? Marie-Curie, unsere Nachbarstochter, dürfte darüber nur verständnislos ihre Piercings abzählen als Ablenkung von den unterirdischen Sprüchen des weißen alten Mannes (das … Weiterlesen Das weihnachtliche Murmeltier

10 nach 12

10 nach 12

Nicht erst seit der Corona-Pandemie, aber von da an vermehrt werden wir mit minutengenauen Zeitangaben traktiert, deren jede apokalyptischer klingt als die vorherige, als Damokles-Schwert über unseren Häuptern zittert und den baldigen Untergang ankündigt. »Es ist 10 vor 12«, schallt es aus den Lautsprechern der Endzeitbeschwörer, aber schon drängeln sich die Hintermänner nach vorn mit … Weiterlesen 10 nach 12

Mit Liebe gegen Lügen

Mit Liebe gegen Lügen

Allenthalben wird eine Verrohung der Sitten und Umgangsformen beklagt und die Spaltung der Gesellschaft vorhergesagt. Zugleich erblüht eine Religion zu voller Pracht, die an Inbrunst und Selbstgerechtigkeit keine Vergleiche kennt und selbst die Hardliner des Islamischen Staates neidisch auf ihren Pickups verstummen lässt: die Religion der Impfgegner. Ich glaube ja, in den Betbrüdern und -schwestern … Weiterlesen Mit Liebe gegen Lügen

Bla bla bla

Bla bla bla

»Bla bla bla.« Mit diesem Schlachtruf treffen die Greten und Thunberge dieser Welt den Kern dessen, was unsere politisch ›Verantwortlichen‹ an Sprechblasen, schwammigen Umschreibungen und dem Girlandenwerk des Wischiwaschi täglich als Sondermüll in die Mikrophone salbadern, wobei selbst dem gutwilligsten Zuhörer speiübel wird, so er nicht vorher vor Wut geplatzt ist. Insofern halte ich das … Weiterlesen Bla bla bla