Neulich hat mich Kuscheltherapeutin Susanne am Telefon wieder endlos zugetextet. Derweil sank mein Blutzuckerspiegel auf Jahrestief, weil ich nix zwischen die Zähne bekam außer ihrem Gedankenwirrwarr. Den Kern ihrer metastasierenden Elegien habe ich nicht herausfiltern können, dafür fiel mir ein Zitat des Philosophen Blaise Pascal ein, welches ich der Sabbelqueen während einer Atempause in die … Weiterlesen Pascal hat gesagt
Kategorie: Heinzis Zeigefinger
Wir schenken uns nix
Wir schenken uns nichts zu Weihnachten. Das war immer so. Ich kann mich nicht erinnern, wann wir uns diese Lüge nicht aufgetischt haben. Fast alle unsere Bekannten machen das. Der Begriff Fake News bekommt da eine ganz neue Farbe, eine familiäre Grundierung. Wochen vor dem Fest raschelt es in verborgenen Ecken, Geschenkpapier knistert, Verstecke werden … Weiterlesen Wir schenken uns nix
Heinzi und die NWZ – Schlussstrich
Die NWZ in Gestalt ihres Ablegers Friebo (Friesländer Bote) hat die Kolumne Heinzis Zeigefinger beendet. Der Autor, das bin ich, wurde aus dem Team der redaktionellen Mitarbeiter gefeuert. Der Dezemberbeitrag »Vorratshaltung« war somit meine Abschlussvorstellung als Friebo-Kolumnist. Die Gründe sind nachvollziehbar: Als (teilweise polemischer) Kritiker der NWZ macht man mich inzwischen als Nestbeschmutzer aus. Allerdings: … Weiterlesen Heinzi und die NWZ – Schlussstrich
Vorratshaltung
Der Gedanke an Putin und seine kriegslüsternen Ziele lässt uns German-Angst-Deutsche zittern. Den Totalblackout vor Augen schrecken wir vor den befürchteten Verwüstungen: Fernsehausfall den ganzen Tag, leere Akkus in den Smartphones und – Worst Case bei Kuscheltherapeutin Susanne – die Grabesstille im Telefonhörer, da hilft auch kein Schütteln, Klopfen und Auf-den Boden-schmeißen des Hörers. Der … Weiterlesen Vorratshaltung
Energie sparen
»Wir sind ins Gästezimmer gezogen«, sagte Juliane, eine Cousine weiß ich wievielten Grades. Sie offenbarte dies nicht, um ihr Engagement bei der Wohnbeschaffung für ukrainische Flüchtlinge zu betonen. Nein, sie wollte uns beschämen, als Vorbild und Mahnung, weil, wer sonst zieht wegen der Heizkosten und des Energiesparens aus dem gemütlichen Wohnzimmer in die winzige Gästekammer … Weiterlesen Energie sparen
Lobeshymne auf Friesland 3 (Gummistiefel)
Meine Absicht, ab und an eine kurze Darstellung der Vorzüge Frieslands und ihrer Köstlichkeiten zu präsentieren, entspringt einer vater-, mutter- sowie transgenderländischen Verpflichtung. Betrachten wir heute den gemeinen Gummistiefel. Die Engländer adeln ihn als ›Wellington‹ – ach, die mit ihrem Humor! Der Gummistiefel gilt als Ikone. Steht er doch für Überlebenskampf, Fußkäs, Duftverpuffungen und Nutzung, … Weiterlesen Lobeshymne auf Friesland 3 (Gummistiefel)
Gottähnliche Humanexemplare
Jeder kennt sie. Wenn nicht persönlich, dann aus dem Fernsehen, den asozialen Medien oder aus der Zeitung. Ich spreche von einer menschlichen Spezies, deren primäres Merkmal durch Gottähnlichkeit hervorsticht, und jetzt meine ich nicht unsere Ärzte, deren beruflicher Makel ›Götter in Weiß‹ seit längerem in der Rumpelkammer hängt und wegmottet (wiewohl es noch vereinzelt zu … Weiterlesen Gottähnliche Humanexemplare
Dicke Knöpfe braucht es
Ein Maschinenstürmer bin ich nicht. Aber mal muss auch gut sein. Mit dem Technikfirlefanz. »Knöpfe«, sage ich zu Kollege Klöpper, »massive handliche Drehknöpfe braucht es wieder. Aus Schwermetall. Die halten ewig, sehen gefällig aus und vermeiden Wutausbrüche.« Klöpper nickt bedächtig. Zuvor hatte ich das Radio zerstört. Erst ging es nicht an, trotz Tippen auf das … Weiterlesen Dicke Knöpfe braucht es
Be- gegen Entschleunigung
Wenn ich Kuscheltherapeutin Susanne recht verstehe, hab ich mein Leben nicht im Griff. »Du hastest,« hämmert sie auf mich ein, »du rennst und rennst, und der Hase, hinter dem du herjagst, ist immer ein Stück voraus, so wie der Igel.« Welchen Hase sie meine, frage ich lebensverwirrt, und wieso der Igel hinter dem Hasen herrenne, … Weiterlesen Be- gegen Entschleunigung
Äppel klauen
›Äppel klauen!‹ Diese Erinnerung liegt seit Tagen auf meinem Schreibtisch. Es klingt wie eine Aufforderung zu einer Straftat, ist aber nichts weniger als der Hilferuf eines gequälten Hungerleiders mit Namen Heinzi. Der trödelt jeden Morgen mit Rauhaar Klopstock durchs Revier, schön Gassi gehen, und jeden Morgen komme ich (da bin ich wieder) an einem Grundstück … Weiterlesen Äppel klauen
Personalisierte Werbung
Langsam kommt es mir verdächtig vor. Überall und in jedem Forum wird über die ›personalisierte Werbung‹ gewarnt, geschimpft und der Stab gebrochen, Stab, was sage ich Stab, solider Pfosten wäre treffender. Erst, so heißt es, sammeln sammelwütige Sammler weltweit unsere Daten, mit denen sie dann unseren Willen manipulieren, indem sie uns mit personalisierten Werbebotschaften zuschei- … Weiterlesen Personalisierte Werbung
900 Jahre Oma Varel
Manchem Vareler Bürger dürften vor Schreck die Schuppen vom Kopf fallen bei der Vorstellung, dass sich unsere Politik schon heuer mit Planungen beschäftigt, die weit in die kommende Legislaturperiode hineinreichen. Es geht nicht um Themen mit Ewigkeitsanspruch wie Dangast, Verkehr, Tivoli oder ähnlichen Flöhen, die seit Jahren, einige schon seit Jahrzehnten herumhüpfen, Bürger als auch … Weiterlesen 900 Jahre Oma Varel
Kaffee aus der Nase
Gestern Nachmittag ist mir der Kaffee aus der Nase herausgekommen. »Jetzt ist es soweit«, hatte die Weibin in unserem Haus gerufen, »ich alarmier schon mal die Leute.« Wen sie mit Leute meinte, kann ich nur vermuten, ich tippe auf Angehörige heilender Berufe, auch Kesselflicker kämen in die engere Wahl, wenn man die Abdichtung meiner Nasenleckage … Weiterlesen Kaffee aus der Nase
Kosakenblut
Diese Kosaken! Ein Teufelsvolk, das die Freiheit über alles liebt. Das entnehme ich dem Doku-Film »Väterchen Don: Der Fluss der Kosaken« des jüngst verstorbenen Redakteurs Fritz Pleitgen. Zitat einer Kosakin: »Ein Kosake wird sich niemals unter den Stiefel zwingen lassen.« Na, der benötigt natürlich eine standfeste Partnerin: »Eine Kosakin hat von starker Statur zu sein. … Weiterlesen Kosakenblut
Der Wutwinter kommt
Ein Wutwinter steht uns bevor, das scheint sicher. Über den Wutwinter können sich die Feuilletonisten geradezu wutbesessen erregen, so mein Eindruck. »Wutwinter, Wutwinter«, schallt es uns aus Zeilen und Zwischenzeilen entgegen, und wehe uns Angewüteten, denn wenn der Wutwinter anrollt, hat’s Spaltung der Gesellschaft und Aufruhr und Gewalt und Montagswüterei, Wutplakate, Wutfackeln, Wutgeifer, Wutwüten, das … Weiterlesen Der Wutwinter kommt
Indianer lernen lesen
Als Beifang der Winnetou-Diskussion und der Erregung öffentlicher Sprachblockwarte habe ich von einem abgedrehten Kinderlied erfahren, das ich noch nicht kannte und meine kalten Knochen wärmend umspülte. Zur Melodie von John Brown’s Body heißt es: »Alle Kinder lernen lesen, Indianer und Chinesen«. Der Zusammenhang zwischen Kinder, Indianer, Chinesen und Lesenlernen scheint mit der Zange gekniffen … Weiterlesen Indianer lernen lesen
Die Grabsteinfrage
Die Hitze war schuld, da bin ich mir ganz sicher. Sie lässt das Hirn schmelzen, und unten tröpfelt eine kranke Idee raus. Die Idee präsentierte sich mir als Frage, und sobald du die Frage kennst, weißt du, warum ich Onkel Paul das Vergnügen meines Besuchs nicht vorenthalten konnte. Tante Margret schon gar nicht. Na, ich … Weiterlesen Die Grabsteinfrage
Über das Wundern
Gewundert habe ich dann mich über mich selbst. Weil ich mich über andere gewundert habe. Genauer gesagt habe ich mich über das Sichwundern anderer Leute gewundert (puh), und zwar über das Sichwundern von netzaktiven Individuen. Alle naselang hören wir von Betroffenen, die von einem Ereignis überrumpelt wurden, über das sie sich maßlos wundern und sich … Weiterlesen Über das Wundern
Zwei-Drittel-Nibelungen
Kannst du dir Leute vorstellen, die kein Chinesisch können, nach Peking fliegen, sich dort zu einer traditionellen chinesischen Oper kutschieren lassen, um von 20 Uhr bis Mitternacht ein Drama anzuschauen, bei dem sie kein Wort verstehen? Am nächsten Tag noch eine Sitzung, Tags drauf eine weitere 4-Stunden-Oper mit Singsang und Verrenkungen, wieder kein Wort verstanden, … Weiterlesen Zwei-Drittel-Nibelungen
Gelinggarantie
Langsam beschleicht mich der Verdacht, dass mein Leseverhalten sich auf eine Literatur reduziert, die das Wohlgefallen meines alten Deutschlehrers nicht entfacht hätte. Denn andauernd stolpere ich über dieses eine Wort. Für sich genommen mag ja ›Gelinggarantie‹ den Allgemeinwortschatz bereichern, leider finde ich es ständig in speziellen Texten: in Kochrezepten. Zwei Fragen, zwei Antworten. 1. Nein, … Weiterlesen Gelinggarantie
Lobeshymne auf Friesland (Denkmäler)
In meiner kleinen Serie über die Vorzüge des Landlebens gegenüber dem Moloch Großstadt greife ich heute das Thema Denkmäler auf, Denkmäler weitläufig gedacht, also mit Einschluss von Skulpturen und Artefakten künstlerischer Herkunft. Wie immer muss hier Berlin als Prototyp deutscher Daseinsverklumpung herhalten und seine Einwohner als Referenz für den urbanen worst case. Hunderte, zighunderte, ja … Weiterlesen Lobeshymne auf Friesland (Denkmäler)
Hitze
Bevor wir uns dem Habeckschen Diktum unterwerfen und in Erwartung röchelnder Gashähne und hustender Heizungsrohre die Dusche abklemmen, Wollpullover hervorkramen und uns mit Eisklumpen an den Füßen vor den Radiator hocken, ein Gerät, das als Verheißung auf dem Altar von Wohlsein und deutscher Gemütlichkeit thronte, nun aber als der Hoffnung letztes Aufgebot angebetet wird – … Weiterlesen Hitze
Catch-22
Der Fall hatte mich sofort an eine Catch-22-Situation erinnert. Unsere Presse hatte über eine Versammlung in der Friesischen Wehde berichtet, bei der die ›Wellen hochgegangen‹ waren bzw. die ›Volksseele kochte‹, um nur zwei gängige Sprachbilder der Empörung einzuflechten. Jetzt mal langsam und zurück zu Catch-22. Im gleichnamigen Roman (sowie Film) versucht der Bomberpilot John Yossarian, … Weiterlesen Catch-22
Tabea ist ein Junge
»Tabea ist ein Junge!«, schepperte es aus dem Hörer, kaum, dass ich ihn abgenommen hatte, »jedenfalls ist sie davon überzeugt, und ich kann doch als Mutter nicht die Gesetze der Natur verleugnen.« Das Scheppern nistete in meinem Ohr wie ein Kuckucksei im Meisennest, blähte sich, explodierte und gebar ein sirrendes Fiepsen, da hatte ich den … Weiterlesen Tabea ist ein Junge
Downsizing
Mit Bangen im Herzen erwarten wir den kommenden Winter, nicht wegen des Laubs in den Dachrinnen und den Risiken der Hausbesitzer, wenn sie, auf wackeliger Trittleiter balancierend, den Arm ausstrecken, um über Kopf mit tastenden Fingern die Saat der Winde zu haschen, i wo, es ist der Habeck Robert, unser gefürchteter Meisterschwurbler der Titanklasse, der … Weiterlesen Downsizing
Mansplaining
Ein etwas irrer Fall von mansplaining ist mir untergekommen. Mansplaining? Dabei denkt man zuvörderst an einen Mann, der einer Frau, die er offenbar (qua Frausein) für geistig minder möbliert hält, Vorträge ins Ohr salbadert über Themen, für die er Groß- bzw. Alleinkompetenz in Anspruch nimmt, kurz gesagt: Der Mann schwadroniert, die Frau macht dicht. Ach, … Weiterlesen Mansplaining
Das identitätsverletzende Jägerschnitzel
Ganz heikles Thema. Am besten gleich in den Schuhkarton werfen, Etikett drauf: Toxisch! Um Political Correctness geht es mal wieder, um Sprachzensur und um mehr. Mit den N-Wörtern sind wir ja inzwischen vertraut. Auch mit dem Z-Wort, da flutscht uns das ›Sinti und Roma‹ geschmeidig über die Zunge. Dennoch, angesichts der vielen neu auftauchenden No-Go-Begriffe … Weiterlesen Das identitätsverletzende Jägerschnitzel
Neue Verschwörungstheorien
Was ist bloß mit den Querdenkern los? Ihre Verschwörungstheorien versacken irgendwo im Nirgendwo. Dabei waren die so lustig, wiewohl der ernste Hintergrund die Komik überlagert hatte, und wenn ernst gemacht wird in Teutonien, dann richtig mit Kanten und Kanonen, brutalen Blicken, kübelweise Hass und Shit-Stürmen. Gut, aber da fehlt jetzt ein konkretes Beispiel, ich nehm … Weiterlesen Neue Verschwörungstheorien
Die Schwarze Null
Ich hatte Kollege Klöpper beiseite geschoben und war geradewegs in sein Arbeitszimmer marschiert, wo seine Frau Katja sich im bläulichen Schein des Computermonitors sonnte, um es mal mit dem euphorischen Impetus eines Mallorca-Frequentierers auszudrücken. Statt einer Sonnenbrille trug sie einen selbstgefälligen Hau im Gesicht, und wo man normal den Daiquiri ablegt, im Sand neben dem … Weiterlesen Die Schwarze Null
Ein Maß Eiter
»Herr Ober, ich möchte pinkeln. Kann ich das auch mit der Visa-Karte?« Du wunderst dich, gelinde gesagt, über dieses Anliegen? Dann hör dir erst die Antwort des Kellners an: »Aber gerne, soll ich den Liter für zuhause einpacken?« Der Schlüssel zu diesem rätselhaften Dialog liegt in der chinesischen Schrift, da magst du noch so mit … Weiterlesen Ein Maß Eiter
Möbelmusik
Was soll man von einem Herrn halten, der in seinem Leben nur weiße Lebensmittel zu sich genommen hat: Käse, Eier, Zucker, Salz, Hühnerfleisch, weißer Fisch, Nudeln, Kokosmilch und dergleichen? Der in den ›Memoiren eines Mannes, der sein Gedächtnis verloren hat‹ berichtet: »Ich schlafe nur mit einem Auge. Jede volle Stunde nimmt mir mein Diener die … Weiterlesen Möbelmusik
Das letzte Hemd
Um Tante Margret und Onkel Paul in Wohlwollen einzustimmen, hatte ich unterwegs ein Sechserpack Joghurtsahnetörtchen erstanden. Damit wollte ich das schwarze Bild, dass meine Verwandten von mir zeichneten, mit der Süße von Sahne, Zucker und Zungenschmelz ins Positive wenden. »Wir vererben nichts«, begrüßte mich Tante Margret, »nur für den Fall, dass du dir falsche Hoffnungen … Weiterlesen Das letzte Hemd
Billie Eilish Fanpost
Natürlich mach ich mich damit zum Narren. Und wenn du liest, was ich gleich beichte, wird deine Zeigefingerkuppe ganz matschig vom vielen Drauf- und Heftigklopfen an die Stirn (plemplem …), ein Rattern wie der Trommelwirbel eines Spechtes. Aber einmal muss es raus: Ich bin ein Fan von Billie Eilish. Nicht von der Person, wer kann … Weiterlesen Billie Eilish Fanpost
Hiermit, diesbezüglich
Wer benutzt eigentlich noch die Hiermit-Sätze? Fallen die nicht längst unter die Rubrik ›Verstaubte Rituale‹? Das war doch so: Früher (Oh Mann, Sätze, die mit Früher anfangen!) galt es als ungebührlich, Briefe mit Ich anzufangen. Als Nachweis guter Erziehung setzte man vor das Ich gern ein Hiermit: ›Hiermit beeile ich mich, Dankesworte aus meinem Herzen … Weiterlesen Hiermit, diesbezüglich
Sprache als Kunst
»Onkel Paul seine Nichte fährt wegen dem Einkauf nach Netto hin.« Der Satz dürfte Deutschlehrer Tränen in die Augen treiben, insbesondere solchen Vertretern, die von dem Wahn befallen sind, dass es gutes und schlechtes Deutsch gibt, was sage ich, sogar richtiges und falsches Deutsch. Angestachelt von Sprachpolizisten wie Bastian Sick und Co. oder auch von … Weiterlesen Sprache als Kunst
Die Small 5 vom Watt
Als Friesländer hast du dem weltgewandten Touri wenig entgegenzusetzen, insbesondere, wenn dieser die Galerie auf seinem Smartphone öffnet und seine »Strecke« vorführt: Die Sammlung der erlegten Big 5 aus Afrika als da sind Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe und Leopard. Gottlob, die Jagd mit Flinten wird heute meist ersetzt durch Fotosafaris, wo man den Big 5 … Weiterlesen Die Small 5 vom Watt
Das Geruchshirn
»Der Mensch ist ein Nasentier«, sage ich zu Kollege Klöpper, »das ist Fakt.« Klöpper ploppt die Weizenflasche auf: »Und die Kuh ist ein Wanderschuh.« Der geborene Komiker. Er leckt den Schaum vom Flaschenrand. »Spotte nur«, erwidere ich, »aber die Geruchswissenschaft hat es einwandfrei nachgewiesen, das mit dem Nasentier.« Eine tiefe Furche zerlegt Klöppers Gesichtsoberteil, bei … Weiterlesen Das Geruchshirn
Monet und die Vase
Von einem Künstler hatte ich mal gehört, ich nenn ihn mal Adalbert, der hat jeden Tag ein Bild gemalt. Wenn’s weiter nichts ist, höre ich dich nörgeln, ich zum Beispiel esse jeden Tag ein gekochtes Ei, plustere ich mich deswegen auf? Mit deinem Ei, antworte ich, liegst du gar nicht so daneben, man sagt ja: … Weiterlesen Monet und die Vase
Die Methusalem-Falle
Wir hatten eine gute Zeit, Tante Margret, Onkel Paul und ich. Und Rauhaar Klopstock da unter dem Tisch. Kaffee wurde ausgeschenkt, Margrets selbst gebackener Käsekuchen verköstigt und Erinnerungen an die gute alte Zeit schwelgerisch ausgebreitet, damals, als die beiden noch nicht in Rente waren. Weißt-du-noch-Sätze wurden einander zugespielt, jeder einzelne ein Startschuss für eine pittoreske … Weiterlesen Die Methusalem-Falle
Der falsch erzogene Hund
Wir haben Rauhaar Klopstock falsch erzogen. Sonntagabend, Tatort hat grad angefangen, steht der Hund vor der Stubentür (sagt man noch Stube zu dem Bereich, wo Sofa, Stehlampe, Fernseher und Couchtisch stilvoll arrangiert sind als Nachweis eines formidablen Geschmacks?), also Klopstock steht, vom Sofa aus gesehen, auf der gegenüberliegenden Seite der Stubentür, nämlich flurseitig (oh mein … Weiterlesen Der falsch erzogene Hund
Die Vorzüge Frieslands 2
Nicht vergessen habe ich meine Absicht, in unregelmäßigen Abständen auf die Vorzüge Frieslands hinzuweisen, insbesondere im Vergleich mit einer Referenz-Großstadt (Berlin?). Großstadt bedeutet für mich eine niederdrückende Glocke aus Gerüchen, die der Friese mit Tätigkeiten verbindet, deren Visualisierung per ausgedrucktem »Oh Mann, das ist der Fliegen Tod« oder, schlimmer noch, als Emoji, ihn veranlasst, seine … Weiterlesen Die Vorzüge Frieslands 2
Die gespaltene Geseelschaft
Einen schlauen Satz habe ich gelesen, der mir aber sogleich Kopfzerbrechen verursachte – also nicht, dass du denkst, mein Kopf wäre zerbrochen, und die Einzelteile lägen wie die Fragmente einer auf die Fliesen gefallenen Ming Vase bei uns in der Wohnung herum und mein Restkörper wäre damit zugange, den Haufen zusammenzukehren und wieder zu kitten, … Weiterlesen Die gespaltene Geseelschaft
Fakebiografien
Als ich zur Welt kam, war ich acht Jahre alt und trug einen Schnurrbart. Opa Karl glotzte mich ungläubig an, sattelte erbost den Quadratzentimeter und galoppierte davon. Das hielt meinen Vater nicht davon ab, seine Latschen in die Bratpfanne zu werfen, denn mein achtjähriges Sammelsurium verlangte nach Röstaromen und Nudelbrei. Jetzt ist es soweit, denkst … Weiterlesen Fakebiografien
Erinnerung an Pillepalle
Ich unterbrach Kollege Klöpper beim Weißbierschlürfen, um ihn auf einen Vorfall aus unserer Schulzeit hinzuweisen, an den ich mich plötzlich erinnerte, ausgelöst durch ein blitzhaftes Aufleuchten des Bewusstseins, ein Umstand, der mir öfter passiert und der mich ärgert, denn wenn ich mal ein wesentliches Ereignis oder ein Datum ins Gedächtnis hervorrufen muss, sagen wir unseren … Weiterlesen Erinnerung an Pillepalle
Piep Piep
Manchmal rumort ein Gedanke in einem rum und rödelt im Verborgenen, bis er brutal aus dem Unterbewusstsein hervorbricht: »Grüß Gott, hier bin ich.« Zack. So erging es mir mit einem Zitat von Annalena Baerbock, schon lange her. Sie hatte eine Situation geschildert, wo das rassistische N-Wort gefallen war, also nicht ›N-Wort‹ an sich, sondern das … Weiterlesen Piep Piep
Wirr sind das Volk
Wahrscheinlich hatte ich mich verguckt – »du muss dir mal die Augen warten lassen«, sagte die Weibin in unserem Haus, »da gibt es Sonderangebote und tut nicht weh« (man beachte die effiziente Sprachökonomie), aber ich war mir sicher: Auf dem Plakat der Demonstrantin stand ›Wirr sind das Volk‹. Sie lief bei einem Anti-Anti-Diktatur-Spaziergang mit. »Kann … Weiterlesen Wirr sind das Volk
Ent oder Weder
John le Carré soll über Bonn genörgelt haben: »Entweder es regnet, oder die Bahnschranken sind runter.« Mit so einem Entweder-Oder-Algorithmus lässt sich die Beschreibung vieler Orte verknappen. Ich kannte sogar eine verwirrte Seele, die diese Verknappung zusätzlich verknappt hatte, quasi Doppelknapp, aber davon später. Bei ›Bahnschranke runter‹ fällt den Varelern sofort eine feuchte Kolorierung ihres … Weiterlesen Ent oder Weder
Schlechte-Laune-Blitzableiter
Ich hatte schlechte Laune und brauchte jemanden zum Ärgern, zum auf den Nerv gehen. Als Blitzableiter, hinterher eitel Freude, Eierkuchen. Just in diesem Augenblick trat die freche Nachbarstochter Marie-Curie aus dem Haus gegenüber, mit Terrierdame Sissi im Schlepptau, Gassi gehen gegen Honorar. Als Blitzableiter nur zweite Wahl, aber egal, man wird bescheiden. »He Marie«, rief … Weiterlesen Schlechte-Laune-Blitzableiter
Misophonisches
Kennst du das Geräusch, wenn jemand ein Löchlein im Backenzahn hat oder eine Lücke zwischen zwei Zähnen, in die sich beim Essen eine Faser Lammfleisch (jetzt wird’s etwas eklig) oder ein zähes Bröckchen vom Kotelett verklemmt hat und der Besitzer der Zahnreihe ansetzt, das störende Miststück mit einem unauffälligen Daumennagelratsch hinter vorgehaltener Hand aus der … Weiterlesen Misophonisches
Wo die Träume blühen
Als ich letztens den Versuch unternahm, mit Empathie und tiefer Zuneigung den Querdenkern und Coronaleugnern Beistand zu leisten, fiel mir im Nachhinein auf, in welch einer wunderlichen Welt sie doch leben müssen, eine Welt, durch die wir als Kinder träumerisch gewandelt sind: die Welt der Märchen und Mythen, Alice im Wunderland, später die Harry-Potter-Fantasien und … Weiterlesen Wo die Träume blühen
Die heilige Krippenfamilie
Große Diskussion: Ist die Heilige Familie noch zeitgemäß? Kann man heuer noch eine Krippe mit Vater, Mutter und Kind aufstellen, wo Patchworkfamilien sich als Pflicht und Standard durchgesetzt haben? Wo auch verheiratete Lesben- und Schwulenpaare Kinder großziehen? Hier bedarf es dringend eines Upgrades der Heiligen Familie, einer Neuordnung der biblischen Konstellation, die in unserem Jahrhundert … Weiterlesen Die heilige Krippenfamilie
Das weihnachtliche Murmeltier
Manchmal bringt es ein Filmtitel zum geflügelten Wort, wobei der Begriff ›geflügeltes Wort‹ bei genauerer Betrachtung seinerseits ziemlich geflügelt daherkommt. Manchmal verblassen die Flügelwörter auch. Wer zitiert heute noch ›Hunde, wollt ihr ewig leben‹? Marie-Curie, unsere Nachbarstochter, dürfte darüber nur verständnislos ihre Piercings abzählen als Ablenkung von den unterirdischen Sprüchen des weißen alten Mannes (das … Weiterlesen Das weihnachtliche Murmeltier
10 nach 12
Nicht erst seit der Corona-Pandemie, aber von da an vermehrt werden wir mit minutengenauen Zeitangaben traktiert, deren jede apokalyptischer klingt als die vorherige, als Damokles-Schwert über unseren Häuptern zittert und den baldigen Untergang ankündigt. »Es ist 10 vor 12«, schallt es aus den Lautsprechern der Endzeitbeschwörer, aber schon drängeln sich die Hintermänner nach vorn mit … Weiterlesen 10 nach 12
Mit Liebe gegen Lügen
Allenthalben wird eine Verrohung der Sitten und Umgangsformen beklagt und die Spaltung der Gesellschaft vorhergesagt. Zugleich erblüht eine Religion zu voller Pracht, die an Inbrunst und Selbstgerechtigkeit keine Vergleiche kennt und selbst die Hardliner des Islamischen Staates neidisch auf ihren Pickups verstummen lässt: die Religion der Impfgegner. Ich glaube ja, in den Betbrüdern und -schwestern … Weiterlesen Mit Liebe gegen Lügen
Bla bla bla
»Bla bla bla.« Mit diesem Schlachtruf treffen die Greten und Thunberge dieser Welt den Kern dessen, was unsere politisch ›Verantwortlichen‹ an Sprechblasen, schwammigen Umschreibungen und dem Girlandenwerk des Wischiwaschi täglich als Sondermüll in die Mikrophone salbadern, wobei selbst dem gutwilligsten Zuhörer speiübel wird, so er nicht vorher vor Wut geplatzt ist. Insofern halte ich das … Weiterlesen Bla bla bla
Die Rückseiten der Gemälde
Für ein paar Wochen konnten Kunstliebhaber aus der ganzen Welt etwas Besonderes besichtigen, ein Anblick, der seit Jahrhunderten nur wenigen Eingeweihten und Privilegierten zugute kam: Die Rückseite des Gemäldes ›Die Nachtwache‹ von Rembrandt. Das Rijksmuseum in Amsterdam hatte das Werk wegen einer Inspektion andersrum aufgehängt mit dem Risiko, dass eine schon befürchtete Janusgesichtigkeit des Meisters … Weiterlesen Die Rückseiten der Gemälde
Induzierter Verkehr
Einen bestimmten Aphorismus sollen Verkehrsingenieure gern zum Besten geben, und der geht so: »Der Versuch, Verkehrsstaus durch das Hinzufügen von mehr Kapazität zu heilen, ist wie der Versuch, Fettleibigkeit durch das Lockern des Gürtels zu heilen.« Wobei Kapazität für Straßen und Parkplätze steht. Und das Ganze firmiert unter dem Stichwort ›Induzierter Verkehr‹. Der Induzierte Verkehr … Weiterlesen Induzierter Verkehr
„Mit dem Rücken zur Fahrtrichtung“
Interview: Heinzi über 40 Jahre Friebo, Haarausfall und Kautabak Bevor es zur ersten Frage kommt, springt Heinzi von seinem Sessel auf und erläutert seine Theorie der Retardierung, die er nach eigenem Bekunden in seiner Kolumne den Friebo-Lesern einzuhämmern gedenkt. »Es beginnt mit dem Ende und endet mit dem Anfang«, begründet der Autor die Notwendigkeit, das … Weiterlesen „Mit dem Rücken zur Fahrtrichtung“
Herbstmänner
Wenn ich dieser Tage mit Rauhaar Klopstock durch den herbstlich-winternahen Wald streife, begegnet uns manchmal die zu grauer Gestalt geronnene Bedürfnislosigkeit, oder anders ausgedrückt, die figurative Ausformung aller irdischer Zerfahrnisse, ein Begriff, der mir analog zu Bodo Kirchhoffs Novelle »Widerfahrnis« einfällt, und daran kann man sehen, wie sich Assoziationssprünge in der Schüssel (= Hirnareal) gichtfingrig … Weiterlesen Herbstmänner
Das Netzkabel
Neulich habe ich alle meine Musik-CDs weggeworfen. Eigentlich wollte ich mir ein Album von Tom Waits anhören, das, wo vorne auf dem Cover kein Maultier drauf ist, obwohl der Titel ›Mule Variations‹ das geradezu einfordert. Gut, mit mule könnte auch Drogenkurier gemeint sein, bei Tom Waits liegt das nahe, aber wurscht, denn der CD-Player gab … Weiterlesen Das Netzkabel
Neue Wörter
Langsam bin ich's leid mit diesen neuen Wörtern und Begriffen. Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht über einen Ausdruck stolpere, der mir erst mal nix sagt, anscheinend aber superwichtig ist fürs Verstehen der Gegenwart und ihres aus allen Poren schwitzenden Insiderwissens. Was genau ist ein ›Barcamp‹? Eine Zeltstadt, an deren Bar Tequila … Weiterlesen Neue Wörter
Der Zahnarzt mit der Kettensäge
Die Schwemme der Regionalkrimis, insbesondere der Friesenkrimis, hat mich angeregt, auch einen Roman zu schreiben. Mir fielen auch sofort Buchtitel ein, die das Regionale zum Ausdruck brachten: ›Der teuflische Tourist‹ – ›Das Matjesmassaker‹ – ›Das Skelett im Gülletank‹ – ›Die Labskaus-Morde‹ – ›Die Untoten im Vareler Rathaus‹ – ›Leichen fliegen über Bockhorn‹ – ›Fräulein Siemtje … Weiterlesen Der Zahnarzt mit der Kettensäge
Smarte Fußfesseln
Als Einsiedler in einem Loch in einem dunklen Wald dahinvegetieren, Blätter kauen, Maden lutschen. Auf diesen Gedanken kam Holger, der bekennende Tech-Freak, als er seine Apple Watch in die Mülltonne pfefferte, zusätzlich die Überwachungskamera ›Ring‹ von Amazon und als Nachtisch das Armband ›Halo‹, ebenfalls von Amazon, Deckel zu, nicht ganz die feine Art, denn das … Weiterlesen Smarte Fußfesseln
Frieslandhymne
In unregelmäßigen Abständen die Lobeshymne auf Friesland zu singen, das Gute, Schöne und Erhabene der heimatlichen Krume hervorzuheben, dies hatte ich mir als Aufgabe gestellt, und heute ist es wieder soweit. Was einem dazu sofort einfällt? Na die Kühe. Ja was, vergleiche einmal die Kühe mit, sagen wir, Kängurus oder Kanalratten oder, mich schüttelt's, wenn … Weiterlesen Frieslandhymne
Diese Greten
Ich kann nicht behaupten, dass mir der Dialog mit der Jugend einen Erkenntnissprung beschert, aber wer erwartet das schon von jemand, hier nenne ich die Nachbarstochter Marie-Curie als Fallbeispiel, die zwar mit der Terrierdame Sissi Gassi geht, um bei der fraulichen Frauke von gegenüber einen fetten Taler abzugreifen, da Frauke als Sissis fürsorgeberechtigte Halterin ihren … Weiterlesen Diese Greten
Waldbaden
»Ich kann mich ja gut in deine Klienten hineinversetzen«, sprach ich und ölte meine Stimme nach den Vorschriften für Heiratsschwindler, »nach all den Monaten der Einsamkeit im Lockdown gebricht es vielen Ungefestigten an Lebenskraft, um ein solides Gerüst, sprich eine Krücke für unausgelebte Körperkontakte zu installieren.« Ich hatte Kuscheltherapeutin Susanne in der Leitung und warf … Weiterlesen Waldbaden
Pi
»Kommt heut nicht der zweite Teil zum ersten Teil?«, rief ich durchs Haus in der Hoffnung, aus irgendeiner Ecke eine Antwort zu bekommen. Plötzlich wurde mir bewusst, dass der Satz zwar plausibel klang – ein zweiter Teil folgt in der Regel auf einen ersten Teil –, gleichzeitig aber etwas unklar. Ich hatte den Fernsehfilm im … Weiterlesen Pi
Wahlwerbung mit Schnarchgarantie
Von den Wahlplakaten lächeln sie wieder auf uns herab, die Kandidaten und Kandidatinnen. Man muss sich beherrschen, um nicht das Wort ›lächeln‹ durch ›grinsen‹ zu ersetzen. Aber das kennen wir längst, und man könnte sich mehr Abwechslung vorstellen, etwa einen Bewerber mit finsterer Miene, zerfurcht vor Gram und Ungehaltenheit über die miesen Bürger, die ihn … Weiterlesen Wahlwerbung mit Schnarchgarantie
Vererben ist Mist
»Wem wollt ihr eigentlich euren ganzen Reichtum vererben?«, frug ich im Tonfall wohlmeinender Sorge. Onkel Paul hatte sich gerade eine Ladung Schlagsahne auf seinen Teller geschaufelt. Unsere Kaffeegesellschaft genoss den Duft der Röstbohnen, und ich hatte den selbstgebackenen Pflaumenkuchen von Tante Margret ausgiebig gelobt und ein drittes Stück auf meinen Teller gehievt als Bestätigung für … Weiterlesen Vererben ist Mist
Der Blockwart in mir
Ein Anliegen dieser Kolumne ist es, sich als anwaltlicher Begleiter für sinnfremdes und somit menschliches Verhalten einzubringen. Seit Corona scheint sich allerdings das spielerisch Irrationale in irgendwelche dunkle Ecken zu verkrümeln, wo es niemanden stört. Keine skurrilen Ereignisse würzen die Nachrichten mehr, und von spleenigen Figuren aus dem Land der Fantasterei hört man nur in … Weiterlesen Der Blockwart in mir
Die Damenkarte
Von der Existenz einer sog. ›Damenkarte‹ habe ich erst jetzt erfahren, ein gefühlt halbes Jahrhundert zu spät, und es muss daran liegen, dass in der Epoche, als Damenkarten den Gästen eines Nobelrestaurants vorgelegt wurden – genauer gesagt, den Damen und nicht den Herren am Tisch, aber das sagt ja bereits der Name –, dass es … Weiterlesen Die Damenkarte
Sterne der Erleuchtung
Altmodisch wie ich bin, notiere ich Sprüche und Zitate, die mir unterwegs auffallen, in eine Kladde, obwohl ich sie in mein Smartphone diktieren könnte. Tja, so ist das mit der old school. Meine Angewohnheit kann als Paradebeispiel für den Ausdruck ›verschriften‹ herhalten, jau, wie es halt so in den Amtsstuben wiehert. Die besagten Notate dienen … Weiterlesen Sterne der Erleuchtung
Club der Subversiven
Vor ein paar Jahren hatte ich die Idee, das Internet platzen zu lassen. Dafür müsste man eine Schleife programmieren, so überlegte ich, die sich selbst mit jeder Umdrehung multipliziert und exponentiell ansteigende Ressourcen verbraucht, bis das System explodiert. Ich konsultierte Timo, den Computer-Nerd, aber der muffelte nur: »Funktioniert nicht.« Falls du jetzt denkst, dem Heinzi … Weiterlesen Club der Subversiven
Null Energie
›Mal angenommen‹, so heißt eine Podcast-Serie der ARD, bei der jeweils ein extremes Gedankenexperiment durchgespielt wird. Beispiel: ›Mal angenommen: keine Schulnoten mehr – was dann?‹ An diese Serie dachte ich, als ich einen Bericht über ein Nullenergiehaus las. Was wäre, wenn wir ausschließlich Nullenergiehäuser hätten? Dann ginge die Kunst des Fensteröffnens verloren, und unsere Kinder … Weiterlesen Null Energie
Fragen, Fragen
Zu den ewig ungelösten Fragen haben sich seit Corona ein paar neue hinzugesellt. Bei den alten Grübelteufelchen geht's ja gleich um das große Ganze: Warum gibt es uns? Religiöse Menschen verweisen auf einen Schöpfer, aber das hat nichts mit Wissen zu tun, sondern mit Glauben, und wer diesen Glauben verneint, glaubt seinerseits an die Verneinung … Weiterlesen Fragen, Fragen
Der Hammermann
»Im Grunde brauchst du nur einen Hammer«, sagt Kollege Klöpper, »mit einem Hammer kannst du alles regeln.« Damit wäre die Ratgeberliteratur um eine Variante reicher, ich könnte auch sagen, um eine Facette, aber sprachsensorisch verfehlt die Zuschreibung ›Facette‹ den Sachverhalt um – sagen wir – Welten des Diffizilen, oder genauer, des Filigranen. »Mit dem Hammer«, … Weiterlesen Der Hammermann
Mauernde, Angelnde, Gendernde
Sich mit der Gendersprache herumzuschlagen, den Gender-Sternchen, Schluckauf-Innen, Binnen-Is, Doppelpunkt- und Unterstrich-Kreationen, kommt bei dem aktuellen Sprachgemetzel einem suizidalen Tanz auf einem Minenfeld gleich. Solange Rauhaar Klopstock noch sein Bein hebt, versage ich mir eine Stellungnahme. Bloß: An der Regel ›Keine Regel ohne Ausnahme‹ komme ich nicht vorbei. Es sind die Studierenden, die an meinem … Weiterlesen Mauernde, Angelnde, Gendernde
Wohlklang in der Krächzbude
Jahr für Jahr dasselbe Spiel: Gefiederte Sangeskünstler erobern unseren Garten und erfreuen uns mit ihrem Zwitscherkonzert. Getrübt wird das Erlebnis nur vom Gerassel einer Horde Krähen. Und wie jedes Jahr endet mein Bemühen, das Gezwitscher bestimmten Vogelarten zuzuordnen in der Einsicht, dass mir die ornithologischen Werkzeuge nicht in die Wiege gelegt wurden. Besonders ein Exemplar … Weiterlesen Wohlklang in der Krächzbude
Es bleibt, wie es bleibt
Bisher habe ich noch keinen gefunden, der gegen folgende Annahme wetten würde: Ich behaupte, dass sich nach der Pandemie die gleichen Zustände einstellen wie davor. Eigentlich eine unhaltbare These, denn schon der Grieche Heraklit sprach: ›Alles fließt‹, oder bildhafter ›Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen‹. Demnach verändert sich die Welt von einem Augenaufschlag … Weiterlesen Es bleibt, wie es bleibt
Zufrühernte
»Nanu, sind die Himbeeren schon reif?« Diese Frage hätte Kollege Klöpper nicht stellen dürfen. Denn der Satz markierte den Beginn einer eskalierenden bitteren Auseinandersetzung. Klöppers Frau Katja hatte gerade eine blässlich-rosa Frucht neben die Kaffeetasse gelegt in der bescheidenen Erwartung von Jubel und Jauchzen. Stattdessen der Satz. Du musst wissen: Jahr für Jahr entbrennt ein … Weiterlesen Zufrühernte
Biokampfstoff
Bei Onkel Paul und Tante Margret habe ich einiges wiedergutzumachen. Bei meinen letzten Besuchen hatte ich es mir nicht verkneifen können, das Gespräch zielgenau auf das Thema Tod und Bestattung zu lenken, eine Psychomacke, die unbedingt eine Diagnose und anschließende Therapie abverlangt, später, denn jetzt steh ich vor dem Haus meiner Anverwandten, einen ›Gerupften‹ in … Weiterlesen Biokampfstoff
Schwarmintelligenz
»Guck«, sagte ich zur Weibin in unserer Küche, »die Evolutionslehre hat aufgedeckt, dass wir vom Affen abstammen, und die Psychoanalyse, dass wir Affen nicht Herr über uns selbst sind, sondern von Trieben aus dem Unterbewusstsein gesteuert werden – mithin«, so schloss ich, »liegt unser Wohl und Wehe …« Da war die Weibin schon zur Hintertür … Weiterlesen Schwarmintelligenz
Kadetten – Idioten
Leider finde ich grad niemanden, der mir eine drängende Frage beantworten könnte. Das kam so: Ich hatte mich an einen Geschichtslehrer erinnert, der in einem Auf und Ab von Gefühlswallungen und Bluthochdruckphasen Wutanfälle inszenierte, deren feuchte Gratisbeigaben die Schüler in der ersten Reihe einnebelte und intoxinierte, was mir keinen Deut des Mitleids abrang, denn vorne … Weiterlesen Kadetten – Idioten
Die Wahrheit der Lüge
»Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners.« Das ist kein Zitat von Ex-Präsi Trump, dem solch geniale Gedankenflöhe höchstens im Suff zuzutrauen sind. Heinz von Foerster brachte den Tusch heraus, der Philosoph, der dem Konstruktivismus zugeordnet wird, welcher behauptet, wir würden die Wirklichkeit nur in unserem Hirn erzeugen, was wiederum an die Frage erinnert, ob wir … Weiterlesen Die Wahrheit der Lüge
Kann ich mal ihr Bad benutzen?
Zwei Männer stehen vor der Tür, Kripo, Mordkommission. »Haben Sie etwas Verdächtiges gesehen?«, fragt der eine, weil, es ist ein Mord in der Nachbarschaft geschehen. Blöde Frage, warum nicht gleich: »Wie heißt der Mörder? Wo wohnt er?« Plötzlich Pulleralarm beim anderen Polizisten: »Kann ich mal Ihr Bad benutzen?« Klar doch. Wir wissen, er ›muss‹ gar … Weiterlesen Kann ich mal ihr Bad benutzen?
Arier vom Nordpol
Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht neue Offenbarungen über Rassismus, Diskriminierung, Gender-Gap oder kulturelle Diversität erfahre. Was mich dazu nötigt, meinen Wortschatz permanent anzupassen, um nicht – noch so ein eingestanztes Rollenstigma – als ›alter weißer Mann‹ diskriminiert zu werden. »Immerhin«, sage ich zu Kollege Klöpper, »hält einen das auf Trab, quasi … Weiterlesen Arier vom Nordpol
Schlips mit Guinness
Ich weiß nicht, ob es dir auch schon aufgefallen ist: In der Männermode tut sich was. Ein Umbruch. Ein Knalleffekt, was sage ich, ein Urknalleffekt. Aber der Reihe nach. Ich stehe auf der Straße, im angemessenen Abstand zur Nachbarstochter und Frechlippe Marie-Curie, vor uns Rauhhaar Klopstock und Terrierdame Sissi in abwechselnden Anal-Riechpositionen. »Das war so«, … Weiterlesen Schlips mit Guinness
Wem der Groschen fällt
Heute will ich versuchen, zwischen den Begriffen Groschen, Gehirnmechanismus, Ministerpräsident, Beethoven und Währungsumstellung eine Verbindung herzustellen. Ganz schön ambitioniert, sagst du? Dazu angeregt hat mich die Redewendung ›Der Groschen ist gefallen‹. Der Spruch steht für eine plötzliche Erkenntnis: Wenn jemand einen Witz kapiert oder eine Sache verstanden hat, also das Wesentliche eines Problems oder einer … Weiterlesen Wem der Groschen fällt
The King
Vor einiger Zeit hatte ich über den Glanz der Titel und Anreden referiert, mit denen sich die Potentaten auf unserem Erdenrund schmücken, ausgehend von der »Sonne der Menschheit«, dem Etikett, das sich Kim-Jong-un selbst an die Brust resp. an die diese repräsentierenden Fettwabbeln angeheftet hat. Nachdem ich mit respektvoller Untertänigkeit auch die Hoheiten unserer Provinz … Weiterlesen The King
Das Schweigen schweigt
Kann man sich Gedanken machen über etwas, das es gar nicht gibt? Über das Nichtvorhandensein beispielsweise von Geräuschen? Als ich diese Frage im Bekanntenkreis aufwarf, erntete ich einhellige Gesten der Selbstentweihung: Augenverdrehen, mit dem Finger an die Stirn tippen. Grad, dass mir Kollege Klöpper kameradschaftlich entgegenkam mit der Bemerkung, die meisten Leute dächten eh an … Weiterlesen Das Schweigen schweigt
Nieren, Samen, Leberfleck, Hakennase
»Du wirst wirre«, sagte die Weibin, »bald muss ich dich einliefern.« Zur Bekräftigung setzte sie hinzu: »Da beißt die Maus keinen Faden ab.« Was diese Ankündigung eines fürsorgenden Ehegatten-Splittings ausgelöst hatte? Nur eine kleine Verhaltensauffälligkeit, harmlos, vielleicht etwas spinnert, das wohl. Wir hatten einen Fernsehfilm gesehen über eine Nieren-Überkreuzspende. Der Plot: Zwei Ehepaare in Not. … Weiterlesen Nieren, Samen, Leberfleck, Hakennase
Letzte Worte
Ich weiß, ich weiß, ich weiß. Jedes Mal, wenn ich Tante Margret und Onkel Paul besuche, verrutscht mir die Sprache, meine Gedanken fliehen ins Unaussprechliche, dunkle Phantasien umwölken den Kaffeetisch und zu guter Letzt schmeißen mich die beiden raus. Weil ich mich wieder einmal über Todesfälle und Bestattungen ausgelassen habe sowie über das damit einhergehende … Weiterlesen Letzte Worte
Grüne Männchen – Ostereier
Wo sind die grünen Männchen geblieben? Die vom Mars. Jetzt hatte die NASA den Marsrover Preserverance auf den Planeten geschickt, um zu erkunden, wo die Glibberkerle hausen, wovon sie sich ernähren (Grünkernfrikadellen?) und wie sie sich fortpflanzen (durch Osmose?). Und was findet das hochgerüstete sechsbeinige Vehikel? Nix. Stochert im Sand herum, bohrt sich in der … Weiterlesen Grüne Männchen – Ostereier
Ich bin keine Katze
»Ich bin keine Katze.« Diesen Klageruf stieß der US-Jurist Rod Ponton aus, als er bei einer Videokonferenz sein Ebenbild auf dem Monitor entdeckte: ein niedlicher Katzenkopf schaute ihn mit großen Kulleraugen an. Ein Zoom-Filter hatte den ehrenwerten Anwalt in eine Katze verwandelt. Und die Netzgemeinde hatte ihren Spaß. Mich erinnert sein Dementi an eine filmische … Weiterlesen Ich bin keine Katze
Aus Schlick geboren
Diese Woche kein Heinzi im Friesländer Boten. Als Ersatz, Seelenschmalz und zum Wundenlecken stelle ich lyrische Kleinodien vor, deren Nenner gleich Zähler ist. DAS VIEH IST AUFGEWACHET Die Sau liegt still und schweigetund aus dem Kuhstall steigetfein Nebelgilbder Gülle Qualm.Ein Elster will wohl fallenvom Tannennadelbraunund wecken in den Stallendie Kühe und die Saun. DANGAST 4.GLASEN … Weiterlesen Aus Schlick geboren
Das Ur im Wald
»Lausche meinen Versen«, sprach ich zu Kollege Klöpper, »Lyrik vom Feinsten. Du wirst weinen vor Rührung.« »O weia«, ächzte Klöpper, »das schreit nach einem Bier.« »Ruhe jetzt! Also höre: DAS UR IM WALD Es war im Neuenburger Urwald, als wir, mit Opernglas und Käsebrot, dem Ur und Einhorn auf der Spur verpirschten uns auf Abenteuertour. … Weiterlesen Das Ur im Wald
Gute Laune gegen den Viruskoller
Egal, was sie anstellen, egal, was sie sich ausdenken, egal, welche Maßnahmen sie ergreifen, prompt hagelt es Vorwürfe und Kritik. Alles würden die Corona-Macher versemmeln, lausig ausführen, fehlerhaft organisieren. Wer da so schimpft sind wir, die Bürger des Staates SchwarzRotGold im Lande ›Unzufrieden‹ sowie die Opposition, die nix zu verantworten hat und aus der sicheren … Weiterlesen Gute Laune gegen den Viruskoller
Schrödingers Katze
Das Dumme an Marie-Curie ist, dass sie so schlau ist. Die Nachbargöre findet für jeden Topf einen Deckel. Wenn ich nur vom Klimawandel anfange! Oder von der Mikroplastik. Es macht keinen Spaß, von einer Mittenmangpubertierenden über den Mund gefahren zu werden. Ihr wiederum ist es peinlich, mit mir, Terrierdame Sissi und Rauhaar Klopstock zusammen gesehen … Weiterlesen Schrödingers Katze
Wahn & Ekstase
Wahrscheinlich glaubt mir das keiner: Ich schreibe alle Texte mit dem Bleistift. Einen, den man noch anspitzen muss. Ja, guck nur so eulig. Ich erwähne dies, weil ich hinten in der Schublade den Druckbleistift wiedergefunden habe, mit dem ich nie zurechtgekommen bin. Und was glaubst du? Nach einen kurzen Anlernphase juckelt der nur so über … Weiterlesen Wahn & Ekstase
Tigerspinne
»Bei euch wäre es natürlich undenkbar«, sage ich. Onkel Paul raschelt mit der Zeitung. Tante Margret schaut kurz und unaufmerksam zu mir rüber. »Hier steht«, sagt sie, »dass ab Montag Käsewoche beim Supermarkt ist, hörst du, Paul?« Onkel Paul steckt seinen Kopf in die Politikseite. »Ich sagte«, sage ich, »dass es bei euch undenkbar wäre.« … Weiterlesen Tigerspinne
