Die Neubürger hatten den Gemeindesaal verlassen, um dem Wunderwirken des legendären Sprechenden Hans beizuwohnen. Zurück blieben Bürgermeister Christian Woltersleben und die Ratsfrau Juliane Semmelweis, die vor dem Treppchen zum Podium zu ihm aufschaute. Der Ehrgeiz der Ratsfrau erschöpfte sich darin, zu jedem Auftritt des Bürgermeisters herbeizueilen und ihm wohlgesinnte als aus liebestrunkene Blicke zuzuwerfen. Den … Weiterlesen 31. Die Fortsetzung des Vorherigen
30. Das Tier im Wappen
Das Tier im Wappen Kaltenhavens geht auf eine Sage zurück, die in verschiedenen Versionen in der kleinen Küstenstadt kursieren. Im Rathaus wird eine offizielle Version gepflegt und weiterverbreitet, aber darüber streiten sich die Alteingesessenen. »Die Phantasie von Bürgermeister Christian Woltersleben hat mal wieder Purzelbäume geschlagen«, bekräftigen sie gegenseitig ihren Verdacht, ziehen einen Fingerhandschuh über die … Weiterlesen 30. Das Tier im Wappen
29. Eine ganz andere Geschichte
Eine ganz andere Geschichte ereignete sich im Nachbardorf Krödelow. Aber nicht nur dort. Eine ganz andere Geschichte ereignete sich auch in der Stadt Roßfelde, an deren Südflanke der Fluss Wapelau träge vorbeifließt, ohne Schäden anzurichten. Aber nicht nur dort. Eine ganz andere Geschichte ereignete sich weiter westlich, wo der Fluß Wapelau über einen Stein springt … Weiterlesen 29. Eine ganz andere Geschichte
Dangast – AIDA-Port
Dagegen nimmt sich Warnemünde wie ein piefiges Provinzterminal aus, wie ein müdes Winke-Winke eines Möchtegerngroßhafens. Nachdem der Jadebusen in Gänze ausgebaggert ist, um Zugang für die größten Kreuzfahrtschiffe zu schaffen, begrüßt Dangast die ersten Gäste. Zehntausende Schaulustige schieben sich von Bord der anlegenden AIDAs, strömen ins Alte Kurhaus, um den berühmten Rhabarberkuchen zu verfressen. Der … Weiterlesen Dangast – AIDA-Port
28. Das neue Märchen
Eine in die Neuzeit katapultierte Version des Märchens ›Hänsel und Gretel‹ hatte der Heimatdichter Gregor Fuseler zu Papier gebracht. Nun fehlte ihm nur noch ein schlagkräftiger Titel, einer, der das Publikum quasi in den Abgrund riss, oder, wie Bürgermeister Christian Woltersleben geistreich von sich gab: »Die Schlagzeile wird eine Spalte ins Bewusstsein der Leser keilen, … Weiterlesen 28. Das neue Märchen
27. Der Sprechende Hans
In der vorigen Gute-Nacht-Geschichte hatte ich das seltsame Gebaren einer stillgelegten Telefonzelle angesprochen, die hinter dem Rathaus vor sich hinstank, anders kann man es nicht ausdrücken. Der Münzfernsprecher war längst abgebaut. Die Kaltenhavener hatten dem mit Rost angefressenen Häuschen den Namen ›Sprechender Hans‹ verpasst, und diese Bezeichnung bezog sich auf eine Unart der Rostlaube: Sie … Weiterlesen 27. Der Sprechende Hans
26. Eduard regelt den Verkehr
Zunächst muss ich auf den Sprechenden Hans eingehen. Mit diesem Ausdruck verbindet der Uneingeweihte vielleicht die Geschichte vom klugen Hans, dem Gaul, der rechnen konnte. Dem ist nicht so. Der Sprechende Hans von Kaltenhaven stand unbeweglich und unverrückbar hinter dem Rathaus, in Wurfweite einer dunklen Nische, dort, wo die Gutgelaunten, will sagen Angeheiterten und Angeschubberten, … Weiterlesen 26. Eduard regelt den Verkehr
25. Die Grübelmonster wehren sich
Als Else-Marie, die vom Heimatdichter Gregor Fuseler geschasste, besser gesagt, mit dem dicken Lehmann getauschte Ehefrau desselbigen, will sagen des Dichters, als Else also vom Pastor Eckerle geschwängert wurde (siehe G-N-G 23), ahnte niemand, dass mit dem Schwängerungsvorgang gleichzeitig die Entjungferung der Else-Marie einherging. Die Frage, wie das geschehen konnte, oder umgedreht, wie das nicht … Weiterlesen 25. Die Grübelmonster wehren sich
24. Der Bauchnabelpfeifer schlägt zurück
Theophrast, der Bauchnabelpfeifer von Kaltenhaven, hatte eines nachts eine Vision. Er sah sich im Triumph in die Stadt Hameln einmarschieren und den berühmten Rattenfänger gehörig eins zwischen die Rippen zwitschern. Theophrast fuhr schweißnass aus den Laken, warf die Zudecke zu Boden und presste einen Trillerton aus seinem Bauchnabel, der die Mäuse von den Wänden purzeln … Weiterlesen 24. Der Bauchnabelpfeifer schlägt zurück
23. Der mit dem Knüppel schwingt
Der dicke Lehmann war von masurischer Herkunft mit einem Schuss russischer Grenzübertretung. Das Schwingen eines Knüppels gehörte seit seiner Geburt zu seinem intuitiven Handling, man kann sagen, es wurde ihm in die Wiege gelegt, so wie die Zigeunermama ihrem Sprößling die Gitarre ins Bettchen steckt, damit er einmal einem Django Reinhard das Wasser abgraben kann. … Weiterlesen 23. Der mit dem Knüppel schwingt
22. Die Knöllchen der Koslowskis
Das Ehepaar Koslowski, Griseldis und Hergen, hatte von frühmorgens bis abends damit zu tun, Knöllchen zu verteilen. »Es geht nicht an«, sagte Griseldis, »dass Fremde in Kaltenhaven eindringen und die Parkplätze besetzen zum Schaden der Einheimischen.« »Es geht nicht an«, antwortete Hergen. Er bevorzugte bei seinen Antworten die Wiederholung des Vorhergesagten. Da kann man nichts … Weiterlesen 22. Die Knöllchen der Koslowskis
21. Die Prozession der gehörnten Studienräte
Von den Eskapaden des liebestollen Finanzbeamten Heiner Merklein hatte ich schon erzählt. Niemand in der Kleinstadt Kaltenhaven war in der Lage, die Zahl der von ihm gehörnten Ehemänner an den Fingern einer Hand abzuzählen, nicht einmal zwei Hände reichten, und die üblichen Witzbolde am Stammtisch der Gaststätte »Goldener Frosch« mahnten die Hinzunahme der Füße zum … Weiterlesen 21. Die Prozession der gehörnten Studienräte
Die -linge: falsch und richtig
Eine Belehrung Folgende Wörter mit der Endung ›ling‹ müssen ersetzt werden (Landtagsbeschluss) Falsch Richtig Plural Abkömmling Abgekommen*In Abgekommene Bösling Gebösende(r) Gebösende Aktivling Aktivlin*In Aktivende Dichterling Gedichtend*In Gedichtende Ehrgeizling Ehrgeizende(r) Ehrgeizende Eindringling Gedrungener*In Eindringlingende Emporkömmling Geemporender*In Emporkommend*Innen Erdling Geerdend*In … Weiterlesen Die -linge: falsch und richtig
20. Blutrache
Die Blutspur führte über die Stufen des Eingangstreppe in die Praxis des Zahnarztes Diego Fratelli. »Wir brauchen nur noch der Spur zu folgen«, wandte sich Kriminalkommissar Wenzel Stubbe an seinen Vorgesetzten, den Kriminalhauptkommissar Carsten Carstensen, »dann haben wir ihn.« Sie standen auf dem Parkplatz vor der Praxis und nahmen die Personalien des Zahnarztes auf. Dieser … Weiterlesen 20. Blutrache
19. Das K-Loch und der Brunner
Wenn man vom Küstendorf Kaltenhaven aus ins Landesinnere fahren möchte, Richtung Südwest, hat man keine andere Möglichkeit, als den schmalen einspurigen Birkenweg zu benutzen. Er ist nicht ohne Grund als Einbahnstraße ausgewiesen, können sich hier doch keine Fahrzeuge begegnen, ohne in den Graben zu rutschen. Nach zweieinhalb Kilometern teilt sich die Straße. Wer weiterhin ins … Weiterlesen 19. Das K-Loch und der Brunner
18. Hurra, der Wanzenmann kommt
Darauf hatte das Küstendorf Kaltenhaven lange gebibbert und beinahe jede Hoffnung fahren lassen. Aber dann hatte Bürgermeister Christian Woltersleben alle Register gezogen, um Auftritt und Wandlung des berühmten Magiers an Land zu ziehen. Steuergelder wurden verschwendet, der Gewinn der Tombola für kurzundkrummbeinige Hafenveteranen wurde in eine schwarze Kasse umgeleitet und der Frontwagen des Karnevalumzuges beschlagnahmt, … Weiterlesen 18. Hurra, der Wanzenmann kommt
17. Wie einmal die Konditoreifachangestellte Theodora Rosenwinkel an der Trambahnhaltestelle Bergentheimer Nacktarsch dem Kundenbetreuer der Raiffeisenvolksbank Süd, Öztekin Demirbilek, auf den Fuß trat.
Es geschah am helllichten Tag. Öztekin Demirbilek, Kundenbetreuer der Raiffeisenvolksbank Süd, hatte sich wie jeden Tag an der Trambahnhaltestelle Bergentheimer Nacktarsch aufgestellt, um auf die Linie 14 zu warten. Er pflegte die Angewohnheit, sich immer exakt an die gleiche Position zu stellen, einen Schritt neben dem Infokasten des Trambahnbetriebes. Während der vielen Warteeinheiten der letzten … Weiterlesen 17. Wie einmal die Konditoreifachangestellte Theodora Rosenwinkel an der Trambahnhaltestelle Bergentheimer Nacktarsch dem Kundenbetreuer der Raiffeisenvolksbank Süd, Öztekin Demirbilek, auf den Fuß trat.
16. Seife auf dem Zwischendeck
Den Urlaub auf dem Kreuzfahrschiff hatte sich die Familie Gerstenreuther anders vorgestellt. Herr und Frau Gerstenreuther hatten geplant, die beiden Kinder im Spieleparadies abzuladen, um hernach in ihre Kabine zu entweichen, von wo aus sie durch das Bullauge das Treiben der vorbeiziehenden Tanker, Schaluppen, Flöße, Kanus und Fregatten beobachten wollten. Juliane Gerstenreuther, am Bullauge postiert, … Weiterlesen 16. Seife auf dem Zwischendeck
15. Der Daumen des heiligen Quartus
Der Daumen des heiligen Quartus liegt in einer Glasvitrine. Die Vitrine, rechts neben der Rezeption des Hotels »Goldener Frosch«, wird von zwei LED-Lampen angestrahlt und ist ein echter eyecatcher. Warum man das Hotel nicht »Goldener Daumen« genannt habe, fragen allerdings viele Hotelgäste beim Einchecken. Sie umringen die Vitrine und betrachten die Reliquie von allen Seiten. … Weiterlesen 15. Der Daumen des heiligen Quartus
14. Käsewürstchen und die sieben Bademeister
Jedes Jahr, drei Tage vor Heiligabend, findet in der Kreisstadt der Konvent der Bademeister statt mit Vorträgen, Diskussionen und Abstimmungen, und es gilt als offenes Geheimnis, dass die Bademeister wegen eines ganz anders gearteten Ereignisses herbeiströmen: wegen der Tagungspause zwischen 12 und 13 Uhr, bei der traditionell Käsewürstchen gereicht werden. Jeder der Bademeister aus den … Weiterlesen 14. Käsewürstchen und die sieben Bademeister
13. Der liebestolle Finanzbeamte
Heiner Merklein, Finanzbeamter, Bierdeckelsammler und erotomanischer Gesell, konnte nicht anders. Sein Liebesdrang schwappte über, schon wenn er von weitem die Stimme einer Frau vernahm. Hitzig sprang er dann von seinem Bürostuhl auf, stieß den Becher Kaffee um und raste ungestüm zur Tür, um nachzuschauen welch frauliches Wesen da auf dem Flur seiner harrte, bereit, seinem … Weiterlesen 13. Der liebestolle Finanzbeamte
Flüchtling — Geflüchteter
Das Foto zeigt meinen Flüchtlingsausweis, ausgestellt am 9. Juni 1949. Es weist mich also als Flüchtling aus. Und darauf möchte ich eingehen. Wer das Wort Flüchtling benutzt oder hört, dürfte an Frauen und Kinder denken, die geflohen sind, auch an alte Leute. Die Bilder von geflüchteten Ukrainern zeigen ebenfalls Fauen, Kinder, alte Leute, Verwundete, Kranke. … Weiterlesen Flüchtling — Geflüchteter
12. Wie der Mehlsack durch die Fahrprüfung fiel
Aus dem Mehlsack rieselte es. Rechts unten, da, wo die Naht die Bohlen der Wohnstube berührte, hatte sich eine Handvoll Mehl angehäuft. »Mehlsack!«, hatte der Bauer Ferdi noch gerufen, »deine Leckage wird dir bei der Fahrprüfung zum Verhängnis werden. Denk daran, der Fahrlehrer Kuno, der auch der Traumatische genannt wird, kennt kein Pardon, wenn es … Weiterlesen 12. Wie der Mehlsack durch die Fahrprüfung fiel
11. Der Felsenvorspung, der rückwärts zählen konnte
Ihr Streit dauerte bereits drei Wochen. Die Stereoboxen im Wohnzimmer des Pastors Eckerle konnten das Keifen einfach nicht lassen. Kaum hatte die eine einen Ton herausgeorgelt, pfefferte die andere eine Antwort, die die Ohren der nicht anwesenden Pastorentochter Emilia hätte glühen lassen vor Scham. Selbst draußen vor dem Haus nahmen Passanten das Gemetzel der Zwillingsboxen … Weiterlesen 11. Der Felsenvorspung, der rückwärts zählen konnte
10. Ein Brataal für das Himmelreich
Monotone Gebete, aus allen vier Ecken der Sankt-Hades-Kapelle hervorwispernd, überdeckt von der kräftigen Damenbass-Stimme der Nonne Eugenie: Die Messe zu Ehren der Großnichte des schamlippigen Fischers Geroldson war im vollen Gang, als die Tür aufgerissen wurde und der Berittmeister der Großnichte hereinstolzierte, den Fanfarenzug der Freiwilligen Feuerwehr im Schlepptau. Furchtsames Erwarten schloss die Münder, und … Weiterlesen 10. Ein Brataal für das Himmelreich
Losland Varel – eine Farce?
Das Projekt Losland Varel (in Form einer Bürgerrats) hatte sich zur Aufgabe gestellt, die Situation der Veranstaltungsräume in Varel zu überdenken und Vorschläge zur künftigen (»enkeltauglichen«) Gestaltung zu unterbreiten. Verkürzt gesagt ging es um den Erhalt oder den Abriss des Tivoli. Wer die Diskussion darüber auch nur nebenbei verfolgt hatte, musste sich verwundert die Augen … Weiterlesen Losland Varel – eine Farce?
9. Das Schreibwarengeschäft am Ufer des Kokomambo
Im Jahr 1872 wanderte die Familie Schnepfle aus, um ihr Glück in der Ferne zu suchen. Vater Rupert, Mutter Bertha, Tochter Eliane, 8 Jahre alt, Sohn Gerhard, 6 Jahre. Sie überquerten den Ozean, reisten zu Lande weiter, stiegen auf ein Dampfboot, schipperten den Kokomambo hoch und siedelten an einer seichten Uferstelle. Vater Schnepfle hielt sich … Weiterlesen 9. Das Schreibwarengeschäft am Ufer des Kokomambo
8. Die Ratte Riebesehl mit dem Höcker
Auf das Knochenwerfen war die Ratte Riebesehl zufällig gekommen. Freilich, ganz abwegig war der Gedanke nicht, denn überall in den Kanälen, wo die Ratten ihre Tanzvergnügen abhielten, klapperten abgenagte Knochen, und mürbes Gebein lag kreuz und quer auf dem Parkett. Wer darauf trat, brach sich die Beine wie seinerzeit das Tangopaar Emil und Marietta, die … Weiterlesen 8. Die Ratte Riebesehl mit dem Höcker
7. Die Laubsäge, deren Geburtstag ins Klo fiel
Die Laubsäge aus der Preppergasse Numero 17 hatte vom Briefträger Emanuel den Auftrag bekommen, einen filigranen Kerzenständer aus dem Sperrholz zu sägen. Diesen wollte der Briefträger in Geschenkseide einwickeln, einen Adresszettel draufkleben und dann mit unschuldiger Miene der Laubsäge zustellen. »Guck an«, wollte Emanuel verwundert ausrufen, »was für ein hübsches Päckchen. Das riecht mir doch … Weiterlesen 7. Die Laubsäge, deren Geburtstag ins Klo fiel
Sommerzeitliches aus der NWZ-Suppe
Über den schwarzen Kanal des Will, Alexander, sich zu erbrechen gilt mittlerweile als ermüdendes Ritual recht- (nicht rechts)schaffender Bürger. Auf der anderen Seite poppen zuverlässig die Claqueure auf, angezogen von den Spucknäpfen der Jubelrechten. Da fehlt aber noch ein Geklecker an Populismus, so zwischen Mitte und ganz rechts, und siehe, es kam der Herr Sommer, … Weiterlesen Sommerzeitliches aus der NWZ-Suppe
Die Welt als Witz?
„In einem Theater brach hinter den Kulissen Feuer aus. Der Pierrot trat an die Rampe, um das Publikum davon zu unterrichten. Man glaubte, es sei ein Witz und applaudierte. Er wiederholte seine Mitteilung; man jubelte noch mehr. So, denke ich mir, wird die Welt eines Tages untergehen.“(Søren Kierkegaard) Im Welttheater bricht kein Feuer aus. Es … Weiterlesen Die Welt als Witz?
Pascal hat gesagt
Neulich hat mich Kuscheltherapeutin Susanne am Telefon wieder endlos zugetextet. Derweil sank mein Blutzuckerspiegel auf Jahrestief, weil ich nix zwischen die Zähne bekam außer ihrem Gedankenwirrwarr. Den Kern ihrer metastasierenden Elegien habe ich nicht herausfiltern können, dafür fiel mir ein Zitat des Philosophen Blaise Pascal ein, welches ich der Sabbelqueen während einer Atempause in die … Weiterlesen Pascal hat gesagt
6. Magnus, der Einhandkletterer
Wenn es denn nur die Einhandakrobatik des Magnus gewesen wäre. Schon da hätte das Publikum wegen seiner Kletterkünste herzbibbernd alle Augen herausgestaunt, sieh nur, wie der Magnus am Wasserturm hochkraxelt, mit der einen ihm verbliebenen Hand von Vorsprung zu Vorsprung in die Höhe klimmt, während drunten am Fuß des 70-Meter-Turms sich Ungläubigkeit breitmachen will, welche … Weiterlesen 6. Magnus, der Einhandkletterer
Wir schenken uns nix
Wir schenken uns nichts zu Weihnachten. Das war immer so. Ich kann mich nicht erinnern, wann wir uns diese Lüge nicht aufgetischt haben. Fast alle unsere Bekannten machen das. Der Begriff Fake News bekommt da eine ganz neue Farbe, eine familiäre Grundierung. Wochen vor dem Fest raschelt es in verborgenen Ecken, Geschenkpapier knistert, Verstecke werden … Weiterlesen Wir schenken uns nix
5. Die lustige Witwe Eleonore mit den vier Ehemännern
Statt von der lustigen Witwe Eleonore zu erzählen, die ihre vier Ehemänner in die Urnenhalle geleitet hatte, will ich den lahmen Horst und seine tropfende Trillerpfeife vorziehen, denn alles hat sein zeitliches Vor- und Hintereinander, andernfalls wirst du glatt verrückt, wenn du es dir genau überlegst. Aber so genau überlegt es sich keiner, und deshalb … Weiterlesen 5. Die lustige Witwe Eleonore mit den vier Ehemännern
Heinzi und die NWZ – Schlussstrich
Die NWZ in Gestalt ihres Ablegers Friebo (Friesländer Bote) hat die Kolumne Heinzis Zeigefinger beendet. Der Autor, das bin ich, wurde aus dem Team der redaktionellen Mitarbeiter gefeuert. Der Dezemberbeitrag »Vorratshaltung« war somit meine Abschlussvorstellung als Friebo-Kolumnist. Die Gründe sind nachvollziehbar: Als (teilweise polemischer) Kritiker der NWZ macht man mich inzwischen als Nestbeschmutzer aus. Allerdings: … Weiterlesen Heinzi und die NWZ – Schlussstrich
Vorratshaltung
Der Gedanke an Putin und seine kriegslüsternen Ziele lässt uns German-Angst-Deutsche zittern. Den Totalblackout vor Augen schrecken wir vor den befürchteten Verwüstungen: Fernsehausfall den ganzen Tag, leere Akkus in den Smartphones und – Worst Case bei Kuscheltherapeutin Susanne – die Grabesstille im Telefonhörer, da hilft auch kein Schütteln, Klopfen und Auf-den Boden-schmeißen des Hörers. Der … Weiterlesen Vorratshaltung
4. Krüll, der Trötator
Töne in Tiere verwandeln? Man kann sich auch Haare ins Badewasser schmieren, hätte der Musiker Krüll dazu gesagt, und gelacht hätte er über soviel Unsinn. Aber es kam anders. Gute 67 Jahre hatte der Krüll schon auf dem Buckel und sich im Trötenorchester des Jägervereins vom einfachen Trötisten zum mächtigen Trötator empor-, sagen wir ruhig, … Weiterlesen 4. Krüll, der Trötator
Energie sparen
»Wir sind ins Gästezimmer gezogen«, sagte Juliane, eine Cousine weiß ich wievielten Grades. Sie offenbarte dies nicht, um ihr Engagement bei der Wohnbeschaffung für ukrainische Flüchtlinge zu betonen. Nein, sie wollte uns beschämen, als Vorbild und Mahnung, weil, wer sonst zieht wegen der Heizkosten und des Energiesparens aus dem gemütlichen Wohnzimmer in die winzige Gästekammer … Weiterlesen Energie sparen
3. Wie das Holzbein kein Glück in der Liebe hatte
Tatsächlich war es nicht Eugen, die Kakerlake, sondern ihr Holzbein, das sich in den Hosenknopf verliebt hatte. Eine tragische, eine unglückliche Liebe, das muss man sagen, denn der Hosenknopf war schon vergeben, genaugenommen verheiratet, und zwar mit keiner anderen als mit der berühmten Nadel im Heuhaufen, und da schlägst du die Hände über den Kopf … Weiterlesen 3. Wie das Holzbein kein Glück in der Liebe hatte
Lobeshymne auf Friesland 3 (Gummistiefel)
Meine Absicht, ab und an eine kurze Darstellung der Vorzüge Frieslands und ihrer Köstlichkeiten zu präsentieren, entspringt einer vater-, mutter- sowie transgenderländischen Verpflichtung. Betrachten wir heute den gemeinen Gummistiefel. Die Engländer adeln ihn als ›Wellington‹ – ach, die mit ihrem Humor! Der Gummistiefel gilt als Ikone. Steht er doch für Überlebenskampf, Fußkäs, Duftverpuffungen und Nutzung, … Weiterlesen Lobeshymne auf Friesland 3 (Gummistiefel)
2. Die Kakerlake mit dem Holzbein
Sie hatte eine seltenen Namen, die Kakerlake mit dem Holzbein. Man rief sie »Eugen!« Nicht wie der russische Statthalter Onegin, der wiederum nicht zu verwechseln ist mit Eugen Onegin, dem von dem Puschkin, na, das wäre ja noch schöner. Nein, unser Onegin war ja noch gar nicht geboren. »Eugen, Eugen!«, riefen die Kinderlein auf dem … Weiterlesen 2. Die Kakerlake mit dem Holzbein
1. Der Esel Fritz mit dem ungeraden Auge
Es war einmal ein Esel, der Fritz, der ging zum Augenarzt, denn sein eines Auge saß nicht ganz gerade in seinem Schädel, so dass Fritz alles auf halbmast sah, und außerdem klöterte es blechern beim Nach-hinten-Gucken, da, wo Fritz die Ursache seines Sehfehlers vermutete. Doch ein Sehfehler spaziert nicht einfach von hinten um die Ecke … Weiterlesen 1. Der Esel Fritz mit dem ungeraden Auge
Gottähnliche Humanexemplare
Jeder kennt sie. Wenn nicht persönlich, dann aus dem Fernsehen, den asozialen Medien oder aus der Zeitung. Ich spreche von einer menschlichen Spezies, deren primäres Merkmal durch Gottähnlichkeit hervorsticht, und jetzt meine ich nicht unsere Ärzte, deren beruflicher Makel ›Götter in Weiß‹ seit längerem in der Rumpelkammer hängt und wegmottet (wiewohl es noch vereinzelt zu … Weiterlesen Gottähnliche Humanexemplare
Dicke Knöpfe braucht es
Ein Maschinenstürmer bin ich nicht. Aber mal muss auch gut sein. Mit dem Technikfirlefanz. »Knöpfe«, sage ich zu Kollege Klöpper, »massive handliche Drehknöpfe braucht es wieder. Aus Schwermetall. Die halten ewig, sehen gefällig aus und vermeiden Wutausbrüche.« Klöpper nickt bedächtig. Zuvor hatte ich das Radio zerstört. Erst ging es nicht an, trotz Tippen auf das … Weiterlesen Dicke Knöpfe braucht es
Be- gegen Entschleunigung
Wenn ich Kuscheltherapeutin Susanne recht verstehe, hab ich mein Leben nicht im Griff. »Du hastest,« hämmert sie auf mich ein, »du rennst und rennst, und der Hase, hinter dem du herjagst, ist immer ein Stück voraus, so wie der Igel.« Welchen Hase sie meine, frage ich lebensverwirrt, und wieso der Igel hinter dem Hasen herrenne, … Weiterlesen Be- gegen Entschleunigung
Äppel klauen
›Äppel klauen!‹ Diese Erinnerung liegt seit Tagen auf meinem Schreibtisch. Es klingt wie eine Aufforderung zu einer Straftat, ist aber nichts weniger als der Hilferuf eines gequälten Hungerleiders mit Namen Heinzi. Der trödelt jeden Morgen mit Rauhaar Klopstock durchs Revier, schön Gassi gehen, und jeden Morgen komme ich (da bin ich wieder) an einem Grundstück … Weiterlesen Äppel klauen
Personalisierte Werbung
Langsam kommt es mir verdächtig vor. Überall und in jedem Forum wird über die ›personalisierte Werbung‹ gewarnt, geschimpft und der Stab gebrochen, Stab, was sage ich Stab, solider Pfosten wäre treffender. Erst, so heißt es, sammeln sammelwütige Sammler weltweit unsere Daten, mit denen sie dann unseren Willen manipulieren, indem sie uns mit personalisierten Werbebotschaften zuschei- … Weiterlesen Personalisierte Werbung
Ein Leserbrief – Altpapier für die Tonne?
Am 12. Oktober brachte das Online-Portal der NWZ einen Leserbrief von Michael Soltau. Darin beschrieb er noch einmal die unbefriedigende Verkehrssituation des Neumarktplatzes in Varel und bezog sich ausdrücklich auf einen Artikel der NWZ. Dieser Artikel muss irgendwann in den vergangenen Wochen veröffentlicht worden sein, jedenfalls nicht in zeitlicher Nähe zum Leserbrief. Es ist deshalb … Weiterlesen Ein Leserbrief – Altpapier für die Tonne?
900 Jahre Oma Varel
Manchem Vareler Bürger dürften vor Schreck die Schuppen vom Kopf fallen bei der Vorstellung, dass sich unsere Politik schon heuer mit Planungen beschäftigt, die weit in die kommende Legislaturperiode hineinreichen. Es geht nicht um Themen mit Ewigkeitsanspruch wie Dangast, Verkehr, Tivoli oder ähnlichen Flöhen, die seit Jahren, einige schon seit Jahrzehnten herumhüpfen, Bürger als auch … Weiterlesen 900 Jahre Oma Varel
Kaffee aus der Nase
Gestern Nachmittag ist mir der Kaffee aus der Nase herausgekommen. »Jetzt ist es soweit«, hatte die Weibin in unserem Haus gerufen, »ich alarmier schon mal die Leute.« Wen sie mit Leute meinte, kann ich nur vermuten, ich tippe auf Angehörige heilender Berufe, auch Kesselflicker kämen in die engere Wahl, wenn man die Abdichtung meiner Nasenleckage … Weiterlesen Kaffee aus der Nase
Kosakenblut
Diese Kosaken! Ein Teufelsvolk, das die Freiheit über alles liebt. Das entnehme ich dem Doku-Film »Väterchen Don: Der Fluss der Kosaken« des jüngst verstorbenen Redakteurs Fritz Pleitgen. Zitat einer Kosakin: »Ein Kosake wird sich niemals unter den Stiefel zwingen lassen.« Na, der benötigt natürlich eine standfeste Partnerin: »Eine Kosakin hat von starker Statur zu sein. … Weiterlesen Kosakenblut
Klimastreik Zetel – Fake News aus der NWZ
Das Foto (Symbolbild), das die NWZ-Redakteurin Josepha Zastrow ihrem Artikel beigefügt hat, zeigt eine Gruppe Demonstranten, die einen Karton hochhalten mit der Aufschrift ›change by design not by desaster‹. Dazu gleich mehr. Anlässlich des globalen Klimastreiks am 23. 09. 2022 hatte die Klimagruppe Friesische Wehde eine Demonstration organisiert. Die Einzelheiten, den Ablauf und die Ziele … Weiterlesen Klimastreik Zetel – Fake News aus der NWZ
Im Würgegriff der NWZ
Beispiel Friesländer Bote, Anzeigenzeitung für den Raum Varel, der Friesischen Wehde und angrenzender Orte im Ammerland und der Wesermarsch. Ursprünglich ein politisch und wirtschaftlich unabhängiges Presseorgan, das von der NWZ (Selbstbeschreibung: Nordwest Mediengruppe) abgeschossen und ausgenommen wurde. Natürlich haben die Damen und Herren aus Oldenburg nicht Kanonen mit pressefressenden Kartuschen geladen und abgefeuert. Sie sind … Weiterlesen Im Würgegriff der NWZ
Der Wutwinter kommt
Ein Wutwinter steht uns bevor, das scheint sicher. Über den Wutwinter können sich die Feuilletonisten geradezu wutbesessen erregen, so mein Eindruck. »Wutwinter, Wutwinter«, schallt es uns aus Zeilen und Zwischenzeilen entgegen, und wehe uns Angewüteten, denn wenn der Wutwinter anrollt, hat’s Spaltung der Gesellschaft und Aufruhr und Gewalt und Montagswüterei, Wutplakate, Wutfackeln, Wutgeifer, Wutwüten, das … Weiterlesen Der Wutwinter kommt
Indianer lernen lesen
Als Beifang der Winnetou-Diskussion und der Erregung öffentlicher Sprachblockwarte habe ich von einem abgedrehten Kinderlied erfahren, das ich noch nicht kannte und meine kalten Knochen wärmend umspülte. Zur Melodie von John Brown’s Body heißt es: »Alle Kinder lernen lesen, Indianer und Chinesen«. Der Zusammenhang zwischen Kinder, Indianer, Chinesen und Lesenlernen scheint mit der Zange gekniffen … Weiterlesen Indianer lernen lesen
Die Grabsteinfrage
Die Hitze war schuld, da bin ich mir ganz sicher. Sie lässt das Hirn schmelzen, und unten tröpfelt eine kranke Idee raus. Die Idee präsentierte sich mir als Frage, und sobald du die Frage kennst, weißt du, warum ich Onkel Paul das Vergnügen meines Besuchs nicht vorenthalten konnte. Tante Margret schon gar nicht. Na, ich … Weiterlesen Die Grabsteinfrage
Varel – pimp the city
Dangast - AIDA-Port Dagegen nimmt sich Warnemünde wie ein piefiges Provinzterminal aus, wie ein müdes Winke-Winke eines Möchtegerngroßhafens. Nachdem der Jadebusen in Gänze ausgebaggert ist, um Zugang für die größten Kreuzfahrtschiffe zu schaffen, begrüßt Dangast die ersten Gäste. Zehntausende Schaulustige schieben sich von Bord der anlegenden AIDAs, strömen ins Alte Kurhaus, um den berühmten Rhabarberkuchen … Weiterlesen Varel – pimp the city
Über das Wundern
Gewundert habe ich dann mich über mich selbst. Weil ich mich über andere gewundert habe. Genauer gesagt habe ich mich über das Sichwundern anderer Leute gewundert (puh), und zwar über das Sichwundern von netzaktiven Individuen. Alle naselang hören wir von Betroffenen, die von einem Ereignis überrumpelt wurden, über das sie sich maßlos wundern und sich … Weiterlesen Über das Wundern
Wasserturm – Varel
Was Uelzen kann, kann Varel schon lange: Die Neugestaltung des Wasserturms vereint Elemente des Hundertwasserbahnhofs mit dem Schwung der Waldorf-Ästhetik, einem Konglomerat aus Zitat und Grundierung, bei dem einem schwindelig werden kann, und das ist nicht nur der Höhe des Bauwerkes geschuldet. Der Wasserturm zu Varel - ein eyecatcher
Zwei-Drittel-Nibelungen
Kannst du dir Leute vorstellen, die kein Chinesisch können, nach Peking fliegen, sich dort zu einer traditionellen chinesischen Oper kutschieren lassen, um von 20 Uhr bis Mitternacht ein Drama anzuschauen, bei dem sie kein Wort verstehen? Am nächsten Tag noch eine Sitzung, Tags drauf eine weitere 4-Stunden-Oper mit Singsang und Verrenkungen, wieder kein Wort verstanden, … Weiterlesen Zwei-Drittel-Nibelungen
Mühle – Varel
Tradition und Moderne zusammenführen: hier ist es gelungen. Der Aspekt des Wirtschaftlichen verbunden mit wehmütigen Erinnerungen aus alten Tagen, als das Korn mit händischer Akkuratesse gemahlen wurde, entfaltet sich in der Neukonstruktion der Vareler Mühle über das Geschichtliche hinaus. Dem Gedanken der nonfossilen Nutzung als Beitrag zur Klimadiskussion wurde ebenso Rechnung getragen wie die Konservierung … Weiterlesen Mühle – Varel
Rathaus – Varel
Mit dem Vareler Rathaus war bisher kein Staat zu machen geschweige denn ein Einkommen zu generieren, das den Geldbeutel des Kämmerers füllen könnte. Mit der sensationellen Neuinterpretation des Gebäudes als Monolith in wassersteinfarbener Glastextur und funkelnd wie ein leuchtender Juwel, welcher die Bürgermeister-Heidenreich-Straße aus ihrer stiefmütterlich behandelten Öde erweckt, dürfte Varel seinen Schatten weit über … Weiterlesen Rathaus – Varel
Neumarkt – Varel
Alle Diskussionen über den Neumarktplatz in Varel verblassen, seit der detaillierte Plan (auch feuchter Traum) einer kommerziell erfolgversprechenden Studie viral geht: der Neumarktplatz als Destination sündiger Meilengänger als auch Bettgelege einer dem Rotlichtmilieu nicht abgeneigten Stadtbewohner. Wer wollte der Versuchung da Nein sagen. Diese Aufhübschung des Stadtviertels hat Varel gerade noch gefehlt. Varel Neumarktplatz: am … Weiterlesen Neumarkt – Varel
Gelinggarantie
Langsam beschleicht mich der Verdacht, dass mein Leseverhalten sich auf eine Literatur reduziert, die das Wohlgefallen meines alten Deutschlehrers nicht entfacht hätte. Denn andauernd stolpere ich über dieses eine Wort. Für sich genommen mag ja ›Gelinggarantie‹ den Allgemeinwortschatz bereichern, leider finde ich es ständig in speziellen Texten: in Kochrezepten. Zwei Fragen, zwei Antworten. 1. Nein, … Weiterlesen Gelinggarantie
Lobeshymne auf Friesland (Denkmäler)
In meiner kleinen Serie über die Vorzüge des Landlebens gegenüber dem Moloch Großstadt greife ich heute das Thema Denkmäler auf, Denkmäler weitläufig gedacht, also mit Einschluss von Skulpturen und Artefakten künstlerischer Herkunft. Wie immer muss hier Berlin als Prototyp deutscher Daseinsverklumpung herhalten und seine Einwohner als Referenz für den urbanen worst case. Hunderte, zighunderte, ja … Weiterlesen Lobeshymne auf Friesland (Denkmäler)
Hitze
Bevor wir uns dem Habeckschen Diktum unterwerfen und in Erwartung röchelnder Gashähne und hustender Heizungsrohre die Dusche abklemmen, Wollpullover hervorkramen und uns mit Eisklumpen an den Füßen vor den Radiator hocken, ein Gerät, das als Verheißung auf dem Altar von Wohlsein und deutscher Gemütlichkeit thronte, nun aber als der Hoffnung letztes Aufgebot angebetet wird – … Weiterlesen Hitze
Catch-22
Der Fall hatte mich sofort an eine Catch-22-Situation erinnert. Unsere Presse hatte über eine Versammlung in der Friesischen Wehde berichtet, bei der die ›Wellen hochgegangen‹ waren bzw. die ›Volksseele kochte‹, um nur zwei gängige Sprachbilder der Empörung einzuflechten. Jetzt mal langsam und zurück zu Catch-22. Im gleichnamigen Roman (sowie Film) versucht der Bomberpilot John Yossarian, … Weiterlesen Catch-22
Tabea ist ein Junge
»Tabea ist ein Junge!«, schepperte es aus dem Hörer, kaum, dass ich ihn abgenommen hatte, »jedenfalls ist sie davon überzeugt, und ich kann doch als Mutter nicht die Gesetze der Natur verleugnen.« Das Scheppern nistete in meinem Ohr wie ein Kuckucksei im Meisennest, blähte sich, explodierte und gebar ein sirrendes Fiepsen, da hatte ich den … Weiterlesen Tabea ist ein Junge
Downsizing
Mit Bangen im Herzen erwarten wir den kommenden Winter, nicht wegen des Laubs in den Dachrinnen und den Risiken der Hausbesitzer, wenn sie, auf wackeliger Trittleiter balancierend, den Arm ausstrecken, um über Kopf mit tastenden Fingern die Saat der Winde zu haschen, i wo, es ist der Habeck Robert, unser gefürchteter Meisterschwurbler der Titanklasse, der … Weiterlesen Downsizing
Mansplaining
Ein etwas irrer Fall von mansplaining ist mir untergekommen. Mansplaining? Dabei denkt man zuvörderst an einen Mann, der einer Frau, die er offenbar (qua Frausein) für geistig minder möbliert hält, Vorträge ins Ohr salbadert über Themen, für die er Groß- bzw. Alleinkompetenz in Anspruch nimmt, kurz gesagt: Der Mann schwadroniert, die Frau macht dicht. Ach, … Weiterlesen Mansplaining
Das identitätsverletzende Jägerschnitzel
Ganz heikles Thema. Am besten gleich in den Schuhkarton werfen, Etikett drauf: Toxisch! Um Political Correctness geht es mal wieder, um Sprachzensur und um mehr. Mit den N-Wörtern sind wir ja inzwischen vertraut. Auch mit dem Z-Wort, da flutscht uns das ›Sinti und Roma‹ geschmeidig über die Zunge. Dennoch, angesichts der vielen neu auftauchenden No-Go-Begriffe … Weiterlesen Das identitätsverletzende Jägerschnitzel
Neue Verschwörungstheorien
Was ist bloß mit den Querdenkern los? Ihre Verschwörungstheorien versacken irgendwo im Nirgendwo. Dabei waren die so lustig, wiewohl der ernste Hintergrund die Komik überlagert hatte, und wenn ernst gemacht wird in Teutonien, dann richtig mit Kanten und Kanonen, brutalen Blicken, kübelweise Hass und Shit-Stürmen. Gut, aber da fehlt jetzt ein konkretes Beispiel, ich nehm … Weiterlesen Neue Verschwörungstheorien
Die Schwarze Null
Ich hatte Kollege Klöpper beiseite geschoben und war geradewegs in sein Arbeitszimmer marschiert, wo seine Frau Katja sich im bläulichen Schein des Computermonitors sonnte, um es mal mit dem euphorischen Impetus eines Mallorca-Frequentierers auszudrücken. Statt einer Sonnenbrille trug sie einen selbstgefälligen Hau im Gesicht, und wo man normal den Daiquiri ablegt, im Sand neben dem … Weiterlesen Die Schwarze Null
Ein Maß Eiter
»Herr Ober, ich möchte pinkeln. Kann ich das auch mit der Visa-Karte?« Du wunderst dich, gelinde gesagt, über dieses Anliegen? Dann hör dir erst die Antwort des Kellners an: »Aber gerne, soll ich den Liter für zuhause einpacken?« Der Schlüssel zu diesem rätselhaften Dialog liegt in der chinesischen Schrift, da magst du noch so mit … Weiterlesen Ein Maß Eiter
Möbelmusik
Was soll man von einem Herrn halten, der in seinem Leben nur weiße Lebensmittel zu sich genommen hat: Käse, Eier, Zucker, Salz, Hühnerfleisch, weißer Fisch, Nudeln, Kokosmilch und dergleichen? Der in den ›Memoiren eines Mannes, der sein Gedächtnis verloren hat‹ berichtet: »Ich schlafe nur mit einem Auge. Jede volle Stunde nimmt mir mein Diener die … Weiterlesen Möbelmusik
Das letzte Hemd
Um Tante Margret und Onkel Paul in Wohlwollen einzustimmen, hatte ich unterwegs ein Sechserpack Joghurtsahnetörtchen erstanden. Damit wollte ich das schwarze Bild, dass meine Verwandten von mir zeichneten, mit der Süße von Sahne, Zucker und Zungenschmelz ins Positive wenden. »Wir vererben nichts«, begrüßte mich Tante Margret, »nur für den Fall, dass du dir falsche Hoffnungen … Weiterlesen Das letzte Hemd
Billie Eilish Fanpost
Natürlich mach ich mich damit zum Narren. Und wenn du liest, was ich gleich beichte, wird deine Zeigefingerkuppe ganz matschig vom vielen Drauf- und Heftigklopfen an die Stirn (plemplem …), ein Rattern wie der Trommelwirbel eines Spechtes. Aber einmal muss es raus: Ich bin ein Fan von Billie Eilish. Nicht von der Person, wer kann … Weiterlesen Billie Eilish Fanpost
Hiermit, diesbezüglich
Wer benutzt eigentlich noch die Hiermit-Sätze? Fallen die nicht längst unter die Rubrik ›Verstaubte Rituale‹? Das war doch so: Früher (Oh Mann, Sätze, die mit Früher anfangen!) galt es als ungebührlich, Briefe mit Ich anzufangen. Als Nachweis guter Erziehung setzte man vor das Ich gern ein Hiermit: ›Hiermit beeile ich mich, Dankesworte aus meinem Herzen … Weiterlesen Hiermit, diesbezüglich
Sprache als Kunst
»Onkel Paul seine Nichte fährt wegen dem Einkauf nach Netto hin.« Der Satz dürfte Deutschlehrer Tränen in die Augen treiben, insbesondere solchen Vertretern, die von dem Wahn befallen sind, dass es gutes und schlechtes Deutsch gibt, was sage ich, sogar richtiges und falsches Deutsch. Angestachelt von Sprachpolizisten wie Bastian Sick und Co. oder auch von … Weiterlesen Sprache als Kunst
Die Small 5 vom Watt
Als Friesländer hast du dem weltgewandten Touri wenig entgegenzusetzen, insbesondere, wenn dieser die Galerie auf seinem Smartphone öffnet und seine »Strecke« vorführt: Die Sammlung der erlegten Big 5 aus Afrika als da sind Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe und Leopard. Gottlob, die Jagd mit Flinten wird heute meist ersetzt durch Fotosafaris, wo man den Big 5 … Weiterlesen Die Small 5 vom Watt
Das Geruchshirn
»Der Mensch ist ein Nasentier«, sage ich zu Kollege Klöpper, »das ist Fakt.« Klöpper ploppt die Weizenflasche auf: »Und die Kuh ist ein Wanderschuh.« Der geborene Komiker. Er leckt den Schaum vom Flaschenrand. »Spotte nur«, erwidere ich, »aber die Geruchswissenschaft hat es einwandfrei nachgewiesen, das mit dem Nasentier.« Eine tiefe Furche zerlegt Klöppers Gesichtsoberteil, bei … Weiterlesen Das Geruchshirn
Monet und die Vase
Von einem Künstler hatte ich mal gehört, ich nenn ihn mal Adalbert, der hat jeden Tag ein Bild gemalt. Wenn’s weiter nichts ist, höre ich dich nörgeln, ich zum Beispiel esse jeden Tag ein gekochtes Ei, plustere ich mich deswegen auf? Mit deinem Ei, antworte ich, liegst du gar nicht so daneben, man sagt ja: … Weiterlesen Monet und die Vase
Die Methusalem-Falle
Wir hatten eine gute Zeit, Tante Margret, Onkel Paul und ich. Und Rauhaar Klopstock da unter dem Tisch. Kaffee wurde ausgeschenkt, Margrets selbst gebackener Käsekuchen verköstigt und Erinnerungen an die gute alte Zeit schwelgerisch ausgebreitet, damals, als die beiden noch nicht in Rente waren. Weißt-du-noch-Sätze wurden einander zugespielt, jeder einzelne ein Startschuss für eine pittoreske … Weiterlesen Die Methusalem-Falle
Der falsch erzogene Hund
Wir haben Rauhaar Klopstock falsch erzogen. Sonntagabend, Tatort hat grad angefangen, steht der Hund vor der Stubentür (sagt man noch Stube zu dem Bereich, wo Sofa, Stehlampe, Fernseher und Couchtisch stilvoll arrangiert sind als Nachweis eines formidablen Geschmacks?), also Klopstock steht, vom Sofa aus gesehen, auf der gegenüberliegenden Seite der Stubentür, nämlich flurseitig (oh mein … Weiterlesen Der falsch erzogene Hund
Die Vorzüge Frieslands 2
Nicht vergessen habe ich meine Absicht, in unregelmäßigen Abständen auf die Vorzüge Frieslands hinzuweisen, insbesondere im Vergleich mit einer Referenz-Großstadt (Berlin?). Großstadt bedeutet für mich eine niederdrückende Glocke aus Gerüchen, die der Friese mit Tätigkeiten verbindet, deren Visualisierung per ausgedrucktem »Oh Mann, das ist der Fliegen Tod« oder, schlimmer noch, als Emoji, ihn veranlasst, seine … Weiterlesen Die Vorzüge Frieslands 2
Die gespaltene Geseelschaft
Einen schlauen Satz habe ich gelesen, der mir aber sogleich Kopfzerbrechen verursachte – also nicht, dass du denkst, mein Kopf wäre zerbrochen, und die Einzelteile lägen wie die Fragmente einer auf die Fliesen gefallenen Ming Vase bei uns in der Wohnung herum und mein Restkörper wäre damit zugange, den Haufen zusammenzukehren und wieder zu kitten, … Weiterlesen Die gespaltene Geseelschaft
Fakebiografien
Als ich zur Welt kam, war ich acht Jahre alt und trug einen Schnurrbart. Opa Karl glotzte mich ungläubig an, sattelte erbost den Quadratzentimeter und galoppierte davon. Das hielt meinen Vater nicht davon ab, seine Latschen in die Bratpfanne zu werfen, denn mein achtjähriges Sammelsurium verlangte nach Röstaromen und Nudelbrei. Jetzt ist es soweit, denkst … Weiterlesen Fakebiografien
Erinnerung an Pillepalle
Ich unterbrach Kollege Klöpper beim Weißbierschlürfen, um ihn auf einen Vorfall aus unserer Schulzeit hinzuweisen, an den ich mich plötzlich erinnerte, ausgelöst durch ein blitzhaftes Aufleuchten des Bewusstseins, ein Umstand, der mir öfter passiert und der mich ärgert, denn wenn ich mal ein wesentliches Ereignis oder ein Datum ins Gedächtnis hervorrufen muss, sagen wir unseren … Weiterlesen Erinnerung an Pillepalle
Piep Piep
Manchmal rumort ein Gedanke in einem rum und rödelt im Verborgenen, bis er brutal aus dem Unterbewusstsein hervorbricht: »Grüß Gott, hier bin ich.« Zack. So erging es mir mit einem Zitat von Annalena Baerbock, schon lange her. Sie hatte eine Situation geschildert, wo das rassistische N-Wort gefallen war, also nicht ›N-Wort‹ an sich, sondern das … Weiterlesen Piep Piep
Wirr sind das Volk
Wahrscheinlich hatte ich mich verguckt – »du muss dir mal die Augen warten lassen«, sagte die Weibin in unserem Haus, »da gibt es Sonderangebote und tut nicht weh« (man beachte die effiziente Sprachökonomie), aber ich war mir sicher: Auf dem Plakat der Demonstrantin stand ›Wirr sind das Volk‹. Sie lief bei einem Anti-Anti-Diktatur-Spaziergang mit. »Kann … Weiterlesen Wirr sind das Volk
Ent oder Weder
John le Carré soll über Bonn genörgelt haben: »Entweder es regnet, oder die Bahnschranken sind runter.« Mit so einem Entweder-Oder-Algorithmus lässt sich die Beschreibung vieler Orte verknappen. Ich kannte sogar eine verwirrte Seele, die diese Verknappung zusätzlich verknappt hatte, quasi Doppelknapp, aber davon später. Bei ›Bahnschranke runter‹ fällt den Varelern sofort eine feuchte Kolorierung ihres … Weiterlesen Ent oder Weder
Schlechte-Laune-Blitzableiter
Ich hatte schlechte Laune und brauchte jemanden zum Ärgern, zum auf den Nerv gehen. Als Blitzableiter, hinterher eitel Freude, Eierkuchen. Just in diesem Augenblick trat die freche Nachbarstochter Marie-Curie aus dem Haus gegenüber, mit Terrierdame Sissi im Schlepptau, Gassi gehen gegen Honorar. Als Blitzableiter nur zweite Wahl, aber egal, man wird bescheiden. »He Marie«, rief … Weiterlesen Schlechte-Laune-Blitzableiter
Misophonisches
Kennst du das Geräusch, wenn jemand ein Löchlein im Backenzahn hat oder eine Lücke zwischen zwei Zähnen, in die sich beim Essen eine Faser Lammfleisch (jetzt wird’s etwas eklig) oder ein zähes Bröckchen vom Kotelett verklemmt hat und der Besitzer der Zahnreihe ansetzt, das störende Miststück mit einem unauffälligen Daumennagelratsch hinter vorgehaltener Hand aus der … Weiterlesen Misophonisches
Wo die Träume blühen
Als ich letztens den Versuch unternahm, mit Empathie und tiefer Zuneigung den Querdenkern und Coronaleugnern Beistand zu leisten, fiel mir im Nachhinein auf, in welch einer wunderlichen Welt sie doch leben müssen, eine Welt, durch die wir als Kinder träumerisch gewandelt sind: die Welt der Märchen und Mythen, Alice im Wunderland, später die Harry-Potter-Fantasien und … Weiterlesen Wo die Träume blühen
Die heilige Krippenfamilie
Große Diskussion: Ist die Heilige Familie noch zeitgemäß? Kann man heuer noch eine Krippe mit Vater, Mutter und Kind aufstellen, wo Patchworkfamilien sich als Pflicht und Standard durchgesetzt haben? Wo auch verheiratete Lesben- und Schwulenpaare Kinder großziehen? Hier bedarf es dringend eines Upgrades der Heiligen Familie, einer Neuordnung der biblischen Konstellation, die in unserem Jahrhundert … Weiterlesen Die heilige Krippenfamilie
Das weihnachtliche Murmeltier
Manchmal bringt es ein Filmtitel zum geflügelten Wort, wobei der Begriff ›geflügeltes Wort‹ bei genauerer Betrachtung seinerseits ziemlich geflügelt daherkommt. Manchmal verblassen die Flügelwörter auch. Wer zitiert heute noch ›Hunde, wollt ihr ewig leben‹? Marie-Curie, unsere Nachbarstochter, dürfte darüber nur verständnislos ihre Piercings abzählen als Ablenkung von den unterirdischen Sprüchen des weißen alten Mannes (das … Weiterlesen Das weihnachtliche Murmeltier
10 nach 12
Nicht erst seit der Corona-Pandemie, aber von da an vermehrt werden wir mit minutengenauen Zeitangaben traktiert, deren jede apokalyptischer klingt als die vorherige, als Damokles-Schwert über unseren Häuptern zittert und den baldigen Untergang ankündigt. »Es ist 10 vor 12«, schallt es aus den Lautsprechern der Endzeitbeschwörer, aber schon drängeln sich die Hintermänner nach vorn mit … Weiterlesen 10 nach 12
Mit Liebe gegen Lügen
Allenthalben wird eine Verrohung der Sitten und Umgangsformen beklagt und die Spaltung der Gesellschaft vorhergesagt. Zugleich erblüht eine Religion zu voller Pracht, die an Inbrunst und Selbstgerechtigkeit keine Vergleiche kennt und selbst die Hardliner des Islamischen Staates neidisch auf ihren Pickups verstummen lässt: die Religion der Impfgegner. Ich glaube ja, in den Betbrüdern und -schwestern … Weiterlesen Mit Liebe gegen Lügen
Bla bla bla
»Bla bla bla.« Mit diesem Schlachtruf treffen die Greten und Thunberge dieser Welt den Kern dessen, was unsere politisch ›Verantwortlichen‹ an Sprechblasen, schwammigen Umschreibungen und dem Girlandenwerk des Wischiwaschi täglich als Sondermüll in die Mikrophone salbadern, wobei selbst dem gutwilligsten Zuhörer speiübel wird, so er nicht vorher vor Wut geplatzt ist. Insofern halte ich das … Weiterlesen Bla bla bla


